Ingebrigtsen und Gressier dominant, spanischer Überraschungssieg

© Veranstalter Crosslauf-EM 2018 in Tilburg / Facebook

Teenie-Superstar Jakob Ingebrigtsen und Jimmy Gressier wurden ihren Favoritenrollen in den Altersklassen U20 und U23 gerecht und verteidigten souverän ihre Titel. Eine Überraschung gab es in der abschließenden Mixed-Staffel, wo Spanien Frankreich übertrumpfte.
 

© Veranstalter Crosslauf-EM 2018 in Tilburg / Facebook
Alles unter Kontrolle

Auf dem Weg zu seinem dritten EM-Titel im Crosslauf in der Altersklasse U20 hatte Jakob Ingebrigtsen von Beginn an alles unter Kontrolle. Er absolvierte die gesamten 6.300 Meter immer in guter Position, behielt den Überblick und forcierte sein Tempo kurz vor der Zielgerade. Damit verlieh er seiner Überlegenheit Ausdruck, nach genau 18 Minuten war das Rennen beendet. Ingebrigtsen feierte den Sieg mit einem Sprung, eine halbe Schraube, mitten in eine Pfütze im Zielraum. Stilistisch absolut ordentlich kam er genau auf dem Rücken zum Liegen. „Es war ein hartes Rennen, weil die Strecke echt schwierig war. Ich habe noch nie so ein Rennen bestritten, aber es hat mir Spaß bereitet, unter diesen Bedingungen zu laufen. Auch wenn bei diesem tiefen Boden kaum ein Rhythmus möglich war“, erklärte der zweifache Europameister von Berlin im Interview.
 

Handschlag auf den Doppelsieg

Bereits frühzeitig kristallisierten sich die drei Stärksten im Rennen heraus. Vor der alles entscheidenden Schlussphase setzten sich Jakob Ingebrigtsen, Ouassim Oumaiz und Elzan Bibic, der von Beginn an aufs Tempo gedrückt hatte, vom am Ende viertplatzierten Briten Jake Heyward ab. Um seine Überzeugung, eine Medaille zu gewinnen, zur Demonstration zu bringen, bot der Spanier unterwegs Jakob Ingebrigtsen unterwegs einen Handschlag an, ähnlich wie dieser es in einer umstrittenen Szene während des 5.000m-Laufs bei der EM in Berlin mit Bruder Henrik gemacht hatte. Während der Routinier damals die Aktion ignorierte, erwiderte Ingebrigtsen in Tilburg den Handschlag nach kurzem Nachdenken etwas widerwillig. „Es war ein gutes Rennen. Es ging hier nur um den zweiten Platz, weil Jakob ist zu stark“, kommentierte Ouzmaiz im Ziel und kündigte an: „In ein paar Jahren will ich mit ihm mithalten können!“ Der talentierte Bibic gab nach dem Rennen zu Protokoll, dass er sehr glücklich mit seinem Rennen und dem Resultat sei.
 

© ÖLV / Coen Schilderman
Norwegen auch im Team vorne

So erwartbar der Sieg für Jakob Ingebrigtsen in einer Einzelwertung war, so überraschend kam es, dass Norwegen auch in der Teamwertung die Goldmedaille gewann. Der im Windschatten Ingebrigtsens sich gut entwickelnde Simen Halle Haugen überzeugte mit Rang fünf, Hakon Stavik machte mit Rang 22 die Sensation perfekt. Die weiteren Medaillen gingen an Großbritannien und Deutschland, das vom sechstplatzierten Mohamed Mohumed und vom neuntplatzierten Nick Jäger angeführt wurde. Die Schweiz belegte den 15. Platz.
 

Kokaly im Hinterfeld

Ähnlich wie die Schweizer konnte auch Österreichs Einzelkämpfer Albert Kokaly (DSG Maria Elend) nicht ins Vorderfeld laufen und belegte schlussendlich den 63. Platz unter 95 gefinishten Athleten. „Ich habe mein Ziel, im mittleren Drittel zu landen, erreicht. Es war eine sehr schwere Strecke und schwere Bedingungen. Von der EM nehme ich die super Stimmung und Organisation mit und freue mich auf nächstes Jahr“, war der Kärntner sichtlich bemüht, sein Resultat schöner zu reden als es in Wirklichkeit war.
 

