Rot-weiß-rote Marathon-Hoffnung: Nada Ina Pauer

Nada Ina Pauer bei den Europameisterschaften von Berlin. © ÖLV

In Österreich formiert sich aufgrund einer nie da gewesenen Leistungsdichte im Marathonlauf der Männer ein starkes Marathon-Team. Der sensationelle Gewinn der Bronzemedaille in der Teamwertung bei den Europameisterschaften von Berlin hat Begehrlichkeiten geweckt und lässt den österreichischen Marathonlauf optimistisch in die Zukunft blicken. Die erfolgreiche Entwicklung soll zu Nachhaltigkeit führen, von der auch Österreichs Marathonläuferinnen und durch die Vorbildwirkung vor allem der Breitensport profitieren sollen.
 
RunAustria präsentiert Österreichs Marathon-Hoffnungen der nächsten Jahre und beendet die Serie mit einem Blick in die Zukunft. Teil acht: Nada Ina Pauer
 

Nada Ina Pauer bei den Europameisterschaften von Berlin. © ÖLV
Die RunAustria-Serie „Rot-weiß-rote Marathon-Hofffnungen“ orientierte sich bisher an einem konkreten sportlichen Bezugspunkt: die Olympischen Marathonläufe 2020 in Tokio. Doch auch nach dem vierjährlichen Höhepunkt des Sportlerlebens beginnt ein erneuter Olympischer Zyklus. Und dann könnte Nada Ina Pauer die österreichische Marathon-Spitze bereichern. Die EM-Teilnehmerin im 5.000m-Lauf von Berlin spielt schon seit einigen Jahren mit dem Gedanken, in Zukunft ein neues Kapitel in ihrer Karriere aufzuschlagen und den Fokus Richtung Straße zu legen. Mit dem Marathon als großes Ziel. Diesen Zukunftstraum teilt sie mit ihrem Lebenspartner Richard Ringer, der unlängst in einem Interview mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) eine Marathon-Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris als Zielsetzung formuliert hat.
 
 

Nada Ina Pauer:

Jahrgang: 1986
Verein: SVS Leichtathletik / LG Telis Regensburg
Trainer: Richard Ringer
PB: 5.000m-Lauf: 15:40,61 Minuten (Tübingen 2018)
PB: 3.000m-Lauf: 9:01,87 Minuten (Eaubonne 2019, Halle)
Größter Erfolg: Hallen-EM-Zwölfte im 3.000m-Lauf (Glasgow 2019)
 
 
Aktuell legen beide den Fokus auf den 5.000m-Lauf und wollen in dieser Disziplin die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio erreichen. Ringer hat mit den Olympischen Ringen nach einem sportlichen Misserfolg in Rio noch eine Rechnung offen, für Pauer wäre die Olympia-Teilnahme der Höhepunkt ihrer Karriere. Doch neben diesem klaren Ziel öffnet sich für die beiden ein zweiter Weg, der parallel zum ersten verlaufen und nach Tokio 2020 zusammenführen soll. Aktuell trainiert Ringer sich selbst auf Basis der Philosophie seines ehemaligen Lagzeit-Trainers Eckhard Sperlich und Pauer mit seiner Erfahrung. „Wir werden bereits im kommenden Sommer unsere Planungen über den Sommer 2020 hinaus definierten und unser Trainingsumfeld hinblicklich eines Straßenlauftrainings verändern“, erzählt die 32-Jährige. Ringer verfügt über langjährige Erfahrung im Mittel- und Langstreckenlauf auf der Bahn, aber über keinerlei im Straßenlauf. Konkrete Gespräche mit Trainern sollen in Kürze folgen, um einen professionellen Umstieg zu schaffen. Ein erster Halbmarathon im Herbst 2020 wäre ein möglicher erster Schritt in das neue Kapitel, das alte ist aber noch nicht abgeschlossen.
 

Nada Ina Pauer und Richard Ringer bei einem Crosslauf in Salzburg 2017. © CrossAttack / Alexander Schwarz
 
„Dadurch, dass ich mich in den letzten Jahren sehr gut gesteigert habe, ist mein erster Marathon schon ein gutes Stück entfernt. Für einen schnellen Marathon ist es schließlich auch nicht schlecht, diesen Unterdistanzen-Speed zu haben. An dieser Zubringerleistung möchte ich in den nächsten beiden Jahren in einem bahnspezifischen Training konsequent arbeiten“, gibt sie Pauer Marschrichtung vor. Den Vereinswechsel zur LG Telis Regensburg am Ende der vergangenen Saison möchte sie nicht als Schritt Richtung Marathon-Training interpretiert wissen. Viel mehr gehe es darum, ab Sommer die Synergien aus einem gemeinsamen Training mit Miriam Dattke zu nützen. Zum Beispiel in Form von Kurztrainingslagern in Regensburg und bei Wettkämpfen. Beide legen ihren Fokus auf den 5.000m-Lauf, das Leistungsniveau ist vergleichbar. Erste gemeinsame Einheiten folgen erst in Zukunft, da die Interessen in der Winter-Saison auseinander gingen. Nada Ina Pauer konzentrierte sich auf die Halle, Dattke nahm an Crossläufen teil und lief einen Halbmarathon.
 


