Brigid Kosgei triumphiert in schnellem Houston Halbmarathon

© Houston Marathon / Phot Run Victah Sailer

Trotz einer selbst für diese Jahreszeit unüblich kalten Nacht in der texanischen Metropole Houston mit Temperaturen von 1°C zum Start um 7 Uhr morgens hat die Kenianerin Brigid Kosgei ein mit Weltklasse bestücktes Halbmarathon-Rennen in einer Weltklassezeit gewonnen. Die Kenianerin, die im Herbst den Chicago Marathon in einer Zeit von 2:18:35 Stunden gewonnen hat und damit zu jener Generation gehört, die die Marathon-Zukunft bestimmen könnte, schob sich mit einer Leistung von 1:05:50 Stunden auf Rang elf der ewigen Bestenliste des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) und verbesserte den Streckenrekord von Mary Wacera um 39 Sekunden. „Ich war definitiv in der Verfassung, um unter 1:05 Stunden zu laufen. Aber es war einfach zu kalt“, klagte die 24-Jährige nach dem Rennen, freute sich aber über ein kulminiertes Preisgeld von 45.000 US-Dollar (das entspricht knapp 40.000 Euro). Dennoch: Kosgei markierte die schnellste je auf US-amerikanischem Boden gelaufene Halbmarathonzeit der Frauen. Doch auch hinter der Siegerin war das Rennen auf beträchtlichem Niveau: Acht Läuferinnen blieben unter 1:08 Stunden, das hat es in der Leichtathletik-Geschichte erst zweimal gegeben: in Ras Al Khaimah und in Kopenhagen 2018.
 

© Houston Marathon / Phot Run Victah Sailer
Dominanz im Tempodiktat

Angesichts der Besetzung war es kein Wunder, dass das Rennen von Beginn an Tempo aufnahm. Zu Rennhalbzeit trennte sich auch in der Spitzengruppe langsam die Spreu vom Weizen. Kosgei führte die langgezogene Gruppe in einer Zeit von 31:33 Minuten über die Zwischenzeit bei Kilometer zehn – noch fünf Läuferinnen lagen in Führung. In dieser Rennphase puschte die spätere Siegerin vehement, nur Fancy Chemutai und Titelverteidigerin Ruti Aga konnten ihr folgen. Wenig später musste auch die Äthiopierin abreißen lassen, womit Kosgei bei ihrer Zwischenzeit bei Kilometer 15 (46:51 Minuten, 5km-Split von 15:19) nur mehr eine Begleiterin hatte. Doch selbst die zweitschnellste Halbmarathonläufer der Historie konnte dem Tempodiktat ihrer Landsfrau nichts entgegensetzen. Bei Kilometer 20 war das Rennen längst entschieden, Chemutai hatte 43 Sekunden Verspätung auf Kosgei, die den Sieg sicher nach Hause lief. „Diese Leistung ist für mich keine Überraschung. Sie ist die Bestätigung starker Trainingsleistungen“, so die junge Kenianerin, die ihre persönliche Bestleistung um 45 Sekunden steigerte und im April den London Marathon bestreiten wird. Mit einem Rückstand von 58 Sekunden erreichte Chemutai das Ziel als Zweite, ihr Vorsprung auf Ruti Aga, die ebenfalls unter 1:07 Stunden geblieben ist, war auf den letzten Metern ordentlich zusammengeschmolzen. Für eine weitere hervorragende Leistung sorgte die viertplatzierte Monicah Ngige aus Kenia, die ihre Bestleistung um über eine Minute auf eine Zeit von 1:07:29 Stunden steigerte. Opfer der dominanten Renngestaltung von Brigid Kosgei waren ihre Landsfrauen Gladys Cherono und Edith Chelimo. Die Siegerin des Berlin Marathon fiel im Finale noch auf Platz sechs zurück, Chelimo musste sich mit Position acht zufrieden geben.
 

Keine absolute Zufriedenheit bei Emily Sisson

Für die herausragende Leistung aus Sicht der US-Fans sorgte Emily Sisson, die in einer Zeit von 1:07:30 Stunden als Fünfte nur um fünf Sekunden am US-amerikanischen Landesrekord von Molly Huddle vorbeischrammte. Anstatt über eine Steigerung der Bestleistung um 51 Sekunden und die erneute Bestätigung ihrer aktuellen Top-Form rundum glücklich zu sein, haderte die 27-Jährige damit, in der Rennmitte nicht den Mut gehabt zu haben, die Tempoverschärfung von Kosgei ein Stück mitzugehen. Das habe ihr die entscheidenden Sekunden gekostet, vermutete Sisson nach dem Rennen. Dass Ngige im Kampf um Platz vier im allerletzten Moment noch an ihr vorbeigehuscht war, störte sie dagegen weniger. Die zehntplatzierte Natasha Wodak aus Vancouver verpasste in einer persönlichen Bestleistung von 1:10:33 Stunden den kanadischen Rekord von Rachel Cliff lediglich um 25 Sekunden.
 