© Veranstalter Crosslauf-EM 2018 in Tilburg / Facebook
Duell Gressier gegen Fitwi

Bereits nach einem Drittel des 8.300 Meter langen Rennens der Altersklasse U23 setzten sich Jimmy Gressier und Samuel Fitwi vom Rest des Feldes ab und definierten das Duell um den Sieg. Der französische Titelverteidiger erwies sich dabei als zu stark für seinen Konkurrenten und verteidigte seinen Titel in einer Zeit von 23:37 Minuten äußerst souverän. Auf der Zielgeraden organisierte er sich gleich zwei französische Flaggen und stolperte einen halben Meter vor dem Ziel – ob gänzlich ungewollt oder semi-absichtlich sei dahingestellt – und durchbrach im Fallen das Zielband. Acht Sekunden später überquerte der Deutsche die Ziellinie und sicherte sich die zweite deutsche Medaille in dieser Altersklasse überhaupt nach Amanal Petros’ drittem Platz 2015. „Ich bin hergekommen, um eine Medaille zu gewinnen. Ich habe das Optimum des Möglichen herausgeholt“, kommentierte der 22-Jährige, gebürtige Eritreer seinen tollen Erfolg.
Im Kampf um Platz drei setze sich Hugo Hay gegen den Iren Ryan Fortsyth durch. Für den Franzosen ist es nach Platz zwei im vergangenen Jahr die zweite Medaille. Mit vier Läufern in den Top-Ten sicherte sich Frankreich souverän die Goldmedaille im Team vor Großbritannien und Spanien, Deutschland wurde Vierter.
 

© ÖLV / Schildermann
Sinn mit bestem österreichischen Resultat

Mit Platz 42 unter 92 Teilnehmer erzielte Luca Sinn (UAB Athletics) das beste österreichische Resultat des Tages. „Ich denke, das war eine ganz solide Leistung“, schätzte der EM-Teilnehmer von Berlin ein. „Ich positionierte mich im Mittelfeld des großen Starterfelds und habe versucht die Position während des Rennens zu halten.“ Dagegen hatte Julian Kreutzer (SU IGLA long life) keine Chance und kam auf Platz 90 ins Ziel. Die Teilnehmer des U23-Rennens bekamen bei wechselnden Wetterbedingungen in Tilburg einen kräftigen Regenschauer ab.
 

© ÖLV / Coen Schilderman
Spanien überholt Frankreich

Pünktlich zum Abschluss des Crosslauf-Tages in Tilburg setzte zum Start der Mixed-Staffel erneut Regen ein. Es folgte ein Rennen voller Überraschungen. Erstens, weil die mitfavorisierten Belgier nie in die Position einer möglichen Medaille kamen. Zweitens, weil Spaniens 800m-Rekordhalter Saul Ordonez auf der eröffnenden 1.000m-Schleife deutlich an Boden gegen den Franzosen Alex Miellet verlor. Drittens, weil die zweifache Vize-Europameisterin Renelle Lamote entgegen der Erwartungen den gesamten Vorsprung auf den folgenden 1.500 Metern gegenüber Spaniens 800m-Spezialistin Esther Guerrero einbüßte. Und viertens, weil auch der dritten Teildistanz (ebenfalls 1.500m) sich Mahiedine Mekhissi-Benabbad, immerhin ehemaliger Europameister über diese Distanz, nich von Außenseiter Victor Ruiz lösen konnte. Staffeln haben halt doch eigene Gesetze, auch im Crosslauf.
Und so entschied am Ende unüblich Erwartbares das Rennen: Solange Pereira distanzierte, im 1.300 Meter langen Duell mit Johanna Geyer-Carles favorisiert ,ihre Kontrahentin im Endspurt und sicherte sich das einzige spanische Gold des Tages – ein schwacher Trost, aber ein kleines Pflaster auf die Wunden der arg gebeutelten Spanier. Hinter Frankreich gewann Weißrussland unerwartet die Bronzemedaille vor Großbritannien.
 

