Gold Coast Marathon mit Shitara, Lagat, Robertson und Mungara

© Gold Coast Marathon / facebook

Traditionell am ersten Juli-Wochenende findet in Gold Coast der bedeutendste Marathonlauf weltweit in den Sommermonaten statt – als einer von zwei Golden Label Marathons Australiens. Regelmäßig werden bei diesem Event Bestleistungen für den Monat Juli aufgestellt. Selten zuvor war das Elitefeld beim Gold Coast Marathon aber so hochkarätig wie in diesem Jahr. Der ehemalige japanische Rekordhalter Yuta Shitara holt sich am fünften Kontinenten letzten Schliff für das große und mit Spannung erwartete Olympia-Ausscheidungsrennen der Japaner Ende September. Dem Neuseeländer Zane Robertson soll endlich sein Debüt über die Marathon-Distanz gelingen. Die US-Laufgröße Bernard Lagat legt auf seiner Post-Profikarriere-Laufreise einen Stopp in „Down Under“ ein. Und die vierte große Geschichte ist beim Gold Coast Marathon ein Evergreen: Titelverteidiger und Dreifachsieger Kenneth Mungara lässt die traditionelle Reise nach Australien auch in diesem Jahr nicht aus. Als mittlerweile 45-Jähriger trägt er auch heuer die Startnummer eins. Natürlich ist auch Yuki Kawauchi dabei, der sich 2016 ein spannendes Duell mit dem kenianischen Marathon-Opa geliefert hatte.
 

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Erster Marathon als Profi

„Ich freue mich sehr, Yuki wieder zu sehen“, schickte Kenneth Mungara voraus. Der Routinier, der mit Gold Coast abgesehen von den Commonwealth Games 2018 immer gute Erfahrungen gemacht hat, ist angesichts der sportlichen Ausgangslage aber realistisch: „Es wird nicht leicht, meinen Streckenrekord zu verteidigen. Aber ich werde alles geben.“ Für Yuki Kawauchi ist der Gold Coast Marathon 2019 ein ganz besonderes Rennen. Mit Ende des Schuljahres hat der 32-Jährige seinen Job wie nach dem Sieg beim Boston Marathon 2018 angekündigt niedergelegt und startet nun als Profi das zweite Kapitel seiner Karriere. Zum Aufbruch in diese Ära kündigt der Japaner gleich einen Angriff auf seine persönliche Bestleistung an, die seit sechs Jahren bei einer Zeit von 2:08:14 Stunden feststeckt. „Ich kenne die Gegebenheiten vor Ort sehr gut, ich weiß, wie ich das Rennen angehen muss“, vertraut er auf seine Erfahrung. Es ist – in seinem Falle erst – der fünfte Marathon in diesem Jahr, in Shizuoka und Vancouver gewann er, in Oita lief er unter 2:10 Stunden.
 

Shitaras Generalprobe für das Olympia-Ausscheidungsrennen

Kawauchi, der das japanische Aufgebot für die Weltmeisterschaften in Doha anführt, hat den Gold Coast Marathon 2013 gewonnen, neben ihn reihen sich sieben weitere japanische Sieger in der langen Geschichte des Events ein. Beste Chancen auf den ersten japanischen Sieg seit Takuya Noguchi vor zwei Jahren hat nicht Kawauchi, sondern Yuta Shitara. Der 27-Jährige ist einer der stärksten Marathonläufer laut Bestleistung, der jemals diese Traditionsveranstaltung gelaufen ist. Sein Start rund zweieinhalb Monate vor dem Olympia-Ausscheidungsrennen überrascht und stellt einige Fragen. Möglicherweise will Shitara den Gold Coast Marathon nicht voll laufen, sondern wollte ursprünglich nur das Olympia-Limit von 2:11:30 Stunden oder ein Top-Fünf-Platz „abhaken“. Das hat er nämlich noch nicht, weil Shitara seinen letzten Marathon im Dezember 2018 in Fukuoka gelaufen ist, im Frühjahr war ein starker Halbmarathon in Gifu sein Highlight. Mittlerweile ist das Olympia-Limit nicht mehr so wichtig, weil der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) dem Japanischen Leichtathletik-Verband (JAAF) kürzlich zugesichert hat, ein Top-Fünf-Platz beim Olympia-Ausscheidungsrennen wäre gleichbedeutend mit einem Top-Fünf-Platz bei einem Gold Label Marathon und damit einen Olympia-Startplatz Wert.
 

