Rennen der Rekorde beim Valencia Marathon

© Veranstalter Valencia Marathon

Die Marathon-Saison 2018 ging auf europäischem Boden mit einem Feuerwerk zu Ende. Der Äthiopier Leul Gebrselassie stürmte beim Valencia Marathon zur schnellsten je auf spanischem Boden erzielten Marathonzeit und blieb in einer Spitzenleistung von 2:04:30 Stunden auch im zweiten Marathon seiner Karriere deutlich unter 2:05 Stunden. Der Weg in die Top-Klasse der World Marathon Majors dürfte für den 25-Jährigen Äthiopier für das Jahr 2019 damit frei sein. Doch es war nicht der einzige Rekord, der auf der bekannt schnellen Strecke der ostspanischen Hafenstadt fiel. El Hassan El Abbassi, ein gebürtiger Marokkaner, pulverisierte den Landesrekord für den Bahrain und den asiatischen Kontinentalrekord. Al Majhoub Dazza verbesserte den marokkanischen Landesrekord. Und zu guter Letzt gab es auch bei den Frauen einen neuen Streckenrekord durch Siegerin Ashete Dido in einer Zeit von 2:21:14 Stunden.
 

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Von Beginn an schnell

Mit dem besten Elitefeld seiner Geschichte legte der Valencia Marathon der Männer vom Start weg ein schnelles Tempo an. Ideale Lauftemperaturen rund um 13°C und sehr zurückhaltendem Wind kamen den Läufern extrem entgegen. In einer Zeit von 1:02:30 Stunden passierte eine elfköpfige Gruppe die Halbmarathon-Zwischenzeit. Das Tempo blieb hoch, auch als der letzte Pacemaker das Rennen verließ. Bei Kilometer 32 forcierte Mathew Kisorio, Kenias erster berühmter Dopingfall der Leichtathletik-Geschichte und heute Präzedenzfall für eine folgende Serie, attackierte und beschleunigte so, dass lediglich Leul Gebreselassie und El Hassan El Abbassi folgen konnten. Dagegen ließen sich Titelverteidiger Sammy Kitwara und sein kenianischer Landsmann und Mitfavorit Norbert Kigen in einer Verfolgergruppe nieder.
 

Dramatisches Finale

Während El Abbassi wie schon vom Start weg immer am Ende der Gruppe hing und bei Kilometer 40 den Anschluss an das Duo leicht verlor, kämpften Kisorio und Gebreselassie um den Sieg. Der kleine Äthiopier beschleunigte und erzwang knapp zwei Kilometer vor dem Finale die Vorentscheidung. Zehn Monate nach seinem Fabel-Debüt in Dubai, als er in einer Zeit von 2:04:02 Stunden den zweiten Platz belegte, markierte der 25-Jährige erneut eine Spitzenzeit und siegte in einer Zeit von 2:04:31 Stunden, der zehntschnellsten Marathon-Zeit des Jahres. So schnell war auf spanischem Territorium noch kein anderer Marathonläufer gelaufen, der Streckenrekord von Vorjahressieger Kitwara fiel um 45 Sekunden. Der Valencia Marathon rangiert nun hinter dem Berlin Marathon, dem Boston Marathon, dem London Marathon, dem Frankfurt Marathon, dem Chicago Marathon, dem Tokio Marathon, dem Dubai Marathon, dem Amsterdam Marathon und dem Rotterdam Marathon auf Rang zehn der schnellsten Marathonläufe der Welt laut Streckenrekord.
 