 

Fünf Fragen an Nada Ina Pauer

Im letzten RunAustria-Interview vor knapp eineinhalb Jahren hast du gesagt: Wenn du auf den Marathon umsteigst, dann peilst du den österreichischen Rekord von Andrea Mayr (2:30:43 Stunden) an – sehr hohe Ambitionen für eine Athletin, die keinen ÖLV-Rekord auf den Unterdistanzen hält. Woher kommt die Zuversicht?
„Da hab ich den Mund vielleicht etwas voll genommen.“ (lacht)
Ambitionierte Ziele sind ja ein guter Anhaltspunkt…
„Mein Ziel lautet schon, in einen Bereich zu kommen, ab dem es richtig interessant ist. Das ist für mich so ab 2:32 Stunden. Wenn das nicht klappen sollte, und ich mich bei einem Niveau von 2:40 Stunden wiederfinden würde, müsste ich mich in meiner Situation dann schon fragen, ob Fehler passiert sind oder vielleicht das Talent für den Marathon nicht da ist. Aber ich hatte immer schon ganz gute Ausdauerwerte, daher blicke ich hoffnungsvoll Richtung Marathon.“
Das österreichische Männer-Team hat zuletzt für erstaunliche Erfolge auf internationaler Ebene gesorgt. Siehst du bei den österreichischen Marathonläuferinnen das Potenzial, in naher Zukunft – sagen wir bis Paris 2024 – für ähnliche Steigerungen?
„Das wäre wirklich schön! Ich hätte sehr große Lust darauf. Ich möchte im nächsten Olympischen Zyklus meinen Fokus auf die Straße legen und spüre die Motivation dafür in mir. Wenn ich da gemeinsam mit anderen Läuferinnen in Österreich ein Team aufbauen könnte, wäre das wunderbar. Cornelia (Moser) bringt sehr gute Leistungen und ist noch sehr jung. Auf sie würde ich auf jeden Fall zählen. Und bei den Männern haben wir gesehen, dass diese gemeinsame Unterstützung eine zusätzliche Motivation bringt und auch zum internationalen Erfolg führen kann.“
Du bist mit Richard Ringer nicht nur privat liiert, sondern er ist auch dein Trainer. Kannst du uns bitte die rein sportliche Zusammenarbeit schildern?
„Wir nehmen komplett andere Rollen ein. In einer Beziehung ist man im Optimalfall sehr gleichberechtigt und jeder respektiert den anderen. Aber im Sport hat Richard viel mehr Erfahrung als ich. Aufgrund seiner eigenen Leistungen weiß er, was für ein Training notwendig ist, welche Fehlerquellen es gibt. Wir sind von Körpertyp sehr, sehr ähnlich und daher wendet er viel aus seinem Training auch auf mich an. Und im Training hat er ganz klar die Autorität, die ich respektiere. Auf dem Trainingsplatz ist er der Chef, ich vertraue ihm da voll.“
Die Doppelstaatsbürgerschaft schenkt dir die Möglichkeiten, bei diversen Gelegenheiten gegen die Elite des deutschen Laufsports antreten zu können, der ja einige großartige Talente bietet. Wenn du gegen Konstanze Klosterhalfen oder Alina Reh läufst – was kannst du von diesen jungen Läuferinnen lernen?
„Man merkt bei beiden ihren unbedingten Willen. Den hatte ich auch immer. Konstanze und Alina hatten von Anfang an genau das richtige Umfeld, die Steigerungen kamen sprunghaft. Ich mag beide gerne, mit ihnen an der Startlinie zu stehen, das euphorisiert. Ich habe den gleichen Kampfgeist wie sie und Konstanze und Alina sind auch einmal neun Minuten gelaufen über 3.000m und man sieht, auf welchem Niveau sie jetzt sind. Die Konstanz und die ständige Motivation sind ihre Stärke.
Konstanze und Alina sind sicherlich Ausnahmetalente, aber es gibt auch dahinter sehr starke Läuferinnen in Deutschland und es macht sehr viel Spaß, Teil dieser Gruppe zu sein. Für mich ist es angenehm, dass ich dieses Konkurrenzdenken im Kampf um das Nationalteam umgehen kann, da ich für Österreich starte. Drei Plätze international ist sehr wenig, aber ich kann mich hervorragend an ihnen orientieren. Das ist eine gewaltige Motivation!“
Wie lautet deine Saisonplanung für das Jahr 2019?
„Der Fokus liegt ganz klar auf den 5.000m. Ich würde mir wünschen, dass mir eine ähnliche Steigerung gelingt wie 2018. Aber ich möchte meine Bestleistung über 1.500m verbessern und daher einige Mittelstrecken-Wettkämpfe bestreiten, denn das hilft letztendlich auch über die 5.000m. Wir werden an der Unterdistanz arbeiten, aber im Rahmen eines 5.000er-Trainings. Umgekehrt wäre ein Fehler! Schließlich bin ich ein Ausdauertyp und das darf man nicht missachten.“
Ist die WM in Doha in deinen Gedanken vorhanden?
„Ja, schon sehr stark. Ich gebe zu, dass ich davon träume. Ich weiß natürlich, dass eine 15:22 eine harte Nummer ist. Das ist ein Tempo, das noch einiges an Training erfordern wird. Wenn’s klappt, wäre ich im siebten Himmel.“
 


