Wäre der Popeye der Zukunft gedopt?

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Ganze Generationen sind mit dieser Cartoon-Metapher aufgewachsen: Popeye, der Seemann öffnet sich in diversen, heiklen Alltagssituationen rechtzeitig eine Dose Spinat und torpediert sie in einem Zug in den Mund, ohne dass er eines seiner wichtigsten Markenzeichen, die Pfeife, ablegte. Und schon verfügte der Matrose über dicke, muskulöse Oberarme und damit eine Art Superkräfte. Auf diese Weise befeuerte die Zeichentrick-Figur eine Fehlannahme, die lange Zeit überdauerte und den Spinatverkauf in den USA schätzungsweise erheblich ankurbelte.
 

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Gesundes Gemüse

Spinat hat zwar tatsächlich einen hohen Eiweiß-Gehalt. So hoch wie angenommen ist er jedoch bei weitem nicht. Die im Cartoon skizzierte Wirkung auf die Muskulatur ist also um ein Vielfaches geringer. Dennoch nimmt Spinat nicht nur aufgrund seines Eiweiß-Gehalts, sondern aufgrund seiner Kalorienarmut, seiner Ballaststoffe, seiner Vitamine B, C und E, seines beachtlichen Kalium-Gehalts und außerdem Kalzium, Magnesium, Natrium und Phosphor einen mehr als berechtigten Platz auf dem Ernährungsplan von gesund lebenden und sportlichen Menschen ein. Außerdem wird das grüne Gemüse, das aus Südwestasien stammt, als Heilpflanze eingesetzt. Weltweit wurden 2016 26,7 Millionen Tonnen Spinat geerntet, der überwiegende Großteil (91%) in China (vgl. Wikipedia). In Europa sind Frankreich und Italien die führenden Spinat-Produzenten.
 

Studie weist Kräftigungseffekt nach

Und damit zurück zu Popeye und zu einer aktuellen Studie der Freien Universität Berlin, die Erkenntnisse liefert, die die Legende vom stark machenden Spinat wieder aufleben lässt. Die deutschen Forscher stellten fest, dass das im Spinat enthaltene Ecdysteron eine Wirkung entfalten kann, die Leistungssteigerung und größere Kraft zur Folge hat. In einem Experiment wiesen Sportler, denen während einer zehnwöchigen Krafttrainingsphase diese Substanz täglich verabreicht wurde, einen deutlich höheren Kraftzuwachs (dreifach) als die Kontrollgruppe nach (vgl. „Archives of Toxicology). 46 Probanden waren an der Studie beteiligt.
 

Ecdysteron auf die Dopingliste?

Dennoch schickte das deutsche Forscherteam seine Ergebnisse an die Welt Anti Doping Agentur (WADA) und sprach die Empfehlung aus, Ecdysteron auf die Dopingliste zu setzen. Die WADA, die die Studie unterstützt hat, will darüber beraten. Das deutsche Forscherteam gab in deutschen Medien zu Protokoll, dass man die leistungssteigernde Wirkung der Substanz zwar erwartet habe, von der Dimension aber überrascht war. Die Sportler erhielten die Substanz in konzentrierter Form. Um den Effekt der Kräftigung zu erzielen, müsste ein Sportler laut Einschätzung der Forscher täglich rund sechs Kilo Spinat essen. Daher scheidet Spinat als praktikables Dopingmittel wohl aus, selbst wenn Ecdysteron auf die internationale Dopingliste gesetzt würde.