Rot-weiß-rote Marathon-Hoffnung: Eva Wutti

© VCM / Herbert Neubauer

In Österreich formiert sich aufgrund einer nie da gewesenen Leistungsdichte im Marathonlauf der Männer ein starkes Marathon-Team. Der sensationelle Gewinn der Bronzemedaille in der Teamwertung bei den Europameisterschaften von Berlin hat Begehrlichkeiten geweckt und lässt den österreichischen Marathonlauf optimistisch in die Zukunft blicken. Die erfolgreiche Entwicklung soll zu Nachhaltigkeit führen, von der auch Österreichs Marathonläuferinnen und durch die Vorbildwirkung vor allem der Breitensport profitieren sollen.
 
RunAustria präsentiert Österreichs Marathon-Hoffnungen der nächsten Jahre in einer neuen Serie. Teil drei: Eva Wutti
 

© VCM / Herbert Neubauer
Eva Wutti ist die Quereinsteigerin im österreichischen Marathonteam. Nach erfolgreichen Jahren als Triathletin setzte die Kärntnerin bei ihrer sportlichen Rückkehr nach der Geburt ihrer Tochter einen neuen Impuls und nahm am Vienna City Marathon 2018 teil. Es war ihr erster reiner Marathonlauf, ohne Schwimmen und Radfahren als sportliches Vorprogramm. Trotz einiger Fragezeichen mit hohen Ambitionen gestartet, verpasste die 29-Jährige zwar das Limit für die Europameisterschaften in Berlin 2018 um knapp eine Minute, verbuchte mit Rang sieben aber das beste Resultat einer heimischen Läuferin bei Österreichs Vorzeige-Laufevent seit acht Jahren. Damals war Andrea Mayr Fünfte. Seit 2010 ist keine österreichische Marathonläuferin auf österreichischem Boden einen schnelleren Marathon gelaufen als Eva Wutti bei den sommerlichen Bedingungen des VCM 2018: 2:37:59 Stunden.
 
 
EVA WUTTI
Jahrgang: 1989
Verein: Sportunion Steiermark
Trainer: Herwig Reupichler
PB Marathon: 2:37:59 (Wien 2018)
PB Halbmarathon: 1:18:53 (St. Veit/Glan 2017)
Größter Erfolg: Platz 7 beim Vienna City Marathon 2018 als beste Österreicherin
 
 
Nach dem Sprung ins kalte Marathon-Wasser und einer ersten Enttäuschung ob des verpassten EM-Limits überwog im Team von Eva Wutti die Zuversicht. Denn die Erkenntnis, dass ihr a) trotz der nicht Marathon-spezifischen Vorbereitung ein starker Auftritt gelungen war und b) sie in der Vorbereitung auf einen Marathonlauf noch deutlichen Raum für Verbesserung erkannte, spiegelt das Potenzial wieder, das die in Katalonien lebende Österreicherin im Marathon hat. Nach einer bunten und abwechslungsreichen Saison 2018 entschied sich Wutti, den Fokus in den kommenden Jahren voll auf den Marathon zu legen und die Hände nach der Olympia-Qualifikation für Tokio 2020 auszustrecken. „Mir ist bewusst, dass es ein sehr harter Weg dorthin ist“, weiß sie. Für dieses Ziel will die ehemalige Triathletin nun ihre sportlichen Anstrengungen bündeln und die Position der Nummer eins im österreichischen Marathonlauf der Frauen als Nachfolgerin der zweifachen Olympia-Teilnehmerin Andrea Mayr einnehmen. Der Umstieg vom Triathlon in den Marathon ist für die 29-Jährige aus Wolfsberg in Kärnten ein Schritt „back to the roots.“ Ihre sportlichen Anfänge absolvierte sie nämlich in der Leichtathletik als Mittelstreckenläuferin, ehe sie sich vor einem Jahrzehnt ganz der Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen widmete.
 


 

