Zwei Weltmeister und ein Europameister in Hamburg

Renndirektor Frank Thaleiser mit seinen Spitzenathleten Abel Kirui, Tadu Abate und Abele Abshero (v.l.n.r.) © Hochzwei / Malte Christians

Selten zuvor enthielt die Liste der Eliteläufer beim Haspa Hamburg Marathon derartig klingende Namen wie in diesem Jahr. Abel Kirui, zweifacher Weltmeister, Stephen Kiprotich, Olympiasieger und Weltmeister und der ehemalige Europameister Daniele Meucci bilden die geballte Spitze der Prominenz im Hamburger Starterfeld, in dem der angekündigte Neuseeländer Jake Robertson, der zum Kreis der Sieganwärter gehört hatte, fehlt.
 

Renndirektor Frank Thaleiser mit seinen Spitzenathleten Abel Kirui, Tadu Abate und Abele Abshero (v.l.n.r.) © Hochzwei / Malte Christians
 

Erstmals unter 2:05 Stunden

In der langen Karriere von Abel Kirui, die von den Weltmeistertiteln in Berlin 2009 und Daegu 2011 sowie vom Sieg beim Chicago Marathon 2016 gekrönt ist, gibt es einen kleinen Makel. Der mittlerweile 37-Jährige ist noch nie unter 2:05 Stunden gelaufen, vor zehn Jahren verfehlte er diese Marke in Rotterdam lediglich um vier Sekunden. Jahrelang jagte er hinter diesem Ziel her und formulierte es nun erneut. „Meine Ambition für Sonntag ist es, den Streckenrekord (2:05:30 Stunden, Eliud Kipchoge) zu brechen. Ich weiß, dass die Strecke flach ist. Wenn es kühl genug ist, greife ich ihn an“, sagte er bei der Pressekonferenz. Der Marschplan für Sonntag ist eine Durchgangszeit von 1:02:30 Stunden beim Halbmarathon, eine schnelle zweite Hälfte ließe ihm die Möglichkeit zu, erstmals unter 2:05 Stunden zu bleiben.
 

Drei äthiopische Siege in Folge in Hamburg

Um in Hamburg für den ersten kenianischen Sieg seit vier Jahren, damals Lucas Rotich in einer persönlichen Bestleistung von 2:07:17 Stunden, der in diesem Jahr ebenfalls am Start ist, zu sorgen, muss sich Kirui vor allen Dingen mit einem Äthiopier auseinandersetzen. Ayele Abshero hat den schnellsten Vorwert (2:04:23) und zeigte zuletzt leicht aufsteigende Form. Im Vorjahr wurde er beim Sieg von Solomon Deksisa Dritter. „Das Feld ist stark. Ich wäre glücklich, wenn ich wieder auf dem Podest landen könnte“, backt der 28-Jährige kleinere Brötchen. Sein Landsmann Tadu Abate, im Vorjahr bei seinem Marathon-Debüt in 2:06:54 Stunden Zweiter, und der Kenianer Laban Korir sind weitere Siegkandidaten.
 

Kiprotich als konstanter Platzierungsläufer

Nicht zum engeren Kreis der Siegkandidaten zählt Stephen Kiprotich, Olympiasieger von London 2012 und Weltmeister von Moskau 2013. Der 30-Jährige zählt zwar zu den prominentesten Marathonläufern der Welt, wartet aber seit seinem Triumph in der russischen Hauptstadt auf einen Marathonsieg – und das, obwohl er nicht immer bei den allergrößten Marathonläufen am Start war. Dennoch zeugen zweite Plätze in Tokio 2015 (PB: 2:06:33), Hamburg und Fukuoka 2017, ein vierter Platz in Tokio 2016 sowie ein fünfter Platz vor einem Jahr in Hamburg von Konstanz in einem Bereich von Zeiten rund um 2:07 Stunden – also auf einem guten Niveau. „Wenn die Bedingungen gut sind, werde ich versuchen, meine persönliche Bestleistung zu steigern“, kündigte der Routinier bereits vor einigen Wochen an.
 

