Männer-Schwerpunkt bei Athletissima

Unweit des Sitzes des IOC geht die Athletissima im Stade Olympique de la Pontaise über die Bühne. © Adobe Stock / Peeradon

Nach dem kurzen Abstecher in die USA kehrt die IAAF Diamond League am Freitagabend nach Europa zurück. Traditionell Anfang Juli steht die „Athletissima“ in Lausanne auf dem Programm. In drei Lauf-Entscheidungen – allesamt bei den Männern – geht es um wichtige Punkte für die Final-Qualifikation. Die Schweizer Leichtathletik-Fans werden ihren Fokus auf die chronologisch erste Lauf-Entscheidung des Abends legen, den 800m-Lauf der Frauen, den der Veranstalter als „Wild-Card-Event“ in das Programm nahm, um den heimischen Mittelstreckenläuferinnen eine attraktive Startgelegenheit zu geben.
 

Unweit des Sitzes des IOC geht die Athletissima im Stade Olympique de la Pontaise über die Bühne. © Adobe Stock / Peeradon
Revanche für Stanford

Im Flieger von Kalifornien in die Romandie saßen jene Athleten, die vergangenen Sonntag in Stanford über die eine und über die zwei Meilen um die besten Positionen kämpften. Nach dem Motto „Neues Spiel, neues Glück“ kommt es in Lausanne auf den „kontinentaleuropäischen“ Distanzen 1.500m und 5.000m zur Revanche. Über die „metrische Meile“ ist Timothy Cheruiyot der Mann, den es zu schlagen gilt und der voraussichtlich nicht zu schlagen ist. Die eindrucksvolle letzte Runde beim Meilenrennen in Stanford untermauerte seine Favoritenstellung. Ayanleh Souleiman, Zweiter in Stanford, ist ebenso dabei wie die beiden norwegischen Brüder Filip und Jakob Ingebrigtsen, die zuletzt in der Weltspitze mitmischten. Das Rennen in Lausanne wird neue Erfahrungswerte liefern, wie nahe der ehemalige und amtierende Europameister in diesem Bewerb an der afrikanischen Spitze sind – insbesondere Jakob scheint in den letzten Wochen neue Rennstrategien auszutesten, um näher an die Weltspitze heranrücken zu können.
Ein großer Name fehlt in Lausanne: Weltmeister Elijah Manangoi zog nach desolaten Auftritten in Stockholm und Stanford die Notbremse und suchte Zuflucht in der Heimat. Neben den Ingebrigtsen-Brüdern sind mit den Spaniern Adel Mechaal und Kevin Lopez sowie dem Schotten Jake Wightman, der zuletzt bei einem 800m-Lauf in Watford überzeugte und nach einer Verletzung im Frühling seine Diamond-League-Saisonpremiere gibt, drei weitere Europäer im Rennen.
 

Attraktiver Leistungstest für Ringer und Wanders

Nicht nur in der Quantität – sage und schreibe 26 Athleten stehen auf der Startliste – sondern auch in der Qualität ist das Starterfeld über 5.000m das bestechendste des Abends. Die komplette aktuelle Weltelite ist am Start. Selemon Barega sinnt nach einem taktisch unzulänglich bestrittenen Rennen über zwei Meilen in Stanford nach Revanche. Am Sonntag hatten ihn Joshua Cheptegei, der auf den kurzen Distanzen immer stärker wird, und der wieder erstarkte US-Amerikaner Paul Chelimo übertrumpft. Chelimo ließ in Stanford mit einer überragenden Schlussrunde aufhorchen, eine Waffe, die ihn zu einem Anwärter auf den Sieg macht. Nach einem völlig missglückten Ausflug auf die Unterdistanz in Stanford kehrt Yomif Kejelcha auf seine Paradedisziplin zurück. Auch Senkrechtstarter Telahun Bekele, der in Rom und Hengelo triumphierte und aktuell die Weltjahresbestleistung inne hat, der beständige Podestläufer Hagos Gebrhiwet, Vorjahressieger Birhanu Balew aus dem Bahrain und der seit geraumer Zeit schwächelnde Weltmeister von 2017, Muktar Edris sind am Start.
In diesem umfangreichen Getümmel an Stars, in dem im Vergleich zu den letzten Diamond-League-Rennen eigentlich nur der Kanadier Mohammed Ahmed fehlt, bietet sich zwei europäischen Läufern eine diffizile, aber dennoch attraktive Startgelegenheit. Richard Ringer, der im Frühling einen Abstecher auf die Straße machte und zuletzt deutscher Meister im 10.000m-Lauf wurde, nimmt wieder Fahrt in jener Disziplin auf, in der er bei den Weltmeisterschaften von Doha und Olympischen Spielen von Tokio teilnehmen möchte. Es ist der erste 5.000m-Lauf der Saison des ehemaligen EM-Medaillengewinners. Das hohe Tempo vom Start weg und das Zurechtfinden in einem möglicherweise früh, lang aufgereihten Feld ist auch die große Herausforderung für Julien Wanders. Der Europarekordhalter im 10km-Straßenlauf und im Halbmarathon ist auf der Bahn deutlich weiter von der Weltklasse entfernt. Im Gegensatz zum Deutschen hat der Westschweizer vor seinem Heimspiel das WM-Limit bereits in der Tasche. Für dieses Ziel verzichtet Richard Ringer auf den tags darauf in London stattfindenden Europacup im 10.000m-Lauf, trotz der Möglichkeit einer Titelverteidigung.
 

Chance für Korir

Im 800m-Lauf der Männer bietet sich durch die Abwesenheit des bisher stärksten Läufers in dieser Saison, Nijel Amos, der als Einziger das Ticket für das Diamond-League-Finale bereits in der Tasche hat, dem Kenianer Emmanuel Korir eine gute Chance auf den ersten Saisonsieg. Der 24-Jährige musste sich in Doha und Rabat jeweils hinter Amos einreihen. Der größte Konkurrent Korirs in Lausanne ist der US-Amerikaner Clayton Murphy, der zuletzt mit Rang drei in Rabat aufzeigte. Vier Europäer – Europameister Adam Kszczot, sein polnischer Landsmann Marcin Lewandowski, der wieder erstarkte Bosnier Amel Tuka und der Brite Guy Learmonth kämpfen um gute Darbietungen inmitten eines hochklassigen Feldes.
 

Drei Schweizerinnen über die zweifache Stadionrunde

Die großen Stars fehlen im 800m-Lauf der Frauen, für Lokalmatadorin Selina Büchel, die sich nach wie vor auf der Jagd nach dem WM-Limit von 2:00,50 Minuten befindet, wurde allerdings ein gutes Starterfeld zusammengestellt, in dem viele Läuferinnen auf einem ähnlichen Leistungsniveau wie die zweifache Hallen-Europameisterin agieren. Klare Favoritin ist Nelly Jepkosgei, die zuletzt in Rabat ihren ersten Diamond-League-Sieg feierte und direkt von einem erfolgreichen Meeting in Marseille nach Lausanne anreist. Neben Büchel holen sich zwei weitere Schweizerinnen Schliff für kommende Aufgaben. Lore Hoffmann bestreitet ihr erstes 800m-Rennen der Saison und wird kommende Woche nach Neapel weiterreisen, um an der Universiade teilzunehmen. Die 18-jährige Delia Sclabas nimmt bei der Athletissima Schwung für die Junioren-Europameisterschaften Mitte Juli in Boras auf, wo sie in diversen Disziplinen als klare Favoritin auf die Goldmedaille in Frage kommt.
 
 
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