Fünf Fragen an Eva Wutti

Du bist im Rahmen von Triathlons schon Marathons unter oder um die drei Stunden gelaufen. Bei deinem einzigen reinen Marathon eine Zeit von 2:37 Stunden und du hast von einem harten Rennen gesprochen. Erkläre mir bitte, warum Steigerungen im Bereich von unter drei Stunden so schwierig zu erreichen sind – auch wenn Schwimmen und Radfahren als „Warm Up“ wegfallen?
„Zwischen 2:57 und 2:37 Stunden liegen für eine Spitzensportlerin Welten. Für ambitionierte Läufer, die isoliert einen Marathon in drei Stunden laufen können, kann man davon ausgehen, dass bei einem Ironman eine Zeit von 3:30 Stunden realistisch ist. Je fitter ein Athlet ist, desto weniger verliert er prozentuell im Triathlon auf seine isolierte Marathonzeit.“
Inwiefern hat sich dein Trainingsalltag verändert?
„Im Triathlontraining hab ich oft nur dreimal pro Woche eine Laufeinheit gehabt. Jetzt laufe ich täglich. Schwimmen nutze ich noch als aktive Regeneration und Radfahren als Grundlagentraining, um auf Trainingsstunden im Fettstoffwechsel zu kommen. Dabei schone ich meinen passiven Bewegungsapparat. Die Qualität im Lauftraining ist anders als bisher. Mehr Intervalle, Tempoläufe und fast doppelt so viele Laufkilometer stehen nun auf dem Programm.“
Was hat dich am Marathon so fasziniert, dass du dich nach dem VCM 2018 für einen Umstieg entschieden hast?
„Der Marathon war schon immer meine Lieblingsdisziplin bei Langstreckenrennen im Triathlon. Und er war auch meistens meine große Stärke. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich ursprünglich aus dem Laufsport komme. In den letzten Jahren hat sich nun der Traum entwickelt, über diese Distanz meine absolute Spitzenleistung abzurufen und herauszufinden, wie schnell ich über die 42,195 Kilometer tatsächlich sein kann.“
Sportliche Karriere auf der einen und junge Mutter auf der anderen Seite sind eine gigantische Herausforderung. Wie gelingt es dir, auf beiden Ebenen Höchstleistungen zu bringen?
„Wenn man beides mit Freude und Leidenschaft ausüben kann, dann schafft man das. Aber natürlich braucht es auch eine gewisse Unterstützung und Hilfe von außen. Ich kann mich immer und jederzeit auf meine Familie verlassen. Mein Freund und meine Mutter sind eine Riesenunterstützung für mich, so dass ich meine Trainingseinheiten so absolvieren kann, wie ich mir das vorstelle.“
Siehst du dich in einer gesellschaftlichen Vorbildrolle? Die Kombination aus der Mutterrolle und einem aktiven Lebensstil wird bei jungen Frauen immer beliebter – in vielerlei Hinsicht eine positive Entwicklung. Dir gelingt sogar die Kombination mit einer Karriere als Spitzensportlerin…
„Dieses Thema wird bei mir fast ein bisschen übertrieben und zum Teil ist es mir etwas unangenehm. Es gibt sicherlich zahlreiche Frauen, für die es schwieriger ist, den Job und die Mutterrolle unter einen Hut zu bringen. Als Spitzensportlerin hat man im Prinzip mehr freie Zeit als in einem strukturierten Vollzeitjob. Insofern ist diese Kombination nicht so schwierig. Aber: Wenn ich jungen Frauen deswegen ein Vorbild sein kann, dann freut mich das natürlich.“
 


 
Eva Wutti ist eine fokussierte, aber schüchterne Frau. Ihr Auftritt am Wochenende des Vienna City Marathon 2018 erweckte tatsächlich den Anschein, als würde sie in eine neue Welt eintauchen. Obwohl sie die Dimensionen Spitzensport und Wettkampfleben bestens kennt. Treue Begleiterin Wuttis war nicht nur damals ihre zweijährige Tochter, ihr Anker in der manchmal hektischen Welt einer sportlichen Großveranstaltung und ihrem reiseintensiven Leben. Aber auch Beweis, welch wichtiges Standbein die Familie in ihrem Leben darstellt. Hinter der schüchternen Fassade der sportlichen Mutter befindet sich aber eine sprudelnde Quelle an Selbstvertrauen, die hohe sportliche Ziele und Träume versorgt: „Ich will mich für zukünftige Welt- und Europameisterschaften qualifizieren. Das große Ziel sind aber in erster Linie die Olympischen Spiele 2020 und 2024.“ Auch was ihre zukünftigen Bestzeiten angeht, hat die Kärntnerin konkrete Vorstellungen – der österreichische Rekord von Andrea Mayr (2:30:43 Stunden, Anm.) soll fallen. „Ein Marathon unter 2:30 Stunden – diese Zeit hat einen großen Reiz!“
 

© VCM / Herbert Neubauer
 
Wenn Eva Wutti am 7. April zum zweiten Mal den Vienna City Marathon bestreitet, soll ein erster Schritt in diese Richtung gelingen. „Die Zielsetzung ist klar: das WM-Limit knacken (2:37 Stunden, Anm.) und schnellste Europäerin sein.“ In der Vorbereitung verbringt sie auch so mache Stunde im Flieger. Denn Eva Wutti wohnt in Barcelona, ihre sportliche Basis mit ihrem Trainer Herwig Reupichler befindet sich aber bei der Sportunion Steiermark in Graz. „Kein allzu großes Problem: Es gibt regelmäßige Flugverbindungen von Barcelona nach Wien oder Graz.“ Aber natürlich, gibt sie zu, ist die geografische Entfernung zu Coach und Betreuer kein Idealzustand. Als Vorteil sieht sie dagegen die Bedingungen in der katalanischen Hauptstadt an: „In Barcelona finde ich das ganze Jahr über ideale Temperaturen zum Trainieren vor. Ich bin generell ein Mensch, der lieber Sonne hat. Schnee und Kälte brauche ich nicht wirklich. Daher kann ich auch bei Hitze besser mein Leistungspotenzial abrufen.“ Eine Eigenschaft, die ihr beim Vienna City Marathon 2018 definitiv geholfen hat.
 
 
Evas Ergebnisse im Marathon
– 7. Platz: Vienna City Marathon 2018 – 2:37:59 Stunden
Evas Ergebnisse im Halbmarathon
– 1. Platz: Betlehem Halbmarathon 2018 – 1:19:23 Stunden
– 1. Platz: Internationaler Sonnenlauf St. Veit/Glan 2017 – 1:18:53 Stunden