Wunsch nach erstem schnellen Marathon

Insgesamt acht Läufer mit Bestleistungen unter 2:10 Stunden sind am Start. Der Kenianer Ezekiel Chebii dürfte dabei der große Kontrahent Shitaras sein. Auch Philip Sanga hat auf dem Papier eine bessere Bestleistung als der Japaner und wurde im vergangenen Jahr Fünfter. Der Sechstplatzierte des diesjährigen Vienna City Marathon, Brimin Misoi hofft auf eine vordere Platzierung.
Nicht ganz vorne auf der Meldeliste befindet sich der ehemalige Weltmeister und mehrfache WM- und Olympia-Medaillengewinner auf der Bahn, Bernard Lagat. Der 44-Jährige hat bei Beendigung seiner Profikarriere angekündigt, als Freizeitläufer weiter dem Laufsport nachzugehen. In Gold Coast geht der aus Kenia stammende US-Amerikaner nun in seinen zweiten Marathon. Die persönliche Bestleistung von 2:17:20 Stunden von der Premiere in New York ist definitiv verbesserungswürdig. „Ich will mir selbst beweisen, einen erfolgreichen Marathon laufen zu können. Das ist auf einer flachen Strecke wie in Gold Coast leichter als in New York“, kündigte der Routinier in einem Interview mit dem Veranstalter an. Lagat kehrt in jenes Land zurück, in dem er vor 19 Jahren an seinen ersten Olympischen Spielen teilgenommen und seine erste Medaille gewonnen hat. Ebenfalls mit Spannung erwartet wird der Auftritt von Zane Robertson. Der Neuseeländer verfügt über eine Spitzen-Bestleistung im Halbmarathon (59:47), erste Gehversuche im Marathon in Amsterdam 2017 scheiterten, ein geplanter Start bei den Commonwealth Games in Gold Coast 2018 kam verletzungsbedingt nicht zustande. Der 29-Jährige, der seit über einem Jahrzehnt gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Jack in Afrika lebt, hat im Kalenderjahr 2019 noch keinen Wettkampf absolviert. Der neuseeländische Landesrekord seine Bruders Jake und der ozeanische Kontinentalrekord des legendären Rob de Castella werden bei einem guten Debüt einer Belastungsprobe ausgesetzt sein. Robertson ist der erklärte Favorit bei den im Gold Coast Marathon integrierten Ozeanien-Meisterschaften.
 

Frau Kawauchi in offenem Feld

Das Starterfeld bei den Frauen ist deutlich weniger spektakulär als bei den Männern, auch weil die ursprüngliche Favoritin Agnes Barsosio abgesagt hat. So führen die Kenianerinnen Mercy Kibarus, Zweite von 2017, Rodah Jepkorir, Truphena Chepchirchir und Alice Kibor das Feld an. Stärkste Japanerin ist Yuko Kawauchi, ehemals Mizuguchi. Nachdem das Liebespaar beim Vancouver Marathon einen Doppelsieg gefeiert hatte, heirateten die beiden und bestreiten den ersten großen Laufausflug als Ehepaar. Favoritin auf den Titel bei den Ozeanien-Meisterschaften ist in Abwesenheit zahlreicher namhafter Landsfrauen die Australierin Milly Clark.
28.000 Läuferinnen und Läufer gehen am kommenden Wochenende bei acht verschiedenen Bewerben im Rahmen der 41. Auflage des Gold Coast Marathon auf die Laufstrecke.
 
 
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