© Houston Marathon / Photo Run / Victah Sailer
Kitata überrascht desorientiertes Favoriten-Duo

Auch bei den Männern entwickelte sich ein Rennen mit flottem Tempo. Nach zehn Kilometern lag noch eine Sechsergruppe rund um die beiden großen Favoriten Jemal Yimer und Bedan Karoki an der Spitze, die Zwischenzeit von 28:32 Minuten ließ trotz eines etwas gemächlichen Beginns noch auf eine Zeit unter einer Stunde hoffen. Bei Kilometer 20 waren immer noch vier Athleten gleich auf, neben den drei Top-Stars war dies der 22-jährige Gabriel Geay aus Tansania, der schlussendlich als Vierter eine persönliche Bestleistung von 1:00:26 Stunden feierte.
Auf dem letzten Kilometer brach nun etwas Hektik aus. Jemal Yimer, drittschnellster Halbmarathonläufer aller Zeiten, setzte die erste große Attacke das Rennens und öffnete eine Lücke zu Bedan Karoki und Shura Kitata. Der Kenianer folgte dem führenden Äthiopier, als diesem ein verhängnisvoller Faux-Pas passierte, der auch seinen Verfolger irritierte. Als das Führungsfahrzeug, wie bei jedem Rennen üblich, die Strecke kurz vor dem Ziel verließ, wollte Yimer diesem instinktiv folgen und somit die Zielkurve verführt nehmen. Auch Karoki bog bereits ab, ehe Yimer den Irrtum bemerkte und flugs zurück auf den Kurs hechtete. Der bereits geschlagene Kitata bedankte sich, denn plötzlich war die Lücke geschlossen. Und der Zweitplatzierte des London Marathon und des New York Marathon nützte die günstige Chance und spurtete auf den letzten Metern noch vorbei. In einer Zeit von 1:00:11 Stunden siegte er etwas überraschend vor Yimer, der nicht mehr kontern konnte (1:00:14) und Karoki (1:00:18) – ein großer Sieg für den 22-jährigen Vorjahres-Vierten.
 

Tiernan mit grandiosem Leistungssprung

Eine bemerkenswerte Leistung lieferte der Australier Patrick Tiernan in seinem erst zweiten Halbmarathonlauf ab. Der 24-Jährige steigerte seine persönliche Bestleistung auf eine Zeit von 1:01:22 Stunden und belegte den hervorragenden sechsten Platz. Damit liegt Tiernan auf Platz sechs der ewigen australischen Bestenliste, lediglich 26 Sekunden hinter Rekordhalter Collis Birmingham. Ein gutes Rennen absolvierte auch der Waliser Dewi Griffiths, der im ersten Halbjahr 2018 mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Er lief den zweitschnellsten Halbmarathon seiner Karriere und belegte in 1:01:44 Stunden den achten Rang.
 

Hattrick für Degefa
Houston Marathon / Photo Run / Andrew McClanahan
Die Siegerin des Houston Marathon heißt zum dritten Mal in den letzten vier Jahren Biruktayit Degefa, die äthiopische Siegesserie in der viertgrößten Stadt der USA hält nun bereits seit 2007 an. Zwar geriet der Streckenrekord früh aus dem Fokus, da das Feld für den ersten Halbmarathon eine Zeit von 1:12:52 Stunden benötigte, doch besonders auf der zweiten Hälfte legte die 28-Jährige eine Glanzleistung ab und erreichte dank eines mächtigen Negativ-Splits die drittschnellste je in Houston gelaufene Siegerzeit in 2:23:28 Stunden. Zwar hat sich Degefa in ihrer Heimat auf den Houston Marathon vorbereitet, sie lebt allerdings in Albuquerque in der Höhenlage des US-Bundesstaats New Mexiko.
Knapp zehn Kilometer vor dem Ziel setzte sie sich von ihrer letzten Begleiterin, Meseret Belete ab und öffnete bis zur Ziellinie eine dreieinhalbminütige Lücke zu ihr. Belete, zarte 19 Jahre alt mit der Empfehlung eines inoffiziellen Junioren-Weltrekords im Halbamarathon, musste auf den letzten beiden Kilometern noch ihre Landsfrau Belaynesh Fikadu vorbeiziehen lassen. Buze Diriba, die ihren ersten Marathon in 2:28:06 Stunden vollendete, und Sechale Dalasa komplettierten den Fünffach-Sieg der Äthiopierinnen, ehe mit Kelsey Bruce die erste US-Amerikanerin ins Ziel lief. Ihre Landsfrau Kara Goucher beendete ihren ersten Marathon seit drei Jahren mit Problemen an der Achillessehne frühzeitig, sie lag nach 30 Kilometern nur auf dem 20. Platz.
 