 
Nada Ina Pauer geht mit viel Selbstvertrauen in die Freiluft-Saison 2019. Grund dafür ist ein gelungener Winter mit einer klaren Leistungssteigerung. Das Sahnehäubchen lieferte die erfolgreiche Qualifikation für die Hallen-Europameisterschaften in Glasgow, wo sie den zwölften Platz im 3.000m-Lauf belegte. „Ich habe mich sehr gefreut, wie die Hallen-Saison gelaufen ist. Ich war sehr motiviert nach meiner ersten EM-Teilnahme in Berlin 2018“, bilanziert sie. Nach einer längeren Erholungspause, die sich aufgrund eines Fahrradsturzes mit Knieverletzung auf sieben lange Woche verlängert hatte, startete sie mit einem Höhentrainingslager in Kenia in die Saisonvorbereitung. Die lange Ruhephase hat ihrem Körper gut getan, weiß sie heute. Denn ab dem Trainingsstart lief alles wie am Schnürchen. „Bei mir wirkt das Höhentrainingslager immer mit einer Verzögerung von sechs Wochen extrem gut und davon habe ich in der entscheidenden Phase des Winters enorm profitiert. Auch die spezifische Vorbereitung in Monte Gordo hat hervorragend funktioniert. Im Endeffekt hatte ich fünf sehr gute Wettkämpfe und habe einen Schritt nach vorne gemacht.“
Eine Leistungssteigerung, die eine hoffnungsvolle Basis für die Sommer-Saison bietet. Seit einer Woche trainiert Nada Pauer gemeinsam mit Richard Ringer und einer Delegation des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Flagstaff in der Höhe des US-Bundesstaates Arizona. Ein Schneesturm zur Begrüßung wich schnell optimalen Bedingungen, Pauer wird bis zum 6. April eine wichtige Grundlage für die anstehende Saison legen. Die Belastungen der für eine Hallen-Saison beachtliche Wettkampfdichte hat sie gut weggesteckt. „Richards Philosophie ist, dass ich eher locker trainiere und dieses Training mit intensiven Einheiten garniere. Dadurch sind meine Laktatwerte im Training selten hoch, aber wenn, dann schlägt es ordentlich ein. Das hat zur Folge, dass ich über die Wettkämpfe immer besser in Form komme und ich die Wettkämpfe gut vertrage“, erklärt die 32-Jährige.
 

© CrossAttack / Alexander Schwarz
 
Seit einigen Jahren spielt der Spitzensport im Leben von Nada Pauer wieder die wichtigste Rolle. Die Karriere des jungen Talents aus Wien fand aufgrund von drastischen Problemen mit dem Rücken 2008 in jungen Jahren ein vorläufiges Ende. Pauer konzentrierte sich auf ihr Jura-Studium und tauchte mit voller Belastung in das Berufsleben ein. Die Sehnsucht zum Laufsport und die erste Begegnung mit Richard Ringer forcierten den Turn Around. Heute ist die 32-Jährige gesundheitlich in bester Verfassung und hat ihre beruflichen Verpflichtungen reduzieren können. Langen Überlegungen nach der beruflichen Zukunft folgte folgender Entschluss: „Ich hätte mehr Lehrverpflichtungen bekommen und mich mit der Habilitation beschäftigen müssen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich in dieser Situation nicht den Kopf frei hätte fürs Laufen. Eine intensive, wissenschaftliche Arbeit schreiben zu müssen, das würde eine gute Olympia-Vorbereitung bedrohen.“ Ihr Professor an der Uni Konstanz kam ihr entgegen, wodurch Pauer aktuell eine Lehrverpflichtung hat. „Letztendlich geht die berufliche Belastung auf Kosten der Regeneration und das ist auf einem gewissen Niveau entscheidend. Ich habe es jahrelang versucht und auch Richard hat diese Erfahrung jahrelang gemacht.“ Vor kurzem ist das Paar umgezogen und lebt in Bregenz nahe der Heimat von Pauers Mutter. Also wieder auf österreichischem Boden. Die Grenzgängerei ist für die beiden eher eine formelle Geschichte, denn Pauer sieht den Bodensee als eine Region. Der Umzug nach Bregenz brachte jedoch einen wichtigen Vorteil. Die Anbindung zum hervorragend ausgestatteten Olympia-Zentrum in Dornbirn ist besser, ohne dass der Arbeitsweg nach Deutschland zu lange wäre.
 
 

Nadas Trainingstipp für die RunAustria-Fans:

Ich empfehle, im Training bei Ausdauerbelastungen nicht ans Limit zu gehen. Ich trainiere immer so, dass ich mir denke, einen Tick schneller ginge es noch. Alles, was vom Tempo her unkomfortabel ist, sollte für kurze Ballerläufe und Intervalleinheiten auf Sprintdistanzen aufgehoben werden.