„Brave like Gabe“ Meile und Jagd nach schnellen Zeiten in Monaco

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Das traditionelle Herculis Meeting in Monaco, eine der beliebtesten Anlaufstationen der besten Leichtathletinnen und Leichtathleten und schnellsten Läuferinnen und Läufer der Welt, setzt ein Zeichen. Das Meilenrennen der Frauen wurde nach der Foundation der kürzlich an einer Krebserkrankung verstorbenen, US-amerikanischen Mittelstreckenläuferin Gabrielle Grunewald getauft. Der intensive und entschlossenen Kampf gegen den Krebs der von allen nur „Gabe“ gerufenen Sportlerin ist ein Symbol für Kraft und Optimismus im Kampf gegen diese schwere Krankheit. Der Tag des Rennens, Freitagabend, wäre Grunewalds 33. Geburtstag gewesen.
Auch sportlich könnte dieses Rennen für Schlagzeilen sorgen, obwohl die angekündigten 1.500m-Weltrekordhalterin Genzebe Dibaba und 3.000m-Hindernislauf-Weltrekordhalterin Beatrice Chepkoech nicht mehr auf der Startliste stehen. Daher ist die sich aktuell augenscheinlich in Top-Form befindliche Sifan Hassan die erklärte Favoritin. Die Holländerin, die zuletzt in Stanford über 3.000m brillierte, ist mit ihrer Bestleistung von 4:14,71 Minuten die drittschnellste Meilenläuferin aller Zeiten hinter Svetlana Masterkova und Dibaba. Wenn in Monaco der bekannte Faktor „pfeilschnelle Bahn“ eine Rolle in diesem Rennen übernimmt, könnte die 26-Jährige diese Marken attackieren. 2015 lief Dibaba in diesem Stadion ihren Weltrekord über 1.500m. Größte Herausforderin Hassans im Fürstentum ist die Äthiopierin Gudaf Tsegay. Auch von den zuletzt starken Laura Weightman und Gabriela Debues-Stafford ist einiges zu erwarten.
 

Sifan Hassan beim IAAF Continental Cup 2018. © Getty Images for IAAF / Stephen Pond
Comeback von Amos

Nachdem Nijel Amos zuletzt den 800m-Lauf in Lausanne ausließ, ist der Führende im Diamond-League-Ranking wieder zurück auf der größten Bühne. Der Sieger der Meetings in Doha und Rabat ist der Mann, den es zu in Monaco zu schlagen gilt. Ein weiteres Duell mit Emmanuel Korir fällt ins Wasser, da der Kenianer wie sein Landsmann und Lausanne-Sieger Wycliffe Kinyamal dieses Mal fehlen. Dafür ist Ferguson Rotich dabei, der letzte Woche in Lausanne nachwies, dass er gut in Schuss ist. Der französische Weltmeister Pierre-Ambroise Bosse gibt seinen fast schon traditionell späten Saisoneinstieg, hat aber seit dem Sensationserfolg von London kaum positive Resultate vorzuweisen. Mit dem zuletzt etwas schwächelnden Europameister Adam Kszczot, Amel Tuka und Jake Wightman sind weitere europäische Läufer am Start. Auf eine Top-Drei-Platzierung zielt auch der Kanadier Brandon McBride ab.
 

Offenes Feld über die Hindernisse

In der dritten Laufentscheidung des Abends, in der es um Punkte für das Diamond-League-Finale geht, erwartet die Fans im Stade Louis II ein offenes Rennen. Da die aktuell wegen Verletzungen im Wiederaufbau befindlichen Conseslus Kipruto und Evan Jager genauso wie der Diamond-League-Führende Chala Beyo fehlen, teilen sich der neue äthiopische Rekordhalter Getnet Wale, aufgestellt in Rabat, und der Marokkaner Soufiane El Bakkali, der die Enttäuschung seines vergeigten Heimrennens vergessen machen möchte, die Favoritenrolle auf. Gute Siegchancen hat auch der Kenianer Benjamin Kigen, während Ex-Europameister Yoann Kowal und der zweifache WM-Sechste Matthew Hughes aus Kanada ihre Saisonpremiere geben. Zu den großen Abwesenden in Monaco zählt auch der mehrfache Europameister Mahiedine Mekhissi-Benabbad, der verletzungsbedingt die komplette Saison verpasst.
 

1.500m: die Tradition der schnellen Zeiten

Üblicherweise sind Lauf-Entscheidungen außerhalb des fixen Diamond-League-Programms nicht Weltklasse besetzt. Das ist in Monaco anders, was einerseits die Tradition der 1.500m-Läufe und andererseits die geschätzte schnelle Laufbahn untermalen. In den letzten Jahren fand der schnellste 1.500m-Lauf des Jahres fast ausnahmslos an der Cote d’Azur statt. 13 der 14 schnellsten 1.500m-Zeiten der letzten Jahre wurden hier erzielt. Timothy Cheruiyot, der eigentlich nicht starten wollte, ist nun doch nach Monaco gereist und kommt mit einer Spitzenzeit aus Lausanne (laut Let’sRun.com der schnellsten nicht in Monaco erzielten 1.500m-Zeit seit 15 Jahren, Anm.), die einen Angriff auf seine persönliche Bestleistung von 3:28,41 Minuten vermuten lassen, aufgestellt bei seinem Vorjahressieg. Im Gegensatz zu seinem jungen Bruder George ist Elijah Manangoi nicht am Start. Dabei hatte der Kenianer noch vor Wochen großkotzig einen Weltrekord-Versuch in Monaco angekündigt. Seine letzten Ergebnisse sprachen aber eine andere Sprache.
Mit Cheruiyot im Feld ändert sich die Renngestaltung massiv. Es wird von Beginn an schnell, weil der Kenianer in derartigen Rennen aktuell unschlagbar ist. Davon könnten zahlreiche Kontrahenten im Kampf um persönliche Bestleistungen profitieren. Erste Verfolger von Cheruiyot waren zuletzt Ayanleh Souleiman und die Ingebrigtsen-Brüder Jakob und Filip. Gibt es in Monaco das gewohnt schnelle Rennen, wackeln angesichts der aktuellen Top-Form der momentan in St. Moritz stationierten Norweger sowohl der norwegische von Filip (3:30,01) als auch die 3:30er-Marke, die erst fünf Europäer, darunter Europarekordhalter Mo Farah und IAAF-Präsident Sebastian Coe unterboten haben. Nicht so ein Fan von schnellen Rennen ist der endschnelle Hallen-Europameister Marcin Lewandowski, der nur deshalb mit einer äußerst bescheidenen Saisonbestleistung anreist, weil seine wichtigen Rennen bis dato alle über die Meile stattfanden.
 

Wilson führt 800m-Feld an

Auch der 800m-Lauf der Frauen ist hervorragend besetzt. Ohne Caster Semenya in der Startliste ist das Rennen offen. Zuletzt waren Ajee Wilson und Nelly Jepkosgei die erfolgreichsten Läuferinnen, wenn die Südafrikanerin fehlte. Wilson ist die klare Favoritin, da sie in den letzten Jahren praktisch nur gegen Semenya und Niyonsaba verloren hat. Raevyn Rogers lief zuletzt ebenfalls sehr schnell. Der Start von 1.500m-Europameisterin Laura Muir verspricht ebenfalls Spannung.
 
 
Herculis Meeting in Monaco