Wie pact man einen Weltrekord?

Die Pacemaker für die Elitegruppe der Männer beim Berlin Marathon 2015. © SIP / Johannes Langer

Jahrelang hat Eliud Kipchoge es versucht, in Berlin 2018 endlich die optimalen Bedingungen dafür gefunden, den Marathon-Weltrekord von Dennis Kimetto zu verbessern. Dass er die Marke seines Landsmanns gleich um 78 Sekunden torpedierte, untermalt die Klasse Kipchoges, der beim Berlin Marathon 2018 offensichtlich ein perfektes Rennen zeigte, bei dem auch die Pacemaker perfekte Arbeit leisteten. Ebenfalls sehr von ihrem männlichen Pacemakern profitieren konnte Paula Radcliffe 2003 beim London Marathon, als sie ihre seither unangetastete Weltrekordzeit von 2:15:25 Stunden in den Asphalt zauberte. Die Strategie hinter dem Pacemaking hat nun eine Studie untersucht, die im European Journal of Sports Science veröffentlicht wurde. Analysiert wurden alle Marathon-Weltrekordläufe im Zeitraum zwischen 1998 und 2018, also inklusive der bestehenden und inklusive der Frauen-Weltrekorde ohne männliche Pacemaker, anhand der Teilzeiten im 5km-Rhythmus sowie dem 2,195 Kilometer langen Finale.
 

Die Pacemaker für die Elitegruppe der Männer beim Berlin Marathon 2015. © SIP / Johannes Langer
 

Männlicher Negativ-Split und weibliche Gleichmäßigkeit

Kipchoges und Radcliffes Weltrekordläufe haben eine wichtige vereinende Tatsache: einen Negativ-Split. Der Kenianer lief die zweite Hälfte 33 Sekunden schneller als die erste, die Britin sogar 39. Ist ein Negativ-Split also das Geheimnis? Nicht unbedingt, sagt die spanische Studie. In der Tat sind die meisten Weltrekorde bei den Männern dadurch entstanden, dass die Protagonisten im Finale beschleunigten. Das ist umso bemerkenswerter, da Pacemaker bei den Männern meistens nach 30 Kilometern aussteigen, während sie, wenn männlich, bei den Frauen auch bis kurz vor dem Ziel durchhalten. Das stützt auch die Tatsache, dass Frauen-Weltrekorde im Marathon häufig durch konstantes Tempo von Beginn bis zum Schluss entstanden sind – also etwas konträr zum Weltrekord von Radcliffe. Der Schlüssel zu möglichst schnellen Marathonläufen der Männer scheint also ein gezieltes, gleichmäßiges Pacemaking, welches Raum für Beschleunigung im letzten Drittel lässt, unabhängig einer möglichen Konkurrenzsituation im Renngeschehen.
Ein wesentliches Merkmal ist jenes, dass Pacemaker bei Männerrennen mittlerweile aus einem professionell organisiertem System entstammen, während es dies bei den Frauen in dieser Art gar nicht gibt und männliche Pacemaker bei den Frauen oft Trainingspartner oder gar Coaches sind.
 

Profis anders als Freizeitläufer

Die Studienergebnisse des Teams rund um Studienleiter von der baskischen Universität in Gasteiz, José Joaquin Diaz korrespondieren nicht mit Studien, die das Tempogefühl von Freizeitläufern untersucht haben. Diese Studien kamen zur Erkenntnis, dass Männer dazu tendieren, aggressiv ins Rennen zu gehen und die erste Hälfte schneller als die zweite zu absolvieren, während Frauen eher dazu neigen, zwei ausgeglichene Marathon-Hälften oder einen Negativ-Split zu laufen. Allerdings ist ein Vergleich zum Tempogefühl zwischen Freizeitläufern und Profisportlern nicht sinnvoll. Genauso wie die Studienergebnisse an sich nur eine bedingte Aussage treffen – schließlich gab es im Untersuchungszeitraum generell nicht viel Untersuchungsmaterial. Und zusätzliche Faktoren wie Rennsituation, äußere Bedingungen und Strecke wurden ebenfalls nicht berücksichtigt.