Comeback von Conseslus Kipruto in Paris

© Getty Images for IAAF / Andy Lyons

Das Diamond-League-Meeting am Samstagabend in Paris steht im Zeichen des Comebacks von Conseslus Kipruto. Der Kenianer, der im Alter von 24 Jahren bereits alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, hatte sich im Mai kurz vor Saisonstart einen Ermüdungsbruch im linken Fuß zugezogen – dieselbe Verletzung hat auch Evan Jager – und damit seinen Saisoneinstieg verschoben. Für das finale Diamond-League-Meeting in der Qualifikationsphase ist der Kenianer rechtzeitig wieder fit und wird auf der neuen Laufbahn des Stade Charléty in Paris, auf der im kommenden Sommer die Europameisterschaften ausgetragen werden, versuchen, sich mit einem Top-Resultat erstens für das Diamond-League-Finale in Brüssel zu qualifizieren und zweitens einen wichtigen Schritt in Richtung WM 2019 in Doha zu setzen. Die neue Laufbahn im EM-Stadion trägt übrigens den Namen Sportflex Super X 720 und stammt aus der Produktion des italienischen Unternehmens Mondo. 260 Rollen der 13,5 Millimeter dicken, blauen Laufbahn wurden im Stadion verlegt, das sind über 11.000 Quadratmeter.
 

Conseslus Kipruto auf dem Weg zum WM-Titel 2017. © Getty Images for IAAF / Andy Lyons
 

Kenianische Durststrecke

Das Comeback des Olympiasiegers und Weltmeisters wäre nicht so besonders, würden die kenianischen Hindernisläufer nicht ausgerechnet in ihrer eigentlichen Spezialdisziplin in eine Durststrecke gelaufen sein. In den ersten neun Jahren der Diamond League, so errechneten Experten der US-amerikanischen Läufer-Plattform „Let’s Run“, haben kenianische Läufer über 90% der Hindernisrennen für sich entschieden. Die Erfolgsserie bei globalen Meisterschaften ist ebenfalls atemberaubend. Aber auch aufgrund Kiprutos Abwesenheit wartet Kenia heuer noch auf einen Erfolg in der Diamond League, auch wenn sich Benjamin Kigen und Abraham Kibiwott mit persönlichen Bestleistungen in Monaco achtbar aus der Affäre gezogen haben. Beide sind auch in Paris dabei, dazu kommen der Äthiopier Chala Beyo und der Marokkaner Soufiane El Bakkali, der bisher zwei Rennen gewann und daher die Qualifikationswertung aktuell anführt. Für das Finale in Brüssel sind noch fünf der zwölf Startplätze vakant.
 

Große Chance für Ingebrigtsen

In der zweiten Lauf-Entscheidung fehlt der bisherige Saison-Dominator Timothy Cheruiyot zu Gunsten der Vorbereitungen auf die kenianischen Meisterschaften und Weltmeisterschaften. Diese Tatsache erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Premierensiegs durch das europäische Supertalent Jakob Ingebrigtsen, der von allen Teilnehmern die beste Saisonbestleistung aufweisen kann. Die Abwesenheit des bekennenden Frontrunners aus Kenia wird aber auch den Charakter des Rennens verändern, das sehr viel Spannung hegt. Denn zahlreiche Athleten bewegen sich auf einem ähnlichen Leistungsniveau: Neben Jakob Ingebrigtsen ist dies sein Bruder Filip, der Australier Stewart McSweyn, Ronald Musagala aus Uganda, Ayanleh Souleiman aus Dschibuti und der äthiopische Hallen-Weltmeister Samuel Tefera. Dazu kommt der Sieger der Team-EM und Hallen-Europameister Marcin Lewandowski, dessen rasanter Endspurt in jedem Rennen Trumpf sein kann. Eine weitere spannende Komponente bringt auch das Diamond-League-Comeback nach drei Jahren von Taoufik Makhloufi mit sich. Der Olympiasieger von London 2012 und Olympia-Zweite von Rio 2016 kämpft in Paris um das WM-Limit von 3:36,00 Minuten, auf das ihn noch eine halbe Sekunde fehlt.
 

Debüt als Läuferin für den Bahrain

Eine Überraschung bietet sich im 800m-Lauf der Frauen. Nach kurzer Abwesenheit gibt Nelly Jepkosgei ihr Comeback, allerdings nicht unter kenianischer, sondern unter bahrainsicher Flagge. Damit ist auch der Grund ihrer wochenlangen Abwesenheit klar. Dass die 28-Jährige damit freiwillig auf eine wahrscheinliche WM-Teilnahme als schnellste Kenianerin im bisherigen Jahr verzichtet, wird ihr durch den Nationenwechsel offenbar finanziell versüßt. Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hat übrigens kein Statement zu diesem Nationenwechsel herausgegeben, laut den Regularien ist Jepkosgei bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen drei Jahre lang nicht startberechtigt.
In Abwesenheit der US-Amerikanerin Ajee Wilson, die die Rennen in der Post-Semenya-Ära bestimmt hat, ist Natoya Goule in Paris die Favoritin, knapp gefolgt von Raevyn Rogers. Um eine vordere Platzierung kämpft mit Unterstützung des Publikums auch die Vize-Europameisterin Renelle Lamote, die noch ein paar Punkte braucht, um einen der vier vakanten Plätze beim Diamond-League-Finale zu ergattern. Dasselbe gilt für die EM-Dritte Olga Lyakhova, die ebenfalls am Start steht. Auch Goule hat ihren Startplatz in Brüssel übrigens noch nicht sicher.
 

Heimspiel für Bosse

Die einzige Lauf-Entscheidung in Paris, in der es nicht um Punkte für das Diamond-League-Ranking geht, ist der 800m-Lauf der Männer. Interessantester Starter ist Michael Saruni, ein Kenianer, der in den USA startet, dort regelmäßig beachtliche Zeiten läuft, international bisher aber relativ selten auf der Bildfläche war. Der 24-Jährige ist neben dem kanadischen Meister Brandon McBride und den Olympia-Dritten Clayton Murphy aus den USA erster Anwärter auf den Sieg, auch Wesley Vazquez aus Puerto Rico und der Kenianer Collins Kipruto könnten ihre Chance haben. Für Lokalmatador Pierre Ambroise Bosse ist das Rennen ein wichtiger Schritt Richtung Titelverteidigung bei den Weltmeisterschaften.
 
 
Diamond-League-Meeting in Paris