Malheur am Verpflegungsstand entschied Ottawa Marathon

© Ottawa Marathon / Victah Sailer

© Ottawa Marathon / Victah Sailer
Der Scotiabank Ottawa Marathon 2019 ist mit einer großen Überraschung im Männer-Rennen zu Ende gegangen. Der Kenianer Albert Korir, der vor zwei Jahren bereits unerwartet als Außenseiter den Vienna City Marathon gewinnen konnte, schlug beim Marathon in der kanadischen Hauptstadt die höher eingeschätzte Konkurrenz und schnappte sich bereits seinen zweiten internationalen Marathonsieg des laufenden Jahres, nachdem er im Jänner bereits beim Houston Marathon reüssieren konnte. Die Entscheidung fiel dabei bei der Verpflegungsstation bei Kilometer 40, als Korirs letzter verbliebener Konkurrent Abera Kuma sich „vergriff“, kurz stehen bleiben musste, um sein Getränk zu konsumieren. Diesen Faux-Pas nutzte der 25-Jährige zu einer Attacke, die das Rennen entschied. Damit landete Korir zum neunten Mal in Serie auf dem Podest internationaler Marathons – auch wenn keine World Marathon Majors in dieser Auflistung inkludiert sind, trotzdem aber namhafte Events, eine sehr stolze Serie. Kuma, immerhin ein ehemaliger Rotterdam-Sieger und Drittplatzierter beim Berlin Marathon, musste sich nach seinem Missgeschick mit Rang zwei und einer Zeit von 2:08:14 Stunden zufrieden geben. Die entstandene Lücke konnte er nicht mehr schließen und musste mitansehen, wie Albert Korir nicht nur über den Sieg, sondern auch über eine persönliche Bestleistung von 2:08:03 jubelte. Damit war er um 14 Sekunden schneller als am Lake Biwa 2018 und um 37 Sekunden schneller als beim VCM vor zwei Jahren.
 

„Ein Traum“

Der Triumph von Ottawa stimmte den Kenianer äußerst glücklich: „Es ist ein Traum, eine großartige Leistung. Ich hatte auf einer Verbesserung meiner persönlichen Bestleistung gehofft. Kuma ist ein sehr starker Läufer. Fein, dass ich ihn besiegen konnte.“ Kuma haderte im Ziel über sein Missgeschick: „Bei Kilometer 35 hatte ich nichts getrunken, ich musste also eine Wasserflasche erwischen“, erklärte der Äthiopier später. Das Stockerl komplettierte der diesjährige Sieger des Sevilla Marathon Tsedat Ayana aus Äthiopien in einer Zeit von 2:08:53 Stunden vor dem Kenianer Martin Kosgey, ein ehemaliger Sieger des Salzburg Marathon. Der ehemalige VCM-Champion Getu Feleke musste sich in einer Zeit von 2:10:40 Stunden zufrieden geben. Die Spitzengruppe war von den Pacemakern in einer Zeit von 1:03:35 Stunden über die Zwischenzeit beim Halbmarathon geführt worden – für einige namhafte Läufer stellte sich dies im Nachhinein als zu schnell heraus. Bester Kanadier war Reid Coolsaet auf Rang acht.
 

Girma als Solistin zum äthiopischen Jubiläum

Bei nicht einfachen Bedingungen, 17°C am Start und eine durch den Sturm in der Nacht extrem hohe Luftfeuchtigkeit, entschied sich das Rennen der Frauen früh. Bereits nach zwei Dritteln der Distanz setzte sich Tigist Girma von ihren Begleiterinnen Bethelhem Moges und Etaferahu Temesgen ab und finishte die restliche Distanz als Solistin. In einer Zeit von 2:26:34 Stunden realisierte sie den zehnten äthiopischen Erfolg bei den Frauen in Folge beim Scotiabank Ottawa Marathon. „Ich war für dieses Rennen bereit und habe mein Bestes gegeben. Dadurch dass ich früh alleine in Führung lag, konnte ich im Finale nicht mehr puschen“, erklärte die 25-Jährige nach dem bisher größten Erfolg ihrer Karriere. In einer Zeit von 2:26:34 Stunden steigerte sie ihren „Hausrekord“, der vom Sieg beim Guangzhou Marathon 2018 herrührt, um zehn Sekunden. „Ich bin glücklich mit diesem Fortschritt“, sagte sie.
Moges, die heuer bereits Dritte beim Rotterdam Marathon war, hielt den Abstand zur Siegerin stets klein, konnte die entstandene Lücke allerdings nicht mehr schließen. In einer Zeit von 2:27:00 Stunden lag sie am Ende 26 Sekunden hinter der Siegerin, aber 1:44 Minuten vor der drittplatzierten Temesgen, die eine persönliche Bestleistung erzielte. Im Kampf um die beste kanadische Platzierung setzte sich Dayna Pidhoresky auf Rang sechs gegen die routinierte Krista Duchene, ehemals Dritte beim Boston Marathon, durch.
 

