Pioniere des Frauenlaufsports

© SIP / Johannes Langer

Bekannte und weniger bekannte Personen, die im Langstreckenlauf der Frauen ihre Spuren hinterlassen haben.


redaktionell aufbereitet von Andreas Maier
 
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Stamata Revithi

Die Griechen ist die Lauf- und Marathonpionierin schlechthin. Am 11. April 1896, dem Tag nach dem ersten Olympischen Marathon, hat die damals 30-Jährige die historische Strecke von Marathon nach Athen (ca. 40 km) in der beglaubigten Zeit von 5:30 Stunden zurückgelegt. Sie wollte unbedingt am Olympischen Marathonlauf teilnehmen, wurde von den Organisatoren aber abgewiesen. Frauen waren damals generell von der Teilnahme an Olympischen Spielen ausgeschlossen. Tags darauf startete sie ihr eigenes Rennen. Der Bürgermeister und der Lehrer von Marathon bestätigten ihre Startzeit von 8:00 Uhr, griechische Militäroffiziere dokumentierten ihre Ankunft in Athen um 13:30 Uhr.
 

Roberta Louise „Bobbi“ Gibb

Am 19. April 1966 lief Bobbi Gibb, damals 23-jährig, als erste Frau den Boston Marathon. Ihr Antrag auf Teilnahme war abgelehnt worden. Man meinte, Frauen wären nicht in der Lage, eine solche Distanz zurückzulegen. Sie versteckte sich am Start hinter Sträuchern und mischte sich dann unter die Läufer. Noch während des Rennens wurde bekannt, dass eine Frau den Marathon läuft. Gibb erreichte unbehelligt und unterstützt vom Publikum in beachtlichen 3:21:40 Stunden das Ziel. „Ich erzählte den Reportern, dass ich das Laufen einfach liebe und dass ich die Schönheit der Natur genieße beim Laufen. Natürlich hoffte ich, dass ich einige der Denkweisen der Gesellschaft über Frauen und was sie erreichen können, ändern kann.“ Gibb lief ohne Startnummer und wurde nicht im Ergebnis geführt, ebenso in den beiden folgenden Jahren. Erst ab 1972 waren Frauen in Boston startberechtigt. Gibb wurde rückwirkend als Boston Marathon Siegerin 1966, 1967 und 1968 anerkannt.
 

Melitta Bogensberger

Österreichs erste Marathonläuferin. Die Salzburgerin aus Mittersill nahm am 10. Oktober 1971 am internationalen Schwarzwald Marathon in Donaueschingen teil. In 3:53:15 Stunden erreichte sie den dritten Platz unter 83 Teilnehmerinnen. Diese Leistung bedeutete zugleich den ersten österreichischen Frauen-Marathonrekord.
 

Henriette Fina

Die geborene Kärntnerin war Anfang der 1980er-Jahre die erste österreichische Marathonläuferin von internationalem Format. 1982 siegte sie beim Bienwald-Marathon in Kandel in 2:40:51 Stunden und erzielte damit österreichischen Rekord. Im gleichen Jahr wurde sie Elfte beim Boston Marathon. 1983 steigerte sie sich in Osaka auf 2:39:22 Stunden und erreichte den sechsten Platz. 1985 wurde sie in 2:40:42 Stunden Zweite beim „Wiener Frühlingsmarathon“ (heute Vienna City Marathon).
 

Ernst van Aaken

Der deutsche Sportmediziner und Lauftrainer war ein Pionier und Verfechter des Frauen-Langstreckenlaufs. Am 16. September 1967 organisierte er in seinem Heimatort Waldniel einen Marathonlauf, an dem er heimlich auch zwei Frauen teilnehmen ließ. Anni Pede (später Erdkamp) wurde Gesamtdritte und erreichte in 3:07:27 Stunden eine Weltbestzeit, zugleich die erste Marathonmarke einer Läuferin aus Deutschland.
 

Grete Waitz

„Sie war immer die Königin des Straßenlaufs, aber hat sich nie wie eine Monarchin verhalten“, sagte Fred Lebow, Gründer des New York City Marathons, über sie. Neunmal hat die Norwegerin Grete Waitz dieses Rennen gewonnen. „I never do this stupid thing again“, sagte sie nach ihrem ersten Start und Sieg 1978. Sie brach Weltrekorde von 3.000 Meter bis zum Marathon. Der von ihr gegründete Frauenlauf in Oslo bewegte zeitweilig an die 50.000 Teilnehmerinnen zum Mitmachen. 2005 erkrankte sie an Krebs. Neben ihrem persönlichen Kampf schaffte sie es, jährlich über eine Million Dollar zur Unterstützung von Krebskliniken und Trainingszentren aufzustellen. Die wahrscheinlich wichtigste Proponentin des Frauenlaufsports ist im April 2011 gestorben.
 