Asienrekord für El Hassan El Abbassi

Gleich drei Läufer knackten in Valencia die Marke von 2:05 Stunden, die im allgemeinen Verständnis die Weltklasse vom Rest der besten Marathonläufer der Welt trennt. Erstmals gehört auch der mit einer Dopingsperre von zwei Jahren vorbelastete Mathew Kisorio dazu, der fast zwei Minuten schneller lief als im April in Paris, als er Zweiter wurde. Die Sensation des Rennens lieferte aber nicht der Kenianer ab, sondern El Hassan El Abbassi, im Sommer Zweiter bei den All Asian Games in Jakarta. Seit 2014 startet der 34-Jährige für den Bahrain, bisher war er im Marathon noch nie unter 2:10 Stunden gelaufen. Das Wunder von Valencia, das eine Dauer von 2:04:43 Stunden hatte und mit Platz zwei endete, nachdem er einen Kilometer vor dem Ziel Kisorio überholen konnte, führte ihn aus dem Nichts an die Spitze der ewigen Bestenliste des asiatischen Kontinentalverbandes im Marathonlauf. El Abbassi verbesserte den beim Chicago Marathon von Suguro Osako aufgestellten Asien-Rekord um sage und schreibe 67 Sekunden. Den bahranischen Landesrekord hielt bisher Shumi Dechasa in einer Zeit von 2:06:43 Stunden – exakt zwei Minuten groß ist der Quantensprung dieser Sternstunde für den Verband mit den prall gefüllten Geldbörsen im kleinen Inselstaat im persischen Golf nun.
 

Eine Sekunde schneller als eine Legende

Für den zweiten großen Landesrekord des Tages sorgte der Marokkaner Al Mahjoub Dazza, der den marokkanischen Rekord um eine Sekunde auf eine Zeit von 2:05:26 Stunden senkte. Mit Platz sechs gelang dem 27-Jährigen eine dreiminütige Steigerung zu seinem Debüt im Frühjahr in Daegu. Zwar ist die Steigerung dieses Landesrekords nicht derartig spektakulär wie jene von El Abbassi, dafür löschte Dazza die Marke einer marokkanischen Legende aus. Jaouad Gharib, der 2009 beim London Marathon eine Zeit von 2:05:27 Stunden gelaufen ist, war 2003 und 2005 Weltmeister im Marathonlauf. Dazza ist der vierte den marokkanischen Verband repräsentierende Läufer, der einen Marathon unter 2:06 Stunden geschafft hat. Neben Gharib waren das auch der gegen Ende seiner Karriere wegen Dopings überführte und 2013 bei einem Autounfall verstorbene Abderrahim Goumri und der später für die USA laufende, ehemalige Weltrekordhalter Khalid Khannouchi – eine vornehme Gesellschaft, zu der sich der 27-Jährige nun zählen darf.
 

Große Qualität

Angesichts der geschilderten Rekordleistungen darf die „Wiedergeburt“ von Tsegaye Kebede mit Platz vier in einer Zeit von 2:05:21 Stunden nicht vergessen werden. Der 31-Jährige, der vor Jahren zur Crème de la Créme des Marathonlaufs gezählt hatte und nur auf den ganz großen Hochzeiten getanzt hatte, meldete sich mit seiner schnellsten Zeit seit sechs Jahren zurück. Damals hatte er beim Chicago Marathon triumphiert und ein halbes Jahr später beim London Marathon die versammelte Weltklasse düpiert.
Wer in Valencia in die Top-Ten laufen wollte, musste das Gaspedal ordentlich durchdürcken. 2:07:37 Stunden musste man dafür anbieten, das ist Saisonbestwert. 32 Läufer blieben unter 2:20 Stunden – damit waren es addiert mit dem Fukuoka Marathon 62 sub-2:10-Läufer bei zwei Events an einem Wochenende! Dazu gehören übrigens auch die beiden Kenianer Norbert Kigen und Sammy Kitwara, die auf den Positionen fünf und sieben ordentliche Leistungen ablieferten, aber im Rekordregen von Valencia am Ende im Schatten standen.
 

Cheromeis Wagemut fast belohnt

Rasant ging es auch im Rennen der Frauen zu, in dem Siegerin Ashete Dido den Streckenrekord der Kenianerin Valary Aiyabei aus dem Jahr 2016 um dreieinhalb Minuten pulverisierte. Für zusätzliche Spannung zum schnellen Rennen sorgte ein dramatischer Rennverlauf. Denn obwohl das Tempo von Beginn an hoch war, versuchte die 41 Jahre alte Lydia Cheromei gemeinsam mit ihrem persönlichen Pacemaker einen Alleingang. Vor der Zwischenzeit bei zehn Kilometern setzte sich die Kenianerin, die nicht den ersten zweiten Frühling erlebt, von den Äthiopierinnen ab. Der Abstand vergrößerte sich schnell, beim Halbmarathon lag Cheromei in einer unglaublichen Durchgangszeit von 1:09:33 Stunden 1:18 Minuten vor Ashete Dido, Tinbit Gidey und Titelverteidigerin Aberu Mekuria.
 