Kimeli mit starker Leistung über zehn Kilometer

Äußerst schwierige Bedingungen fanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ottawa 10K, der traditionell am Vorabend des Marathons stattfindet, vor. Die Glanzleistung des Abends lieferte die erst 21-jährige Dorcas Kimeli aus Kenia ab, die bei strömendem Regen eine persönliche Bestzeit von 31:09 Minuten erzielte und sich damit mit dem Vorsprung von drei Sekunden auf Marathon-Spezialistin Valary Jemeli, ebenfalls in Bestleistung, durchsetzte. Beeindruckend war der deutliche Negativ-Split der beiden, die Zwischenzeit bei Halbzeit hatte 15:57 Minuten gelautet. Paskalia Kipkoech komplettierte das rein kenianische Podest in einer Zeit von 31:30 Minuten. Die ehemalige Weltrekordhalterin im Halbmarathon, Peres Jepchirchir, musste sich mit Rang fünf zufrieden geben (31:59).
Bei den Männern feierte der Marokkaner Mohammed Ziani in einer Zeit von 28:12 Minuten seinen zweiten Erfolg bei diesem Rennen nach 2016. Einen marokkanischen Dreifachsieg verhinderte der in den USA lebende Kenianer Wilfred Kimitei vor Mohamed Reda El Aaraby und Abderrahmane Kachir.
 

Ergebnisse Scotiabank Ottawa Marathon

Männer
1. Albert Korir (KEN) 2:08:03 Stunden *
2. Abera Kuma (ETH) 2:08:14 Stunden
3. Tsedat Ayana (ETH) 2:08:53 Stunden
4. Martin Kosgey (KEN) 2:10:19 Stunden
5. Adugna Takele (ETH) 2:10:28 Stunden
6. Getu Feleke (ETH) 2:10:40 Stunden
7. Mohamed El Talhaoui (MAR) 2:15:31 Stunden
8. Reid Coolsaet (CAN) 2:17:37 Stunden
9. Bijan Mazaheri (USA) 2:22:11 Stunden **
10. John Bleday (USA) 2:25:25 Stunden *
Frauen
1. Tigist Girma (ETH) 2:26:34 Stunden *
2. Betelhem Moges (ETH) 2:27:00 Stunden
3. Etaferahu Temesgen (ETH) 2:28:44 Stunden *
4. Salome Nyirarukundo (RUA) 2:30:44 Stunden
5. Risper Chebet (KEN) 2:31:56 Stunden
6. Dayna Pidhoresky (CAN) 2:37:19 Stunden
7. Krista Duchene (CAN) 2:38:46 Stunden
8. Rachel Hannah (CAN) 2:41:31 Stunden
9. Anne Marie Comeau (CAN) 2:43:59 Stunden **
10. Liza Howard (CAN) 2:47:39 Stunden
* persönliche Bestleistung
** Marathon-Debüt
 

Ergebnisse Ottawa 10K

Männer
1. Mohammed Ziani (MAR) 28:12 Minuten
2. Wilfred Kimitei (KEN) 28:16 Minuten
3. Mohamed Reda El Aaraby (MAR) 28:22 Minuten
4. Abderrahmane Kachir (MAR) 28:33 Minuten
5. Moses Kibet (KEN) 28;:48 Minuten
Frauen
1. Dorcas Kimeli (KEN) 31;:09 Minuten
2. Valary Jemeli (KEN) 31:12 Minuten
3. Paskalia Kipkoech (KEN) 31:30 Minuten
4. Stacey Ndiwa (KEN) 31:40 Minuten
5. Peres Jepchirchir (KEN) 31:59 Minuten

8. Natasha Wodak (CAN) 32:31 Minuten
 
 
Scotiabank Ottawa Marathon