„Ein Todesstoß für die oberösterreichische Leichtathletik“

Die österreichischen Nachwuchsmeisterschaften 2019 werden wohl die letzten nationalen Titelkämpfe im Linzer Stadion gewesen sein. © ÖLV / Benedik

167 mit dem Titel „Class 1“ zertifizierte Leichtathletik-Stadien kennt der Leichtathletik-Weltverband (IAAF). Eines davon steht auf österreichischem Boden. In Kürze wird dieser Satz lauten: Eines davon stand auf österreichischem Boden. Der Österreichische Leichtathletik-Verband reagiert naturgemäß erbost auf den anstehenden Umbau des Linzer Stadions in eine reine Fußball-Arena des größten Linzer Fußballclubs, dem Linzer Athletik Sportklub. Das Besondere: Sowohl der ÖLV als auch der Oberösterreichische Leichtathletik-Verband (OÖLV) entnahmen diesen Beschluss aus den Medien, die über eine Pressekonferenz am Mittwochmittag in Linz berichteten. Ein wahrlich unsägliches Vorgehen der lokalen und regionalen Sportpolitik.
 
RunAustria-Blog: Ein Diebstahl an der Leichtathletik
 

Die österreichischen Nachwuchsmeisterschaften 2019 werden wohl die letzten nationalen Titelkämpfe im Linzer Stadion gewesen sein. © ÖLV / Benedik
Großer Schaden für die Leichtathletik

Der ÖLV brauchte nach der niederschmetternden Überraschung verständlicherweise einige Stunden zu einer offiziellen Reaktion. „Wir können nicht glauben, was hier passiert“, schildert Generalsekretär Helmut Baudis das Unverständnis im ÖLV, wenige Tage nachdem der Verband seine Nachwuchs-Meisterschaften auf der Linzer Gugl durchgeführt hat. Voraussichtlich das abrupte Ende einer langen Tradition an nationalen Meisterschaften und internationalen Leichtathletik-Meetings in Linz. Eine Tatsache erstaunt, wie Baudis festhält: „Die jetzige Vorgehensweise passt so gar nicht zur starken Unterstützung durch das Land Oberösterreich in den letzten Jahren. Wichtige Vorhaben im Wettkampfbereich zur Stärkung der Nachwuchs-Leichtathletik, zum Beispiel die Abhaltung einer U23- oder U20-EM in Linz, sind damit für immer passé. Und auch die großartigen Trainingsmöglichkeiten und die Anbindung an das Olympiazentrum sind schlagartig für unsere Sportart deutlich verschlechtert.“
 

Das Ende einer Tradition

Die Linzer Gugl war jahrzehntelang das Zentrum der österreichischen Leichtathletik. Zu den Hochzeiten kamen die Weltbesten in die oberösterreichische Hauptstadt, das Gugl-Meeting wurde europaweit im Fernsehen ausgestrahlt. „Die Gugl Games waren legendär“, jammert EM-Medaillengewinner Lukas Weißhaidinger (ÖTB OÖ LA). „Ich hatte noch das Glück, selbst dreimal am Start gewesen zu sein.“ Der Oberösterreicher schimpfte auch über die öffentliche Darstellung: „Die Entscheidung wurde von Seite des oberösterreichischen Sportlands als Erntedankfest beschrieben. Ich empfinde es als ein Zerstören der Wirkungsstätte vieler Sportlerinnen und Sportler.“ Der 27-Jährige bildet gemeinsam mit den Mehrkämpferinnen Ivona Dadic (Union St. Pölten) und Verena Preiner (Union Ebensee) die erfolgreiche Spitze der österreichischen Stadion-Leichtathletik, alle drei stammen aus Oberösterreich und trainierten regelmäßig oder sporadisch auf der Linzer Gugl. Vor allem Preiner und alle Leichtathleten des in den letzten Jahren sehr erfolgreichen Vereins TGW Zehnkampf Union verlieren mit sofortiger Wirkung ihr Trainingszentrum. „Ich bin einfach schockiert, es bricht mir das Herz“, kommentiert Dadic. Die EM-Medaillengewinnerin von 2016 hat ihr Trainingszentrum mittlerweile zwar in St. Pölten, zu Beginn ihrer Karriere war die Linzer Gugl aber ihr sportliches Zuhause. ÖLV-Sportdirektor Gregor Högler fasst zusammen: „Dieses Bauvorhaben gleicht einem Todesstoß für die oberösterreichische Wettkampf-Leichtathletik.“ Sein Verweis auf die Tatsache, dass ein vor gut einem Jahrzehnt um rund 33 Millionen Euro renoviertes Stadion nun um geschätzte 50 Millionen Euro komplett umgebaut wird, nennt einen sportpolitisch relevanten Fakt, der in der öffentlichen Darstellung ebenfalls zu kurz gekommen ist.
 

ÖLV sucht Gespräche zur Linderung der Katastrophe

ÖLV-Präsidentin Sonja Spendelhofer zeigte sich nach den Neuigkeiten aus Linz enttäuscht und ratlos, wie ein nachhaltiger Schaden für die Olympische Kernsportart abgewendet werden kann. „Es braucht in der Leichtathletik-Hochburg Linz eine staatsmeisterschaftstaugliche Anlage und gute Trainingsstätten für unsere erfolgreichen Vereine und auch unsere Top-Athleten. Wir ersuchen daher dringend um konstruktive Gespräche.“
 
 
Österreichischer Leichtathletik-Verband

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