Korir gewinnt spannendes Ausscheidungsrennen

Bei den Männern hat sich die erste Reise in die USA für Albert Korir gelohnt. Der 24-Jährige setzte sich in einem bis zum Finale spannenden Ausscheidungsrennen in einer Zeit von 2:10:02 Stunden mit nur sechs Sekunden Vorsprung auf den Äthiopier Yitayal Atnafu und mit 23 Sekunden Vorsprung auf den Kenianer Justus Kimutai durch. Als Fünfter sprengte der Mexikaner Juan Pacheco das afrikanische Elitefeld, bester US-Amerikaner war Tyler Jermann auf Rang neun. Die Mitfavoriten Abayenah Ayele (Sechster) und Dominic Ondoro (Elfter) blieben chancenlos.
 
 

Ergebnisse Chevron Houston Marathon 2019

Männer
1. Albert Korir (KEN) 2:10:02 Stunden
2. Yitayal Atnafu (ETH) 2:10:08 Stunden
3. Justus Kimutai (KEN) 2:10:25 Stunden
4. Elisha Barno (KEN) 2:10:54 Stunden
5. Juan Pacheco (MEX) 2:10:58 Stunden
6. Abayneh Ayele (ETH) 2:11:30 Stunden
7. Tefera Debela (ETH) 2:11:55 Stunden
8. Jose Santana (MEX) 2:13:20 Stunden
9. Tyler Jermann (USA) 2:13:29 Stunden
10. Stephen Scullion (IRE) 2:14:34 Stunden
11. Dominic Ondoro (KEN) 2:14:51 Stunden
Frauen
1. Biruktayit Degefa (ETH) 2:23:28 Stunden
2. Belaynesh Fikadu (ETH) 2:26:41 Stunden
3. Meseret Belete (ETH) 2:26:56 Stunden
4. Buze Diriba (ETH) 2:28:06 Stunden
5. Sechale Dalasa (ETH) 2:28:46 Stunden
6. Kelsey Bruce (USA) 2:31:53 Stunden
7. Malindi Elmore (CAN) 2:32:15 Stunden
8. Sasha Gollish (CAN) 2:32:54 Stunden
9. Katy Jermann (USA) 2:33:41 Stunden
10. Rachel Baptista (USA) 2:33:52 Stunden
 

Ergebnisse Arcamo Houston Halbmarathon

Männer
1. Shurara Kitata (ETH) 1:00:11 Stunden
2. Jemal Yimer (ETH) 1:00:14 Stunden
3. Bedan Karoki (KEN) 1:00:18 Stunden
4. Gabriel Geay (TAN) 1:00:26 Stunden
5. Bernard Ngeno (KEN) 1:01:20 Stunden
6. Patrick Tiernan (AUS) 1:01:22 Stunden
7. Geoffrey Koech (KEN) 1:01:40 Stunden
8. Dewi Griffiths (GBR) 1:01:44 Stunden
9. James Ngandu (KEN) 1:01:51 Stunden
10. Reed Fischer (USA) 1:02:06 Stunden
Frauen
1. Brigid Kosgei (KEN) 1:05:50 Stunden
2. Fancy Chemutai (KEN) 1:06:48 Stunden
3. Ruti Aga (ETH) 1:06:56 Stunden
4. Monicah Ngige (KEN) 1:07:29 Stunden
5. Emily Sisson (USA) 1:07:30 Stunden
6. Gladys Cherono (KEN) 1:07:37 Stunden
7. Delvine Meringor (KEN) 1:07:48 Stunden
8. Edith Chelimo (KEN) 1:07:56 Stunden
9. Mary Ngugi (KEN) 1:09:33 Stunden
10. Natasha Wodak (CAN) 1:10:33 Stunden
 
 
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