© Veranstalter Crosslauf-EM 2018 in Tilburg / Facebook
 
RunAustria-Bericht des Männer-Rennens: Ingebrigtsen beendet afrikanische Serie bei Crosslauf-EM
 
RunAustria-Bericht des Frauen-Rennens: Fabienne Schlumpf bringt Yasemin Can ins Schwitzen
 
RunAustria-Bericht der Nachwuchsbewerbe der Frauen: Möller kontert Gehring, Battocletti übertrumpft Sclabas
 

Ergebnis Crosslauf-EM 2018, Altersklasse U23, Männer (8,3 km)

Gold: Jimmy Gressier (Frankreich) 23:37 Minuten
Silber: Samuel Fitwi (Deutschland) 23:45 Minuten
Bronze: Hugo Hay (Frankreich) 23:48 Minuten

4. Ryan Fortsyth (Irland) 23:49 Minuten
5. Patrick Dever (Großbritannien) 24:05 Minuten
6. Tariku Novales (Spanien) 24:05 Minuten
7. Fabien Palcau (Frankreich) 24:06 Minuten
8. Emile Cairess (Großbritannien) 24:07 Minuten
9. Louis Chilavert (Frankreich) 24:11 Minuten
10. Adrian Ben (Spanien) 24:12 Minuten

13. Markus Görger (Deutschland) 24:17 Minuten
33. Davor Aaron Bienenfeld (Deutschland) 24:56 Minuten
34. Jannik Seelhöfer (Deutschland) 24:57 Minuten
38. Lukas Eisele (Deutschland) 25:01 Minuten
42. Luca Sinn (Österreich) 35:07 Minuten
90. Julian Kreutzer (Österreich) 26:59 Minuten
 

Teamwertung (drei Läufer gewertet)

Gold: Frankreich 11 Punkte
Silber: Großbritannien 30 Punkte
Bronze: Spanien 42 Punkte
4. Deutschland 48 Punkte
5. Belgien 58 Punkte
6. Irland 69 Punkte
7. Niederlande 78 Punkte
8. Israel 87 Punkte
9. Schweden 96 Punkte
10. Italien 97 Punkte
 

Ergebnis Crosslauf-EM 2018, Atltersklasse U20, Burschen (6,3 km)

Gold: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) 18:00 Minuten
Silber: Ouassim Oumaiz (Spanien) 18:09 Minuten
Bronze: Elzan Bibic (Serbien) 18:11 Minuten
4. Jake Heyward (Großbritannien) 18:16 Minuten
5. Simen Halle Haugen (Norwegen) 18:18 Minuten
6. Mohamed Mohumed (Deutschland) 18:27 Minuten
7. Mohamed-Amine Kodad (Frankreich) 18:28 Minuten
8. Ayetullah Asanhan (Türkei) 18:45 Minuten
9. Nick Jäger (Deutschland) 18:47 Minuten
10. Valentin Bresc (Frankreich) 18:47 Minuten

23. Dominik Müller (Deutschland) 19:06 Minuten
37. Jannik Weiß (Deutschland) 19:15 Minuten
42. Elias Schreml (Deutschland) 19:19 Minuten
57. Julien Stalhandske (Schweiz) 19:30 Minuten
63. Albert Kokaly (Österreich) 19:35 Minuten
68. Bjarne Kölle (Schweiz) 19:40 Minuten
72. Loris Pellaz (Schweiz) 19:48 Minuten
80. Maurcie Christen (Schweiz) 19:56 Minuten
83. Nicola Hager (Schweiz) 20:04 Minuten
92. Yves Cornille (Schweiz) 20:22 Minuten
 

Teamwertung (drei Läufer gewertet)

Gold: Norwegen 28 Punkte
Silber: Großbritannien 30 Punkte
Bronze: Deutschland 38 Punkte
4. Frankreich 41 punkte
5. Irland 55 Punkte
6. Niederlande 56 Punkte
7. Spanien 62 Punkte
8. Türkei 65 Punkte
9. Italien 103 Punkte
10. Belgien 126 Punkte

15. Schweiz 197 Punkte
 

Ergebnis Crosslauf-EM 2018, Mixed-Staffel (5,3 km)

Gold: Spanien 16:10 Minuten
Silber. Frankreich 16:12 Minuten
Bronze: Weißrussland 16:21 Minuten
4. Großbritannien 16:24 Minuten
5. Ukraine 16:30 Minuten
6. Schweden 16:32 Minuten
7. Belgien 16:34 Minuten
8. Lettland 16:40 Minuten
9. Irland 16:40 Minuten
10. Portugal 16:44 Minuten
 
 
Crosslauf-Europameisterschaften 2018 in Tilburg