ÖLV schafft nach Last-Minute-Aufholjagd Klassenerhalt

In der Staffel feierte Markus Fuchs (zweiter von rechts) seinen dritten vollen Erfolg in Varazdin. © ÖLV

Der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) hat nach einer spannenden Aufholjagd und einem dramatischen Finish seinen Platz in der Team-EM der zweiten Liga behauptet und den Abstieg in die untere Leistungsklasse wie vor zwei Jahren knapp vermieden, dieses Mal unter erschwerten Voraussetzungen und daher höherwertig einzustufen. Denn aufgrund einer Modus-Änderung, die die Team-EM der Super League von zwölf auf acht Nationen verkleinert, mussten in diesem Jahr gleich fünf Teams absteigen. Österreich lag praktisch die gesamte Dauer während der zweitägigen Wettkämpfe im kroatischen Varazdin auf einem Abstiegsplatz und sprang erst kurz vor Ende des Länderkampfs auf die rettende siebte von zwölf Positionen. Das erfolgreiche Abschneiden – und das war dieser Klassenerhalt definitiv – basierte einerseits auf die österreichischen Vorzeige-Leichtathleten, die die erwarteten Punkte verlässlich lieferten, und andererseits mehrere unerwartet gute Abschneiden. „Ich bin sehr stolz auf das junge Team. Man darf nicht vergessen, dass gerade ein Generationenwechsel stattfindet und etliche Rookies in unserem Team waren. Alle haben zusammengehalten und wir sind oben geblieben. Das zählt, Mission accomplished“, freut sich ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler. Dank der Umstrukturierung bietet die Team-EM der zweiten Liga dem österreichischen Nationalteam in zwei Jahren eine attraktivere Wettkampfbühne mit stärkeren Gegnern als in diesem Jahr – ein attraktiver Rahmen, den sich das Team dank der guten Leistungen in Varazdin erarbeitet hat.
 
 
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In der Staffel feierte Markus Fuchs (zweiter von rechts) seinen dritten vollen Erfolg in Varazdin. © ÖLV
 

Die Punktegaranten

40 Entscheidungen fanden am Wochenende in Varazdin statt und Österreich freute sich über sechs Einzelsiege – fünf davon bei den Männern, die mit zwölf das Maximum an Punkten auf das Konto der Österreicher spülten. Ertragreich waren drei weitere dritte Plätze, die alle aus dem Laufbereich kamen. In den zehn Lauf-Entscheidungen sammelten die ÖLV-Läuferinnen und -Läufer 73 Punkte, nur die Läuferinnen und Läufer aus Dänemark, Israel und Kroatien erzielten mehr.
Verlässlichster Athlet im Team war Sprinter Markus Fuchs (ULC Riverside Mödling), der auf den beiden Sprintdistanzen zwei Siege feierte und den Sieg in der Sprintstaffel mitgestaltete. Der Wiener leistete mit 36 Zählern also einen wesentlichen Beitrag an den 275 Punkten, die Österreich am Wochenende sammelte. Neben EM-Medaillengewinner Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA), der im Diskuswurf seiner Favoritenrolle gerecht wurde, feierten auch Andreas Vojta (team2012.at) im 5.000m-Lauf und Beate Schrott (Union St. Pölten) im 100m-Hürdensprint Einzelsiege. Letztendlich war Schrotts Sieg der unter Anführungszeichen wichtigste, weil im selben Bewerb die Sprinterinnen der direkten Kontrahenten um den Abstiegsplatz aus Israel und Zypern disqualifiziert wurden und daher punktelos blieben. Dieses glückliche Ereignis startete die ÖLV-Aufholjagd am zweiten Tag. Für ein dramatisches Ende sorgte die Disqualifikation der 4x400m-Staffel, der Protest des ÖLV blieb wirkungslos. Am Ende bugsierte diese Entscheidung das österreichische Team allerdings nicht auf einen Abstiegsplatz.
 

Andreas Vojta auf dem Weg zum Sieg im 5.000m-Lauf. © ÖLV
 

Starke Laufleistungen angeführt von Vojta

Andreas Vojta startete sein Lauf-Doppel mit dem Sieg im 5.000m-Lauf am Samstag. Tadesse Getahon aus Israel, Vojtas designierter größter Kontrahent, hatte mit einer frühen Attacke dem Feld den Federhandschuh hingeworfen. Im Finale kam die Gruppe unter Vojtas Initiative wieder an den Führenden heran und gewann das Rennen in einem langen Spurt in einer Zeit von 14:28,01 Minuten vor dem Esten Tiidrek Nurme. „Ich konnte das umsetzen, was ich geplant hatte“, zeigte sich der Niederösterreicher nach dem Rennen zufrieden. Allerdings hatte er mehr Energie verpulvern müssen, als er sich das angesichts des 3.000m-Starts am Sonntag gewünscht hatte. Prompt konnte der Österreicher nicht mit der Spitze mithalten, der Kroate Dino Bosnjak feierte in einer Zeit von 8:01,29 Minuten den Sieg vor dem Dänen Mikkel Dahl-Jessen, der in 8:03,95 Minuten eine persönliche Bestleistung erzielte. Vojta sicherte in einer Zeit von 8:13,48 Minuten als Fünfter acht Punkte und gewann auf den letzten Metern das wichtige Duell gegen den Israeli Dereje Chekole für die Gesamtwertung.
 