Tegla Loroupe

Sie war die erste Afrikanerin, die es im Marathon ganz an die Spitze schaffte. 1994 und 1995 gewann Tegla Loroupe den New York City Marathon. 1998 lief sie in Rotterdam Marathon-Weltrekord von 2:20:47 Stunden, in Berlin 1999 steigerte sie sich auf 2:20:43 Stunden. In den 20 Jahren davor waren die Weltrekordhalterinnen stets aus Norwegen, den USA, Großbritannien und Deutschland gekommen. Dreimal gewann Tegla Loroupe zudem die Halbmarathon-Weltmeisterschaften. Aus dem Stamm der Pokot kommend, musste sie mit dem kenianischen Verband, der stark von Stammesinteressen geprägt war, um Unterstützung und internationale Nominierungen kämpfen. Mit ihrer „Tegla Loroupe Peace Foundation“ engagierte sie sich u.a. für Bildung, Waisenkinder und AIDS-Aufklärung. Bei den Olympischen Spielen 2016 war sie die Leiterin des internationalen Refugee-Teams.
 

Paula Radcliffe

Die Britin brachte den Marathonweltrekord der Frauen mit 2:15:25 Stunden in eine neue Dimension. Diese Marke ist seit 2003 nicht einmal annähernd erreicht worden. Kämpferischer Laufstil und klares Anti-Doping-Engagement waren Radcliffes Markenzeichen als Sportlerin. Gut möglich, dass die zweifache Mutter, die auch sehr gut Deutsch spricht, im Sport zukünftig eine größere Rolle spielen wird.
 

Oprah Winfrey

Marathonzeit 4:29:15 Stunden, im Training 38 Kilo Gewicht verloren: “If Oprah can do it, so can you!” Die US-Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey hat die Marathonszene wohl mindestens so stark verändert wie Rekordbrecherinnen und Pionierinnen vor ihr, zumindest in den USA. 1994 nahm sie unter großem Medieninteresse am Marine Corps Marathon teil und motivierte eine Vielzahl an amerikanischen Durchschnittsbürgern, vor allem Frauen, zum Laufen. Anders als in Europa sind in den USA mehr als 50 Prozent der Laufteilnehmer weiblich. Im Marathon hält sich das Geschlechterverhältnis ungefähr die Waage.
 

Joan Benoit Samuelson

Die erste Marathon Olympiasiegerin. 1984 gewann die US-Amerikanerin die olympische Marathonpremiere für Frauen in Los Angeles in 2:24:52 Stunden. Im Mai wurde sie 60. Jetzt will sie den Marathon unter drei Stunden laufen, was noch keine Frau in diesem Alter geschafft hat. Mit 55 hat sie die klassische Distanz in der Masters-Weltrekordzeit von 2:50:33 Stunden geschafft.
 

Ilse Dippmann

Sie hat gemeinsam mit ihrem Partner Andreas Schnabl den Österreichischen Frauenlauf in Wien zu jenem großen Event und Erfolg gemacht, der er heute ist. 1986 lernte Ilse Dippmann in New York einen eigenen Lauf ausschließlich für Frauen kennen und wollte etwas Vergleichbares auch in Österreich realisieren. Als Wolfgang Konrad und seine Mitarbeiterin Helga Kottas 1988 in Laxenburg die erste Auflage des Österreichischen Frauenlauf durchgeführt hatten, war Ilse Dippmann bereits mit im erweiterten Organisationsteam. Später übernahm sie hauptverantwortlich die Veranstaltung und erreichte mit viel Engagement und Aktivitäten wie den Frauenlauftreffs die heutige Begeisterung und Breitenwirkung.
 

Kathrine Switzer

Der Boston Marathon 1967 war die Geburtsstunde von Kathrine Switzer als Botschafterin und Aktivistin für den Frauen-Laufsport. Obwohl Frauen damals nicht zugelassen waren, hatte sie sich als K.V. Switzer angemeldet und eine Startnummer erhalten. Bei laufendem Bewerb und unmittelbar vor den Kameras der Pressefotografen wollte der Veranstalter sie aus dem Rennen holen. Bilder vom Gerangel wurden eifrig publiziert. Switzer beendete jedoch den Marathon. Die Journalistin nahm in der Folge mehrfach an Marathons teil. 1974 siegte sie beim New York City Marathon. 1975 erzielte sie als Zweite des Boston Marathons ihre Bestzeit von 2:51:34 Stunden. Sie initiierte die ab 1977 durchgeführte Avon Running Series mit Frauenläufen in 27 Ländern. Mit ihrer Autobiographie, Medienauftritten und einem Netzwerk von Frauenlauftreffs motiviert die mittlerweile 70-jährige US-Amerikanerin, die in Deutschland geboren ist, weiterhin Frauen für das Laufen.