Kein Zucker auch keine Lösung

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Ernährungstechnisch gilt Zucker als eines der größten Übel unserer Zeit – insbesondere der versteckte Zucker, der in zahlreichen nicht selbst zubereiteten Mahlzeiten lauert. Dass der übermäßige Konsum gesundheitlich negative Folgen hat ist längst erwiesen. Auch, dass in unserer Gesellschaft ein Übermaß an Zucker konsumiert wird. Zum Beispiel in Form von Getränken. Eine Beobachtungsstudie der Harvard’s School of Public Health, veröffentlicht im Fachmagazin „Circulation“, kommt zum Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit eines frühzeitigen Sterbens um 21% steigt (hauptsächlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen), wenn man zwei oder mehr zuckerhaltige Getränke pro Tag konsumiert. Bei ein bis zwei Getränken täglich steigt die Wahrscheinlichkeit um 14%, bei bei maximal vier zuckerhaltigen Getränken pro Monat ist das Risiko überschaubar. Die Forscher analysierten zwei Studien, an denen über 118.000 Probanden beteiligt waren – die Repräsentativität ist also gegeben. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass die Gesundheit von Frauen durch zuckerhaltige Getränke anfälliger ist. Die Erkenntnisse stellen ein Problem für Ausdauersportler, die an Tagen mit anstrengenden Einheiten ihr Kohlenhydrat- und Natriumlevel mit süßen Sportdrinks in Balance halten.
 

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Sportdrinks für Hydration essentiell

Die Welt Gesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, zuckerhaltige Getränke sollen weniger als 10% der täglichen Kalorien-Aufnahme betragen. Also deutlich mehr als die US-Forscher mit ihrer Beobachtungsstudie als gesund definieren. Was die Ergebnisse der Studie allerdings nicht berücksichtigen, ist die Komponente körperlicher Verbrauch. Und dieser ist bei sportlichen Menschen um einiges höher. Wer sich bewegt, verbrennt Zucker in der Muskulatur, weshalb zuckerhaltige Getränke für Sportler sogar essentiell sind, um keine Leistungseinbußen zu riskieren. Daher sollten Sportler keinesfalls auf zuckerhaltige Getränke als Teil der wichtigen Hydrations-Strategie verzichten. Dafür an anderer Stelle den Zuckerkonsum zu reduzieren, ist ein allgemein gültiger Tipp.
 

Kein Energy-Boost durch Zucker

Eine andere aktuelle Studie, bei der Berliner Forscher Erkenntnisse aus 31 verschiedenen Studien mit insgesamt rund 1.300 beteiligten Probanden analysieren, nimmt dem Zucker einen Mythos. Er eignet sich nicht als direkter Turbo-Boost für den Körper. Die deutschen Wissenschaftler untersuchten den Einfluss von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken auf die Stimmung, die Müdigkeit und die Wachsamkeit und kamen zur Erkenntnis, dass der Konsum von Zucker nicht zu besserer Laune, dafür aber zu Müdigkeit und geringerer Aufmerksamkeit führt.
 

Stevia und Sucralose

Angesichts dieser Erkenntnisse stellt sich fast automatisch die Frage nach Zucker-Ersatzprodukten. Experten empfehlen, lediglich auf Zuckerersatzstoffe zu setzen, wenn der generelle Zuckerkonsum ein hoher ist. Denn im Maße konsumiert, ist Zucker nicht drastisch gesundheitsgefährdend. Eines der bekanntesten Zuckerersatzprodukte ist Stevia, ein natürliches, pflanzliches Produkt, dessen Blattextrakt süßlich schmeckt, aber keine Kalorien zählt, obwohl es manchmal süßer ist als Zucker. Die Pflanze, die bei südamerikanischen Naturvölkern eine Jahrhunderte lange Tradition aufweist, an sich ist in der Europäischen Union verboten, weil Studien an Ratten gezeigt hatten, dass der Verzehr der Blätter zu Impotenz führen kann. Das Extrakt wurde 2011 zugelassen. Die WHO hält einen Konsum in Maßen für unbedenklich.
Ein anderer bekannter Zuckerersatzstoff ist Sucralose, ebenfalls ein kalorienfreies Süßungsmittel, welches von der Universität London entdeckt und aus Zucker hergestellt wurde. Das Zuckermolekül wird in der Produktion so verändert, dass der Körper es nicht als Zucker erkennt und es daher auch nicht wie Zucker verarbeitet wird. Experten halten Sucralose in geringen Maßen für unbedenklich, bei Tierversuchen und hohen Dosen wurde allerdings ein hohes Krebsrisiko festgestellt. Langzeitwirkungen bei Menschen konnten noch nicht untersucht werden, weshalb an der Unbedenklichkeit immer wieder Zweifel aufkommen. Zum Beispiel indiziert eine US-Studie negative Auswirkungen auf die Darmflora. Seit 2004 sind Sucralose-Produkte in der EU zugelassen, besonders beliebt sind sie in den USA. Ein Nachteil ist der langsame Abbau in der Umwelt, bedingt durch die Chlorverbindungen in der Herstellung.
 

Das richtige Maß entscheidend

Zuckerersatzstoffe können bei Menschen, die ihren Lebensstil zum Gesunden angleichen oder Gewicht reduzieren wollen, temporär hilfreich sein. Für Läuferinnen und Läufer fallen praktisch sämtliche der großen Vorteile von Zuckerersatzstoffe flach, weil ein fitter und beanspruchter Körper Zucker zum idealen Funktionieren braucht. Experten weisen auf den hinlänglich bekannten Leitsatz „alles in Maßen“ hin und auf die Qualität des konsumierten Zuckers hin. Außerdem gibt es wissenschaftlich nicht belegte Indizien, die die Unbedenklichkeit diverser Zuckerersatzstoffe immer wieder in Frage stellen.