Julia Mayer überrascht

Das zweite Doppel im Laufbereich absolvierte Julia Mayer (DSG Wien), die die große Überraschung war. Im 3.000m-Lauf, der erwartungsgemäß von der Dänin Anna Emilia Möller dominiert wurde, lief sie eine persönliche Bestleistung von 9:24,40 Minuten und steuerte als Fünfte acht wertvolle Zähler bei. Noch besser lief es am Sonntagabend bei einem der letzten Bewerbe des Wochenendes, dem 5.000m-Lauf. Auch hier gelang der Wienerin in 16:07,96 Minuten eine persönliche Bestleistung – und zwar eine deutliche, mit der sie hinter der unangefochtenen israelischen Favoritin Lonah Chemtai-Salpeter und Matea Parlov aus Kroatien Rang drei belegte und mit zehn Punkten die Erwartungen an sie deutlich übertraf. „Es war einfach ein geiles Rennen!“, jubelte die 26-Jährige.
 

Julia Mayer gelangen in Varazdin zwei persönliche Bestleistungen. © ÖLV
 

Erfreuliches Comeback von Millonig

Ein weiteres erfreuliches Signal aus dem Laufbereich kam von Lena Millonig (ULC Riverside Mödling), die nach einer langen Phase der Verletzungen und Beschwerden ihren ersten 3.000m-Hindernislauf der Saison absolvierte und in einer Zeit von 10:45,11 Minuten und einem klaren dritten Platz wichtige zehn Punkte sammelte. „Für die kurze Vorbereitungszeit bin ich mit dem Lauf sehr zufrieden. Ich konnte genau das umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte“, kommentierte die Junioren-EM-Vierte von 2017, „Ich schaue jetzt positiv in die Zukunft. Endlich konnte ich wieder ein Rennen schmerzfrei laufen.“ Schneller waren lediglich die Israelin Adva Cohen, die in 10:21,07 Minuten klar gewann, und die Slowenin Klara Lukan, bei der U20-EM in Boras zuletzt Champion über 5.000m.
Auch bei den Männern fiel dank Luca Sinn (UAB Athletics) ein dritter Platz in die Wertung. In einer Zeit von 8:55,48 Minuten musste sich der EM-Teilnehmer von Berlin allerdings dem estnischen Überraschungssieger Kaur Kivistik und dem bulgarischen Favoriten Mitko Tsenov deutlich geschlagen geben, erzielte aber mit zehn Punkten exakt das laut Saisonbestleistungen definierte Soll.
In den restlichen Lauf-Entscheidungen über die Mittelstrecken gab es keine punktereichen Ernten, die auch nicht zu erwarten waren, allerdings fiel keine der ÖLV-Läuferinnen und Läufer mit einem katastrophalen Ergebnis ab. Carina Schrempf (Union St. Pölten) eröffnete die Lauf-Entscheidungen des Wochenendes im 800m-Lauf mit einer Saisonbestleistung von 2:09,60 Minuten und holte als Neunte vier Punkte – ein Ergebnis im Rahmen der Erwartungen. Schnellste war ebenfalls erwartungsgemäß Liga Velvere aus Lettland (2:03,45). Direkt im Anschluss wurde auch Nikolaus Franzmair (TGW Zehnkampf Union) im 1.500m-Lauf der Männer Neunter in einer Zeit von 4:00,03 Minuten, Nick Jensen aus Dänemark war als Sieger gut fünf Sekunden schneller.
Am zweiten Wettkampftag erarbeitete sich Leon Kohn (SVS Leichtathletik) im 800m-Lauf in einer Zeit von 1:53,13 Minuten fünf Punkte als Achter. Das nicht schlecht besetzte Feld wurde vom dänischen Sieger Andreas Bube, ein ehemaliger EM-Medaillengewinner, in einer Zeit von 1:48,59 Minuten angeführt. Im 1.500m-Lauf der Frauen, nach der verletzungsbedingten Absage von Nada Ina Pauer (SVS Leichtathletik) Österreichs erwartungsgemäß wenig hoffnungsvollste Lauf-Disziplin auf viele Punkte, belegte Bianca Illmaier (KSV alutechnik), die ihr internationales Debüt feierte, den elften und vorletzten Rang (4:40,23 Minuten). Möller vollendete das Doppel und siegte in einer Zeit von 4:18,59 Minuten vor Vera Hoffmann aus Luxemburg und Cohen. Für Dänemark, das aus den zehn Lauf-Entscheidungen die meisten Punkte holte, reichte es dennoch nicht zum Aufstieg, Estland war in den Tagen von Varazdin das ausgeglichenste Team und daher verdienter Aufsteiger in die Team-EM der ersten Liga 2021.
 

Hoffnungsvolles Comeback von Lena Millonig. © ÖLV
 

Ergebnis Team-EM der zweiten Liga in Varazdin

1. Estland 336,5 Punkte *
2. Slowenien 321 Punkte
3. Dänemark 313 Punkte
4. Lettland 306 Punkte
5. Kroatien 306 Punkte
6. Bulgarien 298 Punkte
7. Österreich 275 Punkte
8. Israel 272,5 Punkte **
9. Zypern 260 Punkte **
10. Luxemburg 180 Punkte **
11. Georgien 141 Punkte **
12. Malta 96 Punkte **
 
* Aufstieg in die Team-EM der ersten Liga im Jahr 2021
** Abstieg in die Team-EM der dritten Liga im Jahr 2021
 

Punkte aus den zehn Lauf-Disziplinen

1. Dänemark 91 Punkte
2. Israel 89 Punkte
3. Kroatien 75 Punkte
4. Österreich 73 Punkte
5. Lettland 72 Punkte
6. Estland 71 Punkte
7. Slowenien 69 Punkte
8. Bulgarien 69 Punkte
9. Zypern 56 Punkte
10. Luxemburg 53 Punkte
11. Georgien 37 Punkte
12. Malta 25 Punkte
 
 
Team-Europameisterschaft der zweiten Liga 2019 in Varazdin
European Athletics