Zweite Chance für Meucci

In Abwesenheit von Robertson sind die Japaner Takuya Noguchi und Takuya Fukatsu die schnellsten gemeldeten Läufer, die nicht aus Ostafrika stammen. Bekannteste europäische Läufer sind der Italiener Daniele Meucci, der vor drei Wochen beim Rom Marathon mit Magenproblemen nach 33 Kilometern ausstieg und im Frühjahr 2019 auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 eine zweite Chance auf einen schnellen Marathon wahrnehmen will, sowie der Türke Mert Girmalegesse.
 

Ein Marathon-Debüt mit vielen Fragezeichen

Für große Spannung sorgt das Marathon-Debüt von Ezekiel Kemboi. Der zweifache Olympiasieger und vierfache Weltmeister im 3.000m-Hindernislauf ist einen Nachweis, dass er auch auf der Straße erfolgreich sein kann, bisher schuldig geblieben. Er hat bisher auch keinen Halbmarathon bestritten, weswegen große Fragezeichen hinter seiner Leistungsfähigkeit über 42,195 Kilometer stehen, insbesondere weil Kemboi in einem Monat seinen 37. Geburtstag feiert.
 

Augusto kehrt nach schwerer Verletzung zurück

Weit weniger spektakulär ist das Frauen-Rennen besetzt, dafür ist die Wahrscheinlichkeit eines europäischen Sieges umso höher. Jessica Augusto aus Portugal, die bereits vor zwei Jahren in der Hansestadt triumphierte, hofft, bei ihrem Comeback eine Zeit rund um 2:25 Stunden laufen zu können. Im letzten Jahr verpasste sie nicht nur den Hamburg Marathon, sondern die gesamte Wettkampfsaison aufgrund einer hartnäckigen Schienbeinverletzung, die zwischenzeitlich ein erzwungenes Karriereende ins Spiel brachte. „Ich habe mich entschieden, nicht zu operieren. Gott sei Dank hat die konservative Behandlung gut funktioniert. Seit Dezember trainiere ich wieder normale Umfänge“, erzählt sie.
 

Jepkosgei noch nicht bereit

Die größten Kontrahentinnen der Portugiesin sind die Äthiopierin Dibaba Kuma, die Japanerin Mao Kiyota und die Kenianerin Jackline Chepngeno. Die als Top-Star angekündigte Halbmarathon-Spitzenläuferin Joyciline Jepkosgei strich ihr geplantes Marathon-Debüt wie schon vor vier Monaten in Honolulu. Sie fühle sich immer noch nicht bereit für die Premiere über die Traditionsdistanz, ließ sie ausrichten.
Aus heimischer Sicht stechen zwei Marathon-Debüts ins Auge. „Bei meinem ersten Marathon will ich jeden Meter genießen, eine schnelle, schöne Strecke, elektrisierende Atmosphäre und durch eine Stadt mit Flair laufen“, versprüht die 26-jährige Thea Heim große Vorfreude. Ebenfalls eine neue Herausforderung nimmt Corinna Harrer an. Die ehemalige Mittelstreckenläuferin hat ihre Karriere als Leistungssportlerin bereits beendet und tritt als Hobbyläuferin an. Dagegen hat Sabrina Mockenhaupt, die ihre Profi-Karriere ebenfalls beendet hat, ihren Halbmarathon-Start abgesagt. „Ich komme gerade einfach nicht zu einem geregelten Lauftraining“, erklärte sie den Verzicht mit Verpflichtungen.
 

Riesiges Lauffest an der Elbe

Rund 14.000 Marathonläuferinnen und Marathonläufer gehen bei Deutschlands wichtigstem Frühjahrsmarathon an den Start. Insgesamt sind am Hamburger Lauf-Wochenende rund 35.000 Menschen aktiv.
 
 
Haspa Hamburg Marathon