Weltrekordspektakel durch Tefera in Birmingham

© IAAF World Indoor Tour / Mark Shearmon

Eine der genialen Leistungen der marokkanischen Mittelstrecken-Legende Hicham El Guerrouj hat am Samstag im Rahmen des IAAF World Indoor Tour Meetings in Birmingham eine Steigerung erfahren. Doch es war nicht der sich ankündigende Yomif Kejelcha, sondern dessen junger Landsmann, der den Hallen-Weltrekord von El Guerrouj verbesserte. Samuel Tefera und Birmingham bilden eine fantastische Harmonie. Hier feierte der Youngster vor zwölf Monaten im Alter von nur 18 Jahren überraschend den Hallen-WM-Titel, hier lief er zu seinem ersten Weltrekord. In einer Siegerzeit von 3:31,04 Minuten war er um 0,14 Sekunden schneller als El Guerrouj am 2. Februar 1997 in Stuttgart.
 

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Aus dem Windschatten zum Weltrekord

Eine Woche nach seinem knapp verpassten Meilen-Weltrekord in New York ließ sich der zweifache Hallen-Weltmeister über 3.000m, Yomif Kejelcha das Rennen in Birmingham von den hochkarätigen Pacemakern Bram Som und Jordan Williamsz bestens vorbereiten. Der schlanke und hoch aufgeschossene Wahl-US-Amerikaner lag vor der letzten Runde auf Weltrekordkurs, hatte aber seinen Landsmann im Windschatten. Und dieser zog ihn auf dem finalen Umlauf nach allen Regeln der Kunst ab. „Ich kann das nicht glauben! Ich bin überwältigt von meiner Leistung. Einen Weltrekord zu haben ist ein spezielles Gefühl“, so Tefera nach dem Rennen.
Kejelcha finishte in einer persönlichen Bestleistung von 3:31,58 Minuten und ist nun die Nummer drei der ewigen Bestenliste. Die dritte Sensationsleistung des Rennens lieferte der Australier Stewart McSweyn ab, der nicht nur die beiden höher geschätzten Kenianer Vincent Kibet und Bethwel Birgen in Schach hielt, sondern in einer Zeit von 3:35,10 Minuten dem Neuseeländer Nick Willis den ozeanischen Hallen-Kontinentalrekord abluchste. Die Kenianer bezahlten im Finale einen hohen Preis für das Angangstempo und fielen noch bis auf die Ränge sieben und elf zurück. Damit kamen die Briten Josh Kerr und Chris O’Hare zu den starken Plätzen vier und fünf.
 

Zwei britische Rekorde für Muir

Das Staunen über die Sensationsleistungen der beiden Äthiopier hatte sich in der Halle kaum gelegt, als Laura Muir für das britische Highlight des Nachmittags sorgte. Die entfesselnd laufende Schottin pulverisierte den britischen Hallen-Meilenrekord von Kirsty Wade in einer Zeit von 4:18,75 Minuten um über fünf Sekunden und setzte sich hinter Genzebe Dibaba und Doina Melinte auf Rang drei der ewigen Bestenliste des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF). Nebenbei steigerte die 25-Jährige mit ihrer Durchgangszeit nach 1.500m ihren eigenen britischen Rekord auf eine Zeit von 4:01,83 Minuten. „Den britischen Rekord zu laufen, ist natürlich fantastisch. Im Vordergrund steht für mich allerdings die solide Leistung von heute. Das verleiht mir ein gutes Gefühl, bisher läuft die Vorbereitung auf die Hallen-EM perfekt“, kommentierte Muir.
Zwei Wochen vor den Heim-Europameisterschaften unter dem Hallendach in Glasgow glänzte Laura Muir in Birmingham also in Top-Form – das Aufeinandertreffen mit der ebenfalls brillanten Konstanze Klosterhalfen wird einer der großen Höhepunkte der Hallen-EM 2019. Winnie Nanyondo und Rababe Arafi hatten in Birmingham übrigens über zehn Sekunden Verspätung auf den Publikumsliebling.
 

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Gesamtsieg für Samuel

Mit dem 3.000m-Lauf der Frauen endete die erste Gesamtwertung einer Laufdistanz im Rahmen der IAAF World Indoor Tour. Die junge Äthiopierin Alemaz Samuel verteidigte ihre deutliche Führung mit einem weiteren Sieg und sicherte sich damit das Preisgeld von 20.000 US-Dollar (das entspricht rund 17.700 Euro) und eine Wildcard für die Hallen-Weltmeisterschaften 2020 in Nanjing für den Gesamtsieg. In Birmingham setzte sich die amtierende Junioren-Weltmeisterin im 1.500m-Lauf in einer Zeit von 8:54,60 Minuten vor ihren Landsfrauen Axumawit Embaye, Meskerem Mamo und Ejgayehu Taye durch. Die Holländerin Maureen Koster war die beste Europäerin auf Platz fünf.
 

Kontinentalrekord für Deng

Einen Doppelsieg für die Britinnen gab es im 800m-Lauf der Frauen. Shelayna Oskan-Clarke setzte sich in einer Zeit von 2:01,16 Minuten deutlich vor Adelle Tracy und Liga Velvere aus Lettland durch. Die Schottin Lynsey Sharp lief ihrer Form als Fünfte weiterhin hinterher. Bei den Männern absolvierte der Australier Joseph Deng in einer Zeit von 1:47,27 Minuten am Schnellsten. Dem neuen ozeanischen Hallen-Rekordhalter (0,21 Sekunden schneller als Ryan Foster 2010) folgten die Briten Jamie Webb und Joseph Reid über die Ziellinie, Hallen-Spezialist Erik Sowinski wurde vor dem abgeschlagenen Marcin Lewandowski Vierter. Der Pole wurde von einer Kollision mit Sturzfolge zwischen Cornelius Tuwei und Lokalmatador Guy Learmonth stark beeinträchtigt und war chancenlos.
 
 
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