Überholmanöver fünf Kilometer vor dem Ziel

Erst ab Kilometer 25 musste der Routinier sein Tempo um knapp zehn Sekunden pro Kilometer reduzieren und die Lücke begann sich zu schließen. Bei Kilometer 30 waren es noch 43 Sekunden, bei Kilometer 35 nur mehr 18 Sekunden, ehe das Pendel in die Gegenrichtung ausschlug. Bei Kilometer 37 ging Ashete Dido in Führung und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. In einer Zeit von 2:21:14 Stunden feierte sie nicht nur einen Streckenrekord, sondern auch eine Steigerung um knapp zweieinhalb Minuten zu ihrem bisherigen „Hausrekord“, den sie mit Platz vier beim Paris Marathon 2018 aufgestellt hatte. Cheromei, die das Rennen im letzten Dritten konstant zu Ende brachte, verbesserte in einer Zeit von 2:22:11 Stunden ihren eigenen Weltrekord der Altersklasse Ü40 (Masters) um knapp eineinhalb Minuten. (Sie war auch schneller als Mariya Konovalova, deren Masters-Weltrekord aufgrund eines Doping-Vergehens nachträglich aberkannt wurde, Anm. d. Red.). Es war Cheromeis zweitschnellste Zeit ihrer Karriere nach dem Dubai Marathon 2012.
 

Gelungenes Comeback von Felix, gelungenes Debüt von Twell

Hinter Tinbit Gidey musste sich Vorjahressiegerin Aberu Mekuria mit Position vier zufrieden geben. Und das, obwohl sie fast zwei Minuten schneller lief als damals. Hinter ihr kam die beste Europäerin ins Ziel, die ein fantastisches Comeback nach ihrer Mutterschaftspause feierte. Ana Dulce Felix absolvierte ihren ersten Marathon seit den Olympischen Spielen 2016 in einer Zeit von 2:25:24 Stunden. Es ist der zweitschnellste Marathon ihrer Karriere und der zweitschnellste einer europäischen Läuferin im laufenden Kalenderjahr hinter Florenz-Siegerin Lonah Chemtai-Salpeter. Auch das zweite große Comeback endete positiv: Valeria Straneo wurde in ihrem ersten Marathon seit Rio 2016 Achte. Die 42-jährige Italienerin blieb dabei allerdings über 2:30 Stunden.
Grund zum Jubeln gab es für Stephanie Twell. Die Schottin beendete ihre Premiere auf der Marathon-Distanz in einer Zeit von 2:30:14 Stunden auf Platz sieben und überzeugte mit einem gleichmäßigen Tempo über die volle Distanz inklusive eines leichten Negativ-Splits.
 
RunAustria-Kurzbericht: Neunter Platz für Herzog in Valencia
 

Ergebnisse Valencia Marathon 2018

Männer
1. Leul Gebrselassie (ETH) 2:04:31 Stunden
2. El Hassan El Abbassi (BRN) 2:04:43 Stunden
3. Mathew Kisorio (KEN) 2:04:53 Stunden
4. Tsegaye Kebede (ETH) 2:05:21 Stunden
5. Norbert Kigen (KEN) 2:05:22 Stunden
6. Al Mahjoub Dazza (MAR) 2:05:26 Stunden
7. Sammy Kitwara (KEN) 2:06:21 Stunden
8. Solomon Yego (KEN) 2:06:24 Stunden
9. Deribe Robi (ETH) 2:07:33 Stunden
10. Benson Seurei (KEN) 2:07:37 Stunden
Frauen
1. Ashete Dido (ETH) 2:21:14 Stunden
2. Lydia Cheromei (KEN) 2:22:11 Stunden
3. Tinbit Gidey (ETH) 2:23:27 Stunden
4. Aberu Mekuria (ETH) 2:24:35 Stunden
5. Ana Dulce Felix (POR) 2:25:24 Stunden
6. Pamela Rotich (KEN) 2:29:47 Stunden
7. Stephanie Twell (GBR) 2:30:14 Stunden
8. Valeria Straneo (ITA) 2:30:26 Stunden
9. Hanna Lindholm (SWE) 2:30:37 Stunden
10. Gadise Mulu (ETH) 2:34:23 Stunden
 
 
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