Junge Phänomene und das Laufen

© Salzburg Marathon / Salzburg Cityguide

Die Geschichte von Jugend-Phänomenen im Sport ist so alt wie der Sport selbst. Auch im Laufsport. Erst jüngst, im Umfeld des Salzburg Marathon, tauchte der Name Monika Frisch wieder auf. Regional und national ist ihre Geschichte bekannt und strahlt auch 36 Jahre später offenbar noch eine enorme Attraktivität auf Journalisten aus. Im Alter von nicht ganz 13 Jahren wurde Monika Frisch 1983 österreichische Staatsmeisterin im Marathonlauf. Im damaligen Kontext, als Marathonläuferinnen gerade ihre Olympia-Debüt-Zusage für Los Angeles 1984 bekommen hatten, war die Geschichte der Salzburgerin noch herausragender als sie es heute wäre. Sie begleiteten ständige Fragen nach der gesundheitlichen Gefährdung, wenn ein derartig junger Körper derartige Ausdauerbelastungen ertragen muss. Vorwürfe, die die Familie Frisch auf Basis persönlicher Erfahrungen stets zurückwiesen. Die Sportwissenschaft ratet jenseits von Ausnahme-Phänomenen dringend von langen Ausdauerbelastungen für Kinder ab.
 

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Eine 15-Jährige verblüfft im Marathon

Die heutigen Jugend-Phänomene in der Leichtathletik heißen Jakob Ingebrigtsen, der bereits im Alter zwölf bis 15 Jahren rekordverdächtige Zeiten für diese Altersklasse produzierte und das am laufenden Band. Oder der als „neuer Bolt“ titulierte siebenjährige Sprinter Rudolf Ingram, längst ein Social-Media-Star. Oder das US-amerikanische Mädchen Tierney Wolfgram, die 2018 den Twin Cities Marathon in Minneapolis und St. Paul in 2:40:03 Stunden absolviert hat. Das entspricht einem Schnitt von 3:47 Minuten pro Kilometer. Weltrekord für 15-Jährige. Erstaunlich waren ihre Zwischenzeiten: Bei 10km ging sie in 35:48 Minuten durch. Noch erstaunlicher: Wolfgrams Aussagen nach dem Rennen. Die Schülerin aus Woodbury, Minnesota wollte sich „lediglich vergnügen“. Dabei sein ein Lauf in ihrer Heimat optimal gewesen. In vielen europäischen Ländern hätte Wolfgram gar nicht Marathon laufen dürfen – der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) empfiehlt eine Teilnahmeberechtigung erst bei Volljährigkeit.
 

Belastung zu hoch für Körper im Wachstum

Wichtig ist: Diese in der Öffentlichkeit präsenten Beispiele sind Ausnahme-Phänomene, die keine Vorbildfunktion erfüllen. Denn überwiegend hat langes, ausdauerndes Training und seine Belastung generell schädliche Wirkung auf Körper, die sich im Wachstum befinden. Besonders schädlich wäre ein Druck erzeugender Einfluss von Eltern. Hier kann ein Fehlverhalten nicht nur körperliche Narben hinterlassen – zum Beispiel Beeinträchtigungen im Knochenwachstum, Überbelastungen von Gelenken, Sehnen und Knorpel, sondern psychologische und emotionale. Denn wenn Kinder und Jugendliche Sport treiben, sollte das Vergnügen immer an erster Stelle stehen. Dafür eignet sich kindgerechtes und spielerisches Training auch in der Leichtathletik am besten.