Boston Marathon präsentiert starke Elitefelder für 2019

Lelisa Desisa bei seinem zweiten Sieg in Boston im Jahr 2015. © Boston Marathon

Lelisa Desisa bei seinem zweiten Sieg in Boston im Jahr 2015. © Boston Marathon
Als erster großer Frühjahrsmarathon hat der Boston Marathon seine kompletten Elitefelder für die 123. Auflage des ältesten, jährlich ausgetragenen Marathonlaufs der Welt publiziert. Dabei gelang es dem Veranstalter erneut, insbesondere im Männer-Rennen ein Feld mit überragender Qualität zusammenzustellen. Inklusive der Rollstuhl-Profis sind am 15. April nicht weniger als 16 amtierende oder ehemalige Boston-Marathon-Sieger am Start.
 

Spannendes Duell zwischen Kenia und Äthiopien

Beachtliche zweimal in den letzten fünf Jahren konnten Läufer der nördlichen Hemisphäre die standesgemäßen afrikanischen Siege in Boston verhindern: Meb Keflezighi 2014 und Yuki Kawauchi 2018. Deswegen steht im Jahr 2019, auch durch die verletzungsbedingte Abwesenheit von local hero Galen Rupp, der nach einer Operation an der Achillessehne im Oktober erst wieder im Herbst einen Marathon laufen will, das Duell zwischen den Erzrivalen aus Kenia und Äthiopien im Vordergrund. Dabei steht ein ausgewiesener Boston-Spezialist an der Spitze des Feldes: Lelisa Desisa, der bereits zweimal gewinnen konnte und mit der Empfehlung eines fantastischen Triumphs beim New York City Marathon 2018 mit besonderem Selbstvertrauen an den Start gehen könnte. Mit Sisay Lemma, der im Herbst beim Ljubliana Marathon glänzte und im vergangenen Jahr gleich zweimal unter 2:05 Stunden blieb, und Lemi Berhanu, der 2016 gewann, haben die Äthiopier zwei weitere absolute Siegkandidaten am Start. Die Konkurrenz aus Kenia wird angeführt von Geoffrey Kirui, der 2017 triumphierte und sich in den Wirren der unappetitlichen Wetterbedingungen des letzten Jahres nur Yuki Kawauchi beugen musste, und Lawrence Cherono, der nach dem fantastischen Streckenrekord beim Amsterdam Marathon 2018 (2:04:06 Stunden) die schnellste Bestleistung aller Athleten aufweist. Solomon Deksisa aus Äthiopien komplettiert die Garde aus fünf Läufern mit Bestleistung unter 2:05 Stunden, Weltmeister Kirui gehört zu diesem Kreis übrigens nicht dazu.
 

Ex-Weltrekordhalter und Ex-Weltmeister aus Eritrea

Im Elitefeld mit zwölf Athleten mit Bestleistungen unter 2:07 Stunden bzw. 20 Athleten mit Bestleistungen unter 2:10 Stunden befinden sich weitere interessante Namen: der amtierende Goldmedaillengewinner bei den All Asian Games, Hiroto Inoue, sein Landsmann und Überraschungssieger im Vorjahr, Yuki Kawauchi, der ehemalige Halbmarathon-Weltrekordhalter Zersenay Tadese sowie dessen Landsmann Ghirmay Ghebreslassie, der 2015 in Peking im Alter von nur 19 Jahren Weltmeister wurde und ein Jahr später bei den Olympischen Spielen Platz vier belegte. Dazu kommen mit den Kenianern Kenneth Kipkemboi und Benson Kipruto die Sieger des Rotterdam Marathon und Toronto Marathon. In Abwesenheit Rupps wird das US-Aufgebot von Dathan Ritzenhein, Altstar Abdi Abdirahman und Olympia-Teilnehmer Jared Ward angeführt. Prominente europäische Teilnehmer sind nicht angekündigt.
 

Vier sub-2:20-Läuferinnen bei den Frauen

Große Namen weist auch das Elitefeld der Frauen auf, allerdings ist die aktuelle Qualität einiger Läuferinnen zumindest hinterfragenswert. Aselefech Mergia, die mit der besten Vorleistung anreist, ist seit vier Jahren nicht mehr unter 2:23 Stunden gelaufen. Ex-Weltmeisterin Mare Dibaba wartet seit vier Jahren auf eine Zeit unter 2:24 Stunden (die Zeit von 2:24:30 Stunden beim Bronzemedaillen-Gewinn in Rio war allerdings aufgrund des Rennverlaufs höherwertig, Anm.) und auch die ehemaligen Boston-Siegerinnen Sharon Cherop und Caroline Rotich sind nicht mehr stark genug für einen Sieg.
Das Gegenteil ist der Fall bei der zweiten Hälfte der Top-Läuferinnen, die mit guten Vorleistungen aus dem Jahr 2018 in die Saison 2019 gehen. Edna Kiplagat, Boston Siegerin 2017, stellte im vergangenen Jahr mit Rang vier in Berlin ihre Schnelligkeit auch im Alter von 39 Jahren noch unter Beweis. Worknesh Degefa knackte in Dubai 2018 die 2:20-Stunden-Marke und will nach der versuchten Titelverteidigung am Persischen Golf auf in Boston glänzen. Meskerem Assefa und Belaynesh Oljira liefen beim Frankfurt Marathon 2018 Bestleistungen und gehören auch zum engsten Kreis der Favoritinnen.
 

Starke Amerikanerinnen, Debüt mit Ambitionen

Stark ist auch das Aufgebot der US-Amerikanerinnen. Desiree Linden geht als Titelverteidigerin ins Rennen, Jordan Hasay will nach einer von Verletzungen durchzogenen Saison 2018 wieder voll angreifen. Dazu kommen die ehemals in den USA lebende Kenianerin Betsy Saina, Siegerin des Paris Marathon, und Sally Kipyego, die seit zwei Jahren die US-Staatsbürgerschaft besitzt und aus einer Babypause zurück auf die internationale Wettkampfbühne kehrt. Für Spannung sorgen auch EM-Bronzemedaillengewinnerin Eva Vrabcova-Nyvltova aus der Tschechischen Republik und Top-Halbmarathonläuferin Mary Wacera aus Kenia, die ausgerechnet den schwierigen Boston Marathon für ihr Marathon-Debüt gewählt hat. Die sensationellen Podestläuferinnen von 2018, Sarah Sellers und Krista DuChene, brauchen erneut außergewöhnliche Verhältnisse, um ähnliche Resultate wiederholen zu können.
 
 
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