Rotterdam Marathon ohne Schlumpf, aber mit Europameister Naert

Koen Naert bei seinem Triumphzug im EM-Marathon von Berlin. © SIP / Johannes Langer

Fabienne Schlumpf hat ihr mit Spannung erwartetes Marathon-Debüt in Rotterdam vier Tage vor dem Event abgeblasen. Die Schweizerin, EM-Zweite im 3.000m-Hindernislauf, erlitt bei ihrem Testrennen, dem zehn Kilometer langen Usterlauf vor eineinhalb Wochen zwei große Blaßen an den Fußsohlen zu. Da eine der beiden Blasen sich entzündet hat, ist ein Start am Sonntag unmöglich. Das berichtet der Schweizer Nachrichtendienst SDA. Damit verschiebt sich das Marathon-Debüt der 28-Jährigen um mindestens eineinhalb Jahre, denn bei den Olympischen Spielen 2020 von Tokio will Schlumpf noch über ihrer aktuellen Parade-Disziplin an den Start gehen. Danach, so sieht es der Karriereplan vor, soll der Wechsel ins Marathon-Geschäft folgen. Interessant an der Absage Schlumpfs ist, dass der Schweizer Leichtathletik-Verband (Swiss Athletics) die Athletin in seiner wöchentlichen Medien-Newsletter am Dienstag mit einer guten Vorbereitung zitierte.
 

Koen Naert bei seinem Triumphzug im EM-Marathon von Berlin. © SIP / Johannes Langer
Halbmarathon-Europameisterin mit Chancen auf Spitzenplatz

Fabienne Schlumpfs ursprüngliche Zielsetzung bei einem der traditionsreichsten Marathonläufe Europas wäre eine Zeit von unter 2:30 Stunden gewesen. Damit hätte sie gute Chancen gehabt, als eine der besten Europäerinnen ins Ziel zu kommen. Favoritin auf Platz eins in der Europawertung ist Sara Moreira aus Portugal, die vor knapp drei Jahren einige Kilometer nördlich von Rotterdam ihren größten Karriere-Erfolg gefeiert und sich in Amsterdam die Goldmedaille im EM-Halbmarathon gesichert hat. Weitere europäische Topläuferinnen sind die nach einer Dopingpause wieder startberechtigte Elvan Abeylegesse aus der Türkei und die Italienerin Giovanna Epis.
 

Valencia-Siegerin als Favoritin

An der Spitze des Frauenfelds thronen fünf Läuferinnen mit Bestleistungen unter 2:25 Stunden. Als Favoritin geht die Äthiopierin Ashete Dido ins Rennen, die in der IAAF-Weltrangliste auf Rang 15 geführt wird. Die 30-Jährige gewann im Herbst den Valencia Marathon in einer Zeit von 2:21:14 Stunden und belegte außerdem einige Top-Positionen bei international hochwertigen Marathonläufen. Ihre größten Herausforderinnen sind ihre Landsfrau Sentayehu Lewetegn, Vorjahres-Dritte und Fünfte des heurigen Dubai Marathon, sowie die Kenianerin Stella Barsosio, die im Jahr 2017 vier Marathonläufe gewann – allerdings nicht in der höchsten Klasse.
 

Kenia gegen Äthiopien bei den Männern

Mit 17.000 Marathonläuferinnen und Marathonläufer ist der Rotterdam Marathon ausverkauft. Das spitzensportliche Highlight ist in der holländischen Hafenstadt wie immer das Elitefeld der Männer, das drei Läufer mit Bestleistungen unter 2:05 Stunden vorsieht und drei weitere unter oder in der Nähe von 2:06 Stunden. Angeführt wird das Starterfeld von den Kenianern Marius Kipserem, der auf der unabsichtlich verkürzten Strecke von Abu Dhabi eine demnach nicht reguläre Zeit von 2:04:04 Stunden gelaufen ist, und Emmanuel Saina, der beide seiner internationale Marathons in unter 2:05:30 Stunden absolviert hat und damit noch Entwicklungspotenzial zu haben scheint. Nach seinem Sieg als No-Name beim Buenos Aires Marathon 2018 war Saina zu Jahresbeginn Vierter beim Dubai Marathon. Kipserem ist der einzige Läufer im Feld, der den Rotterdam Marathon bereits gewinnen konnte – nämlich 2016 und 2017. Damit ist er neben der australischen Lauf-Legende Rob de Castella (ebenfalls zwei Siege) und dem Äthiopier Belayneh Dinsamo einer von drei Mehrfachsiegern in Rotterdam.
Die Konkurrenz aus Äthiopien bilden Tsegaye Mekonnen, Markos Geneti und Kelkile Gezahegn. Während Mekonnen und Geneti in den letzten Jahren nicht an ihre besten Zeiten anknüpfen konnten, kommt Gezahegn mit guten, aktuellen Vorleistungen nach Holland. Der 22-Jährige gewann im Vorjahr den Frankfurt Marathon und wurde beim Rotterdam Marathon Dritter, zu Jahresbeginn kam er beim Dubai Marathon auf Position sechs ins Ziel.
 

Europameister strebt nach persönlicher Bestleistung

Stark besetzt ist in Rotterdam auch die europäische Spitze. Der Belgier Koen Naert, der sich in Berlin zum Europameister gekrönt hat, möchte die voraussichtlich hervorragenden Bedingungen für eine neue Bestleistung nützen – bisher 2:09:51 Stunden. Der Wetterbericht sieht Temperaturen von 10–12°C vor und für Rotterdam fast atypisch, schwachen Wind. Angesichts dieser Rahmenbedingungen könnte Abdi Nageeye versuchen, seinen holländischen Landesrekord von 2:08:16 Stunden zu attackieren. Der dritte Top-Europäer ist Kaan Kigen Özbilen, ein für die Türkei laufender Kenianer, der 2016 Vize-Europameister im Halbmarathon und 2017 Crosslauf-Europameister war. Der zweitstärkste Holländer im Feld ist Khalid Choukoud, eine deutliche Leistungssteigerung könnte dem Kenianer Leonard Komon gelingen. Der Weltrekordhalter im 10km-Lauf konnte im Marathon bisher noch nicht Fuß fassen.
 
 
NN Rotterdam Marathon