Sensation beim 40. Istanbul Marathon

© Veranstalter Istanbul Marathon / Facebook

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Die Kenianerin Ruth Chepngetich hat bei der 40. Auflage des Istanbul Marathon für die herausragende Lauf-Leistung des vergangenen Wochenendes gesorgt. Die 24-Jährige pulverisierte ihre eigenen persönliche Bestleistung und den Streckenrekord in der türkischen Metropole und lieferte die bereits sechste Marathon-Zeit unter 2:19 Stunden in den vergangenen zwei Monaten!
Dank der Zeit von 2:18:35 Stunden liegt die Kenianerin nun gemeinsam mit ihrer Landsfrau Brigid Kosgei, die in Chicago triumphierte, auf Platz sieben der ewigen Bestenliste des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF). Diese schnellste jemals auf türkischem Boden erzielte Marathonzeit ist die zehntschnellste Marathon-Leistung in der Geschichte der Sportart, nur drei Kenianerinnen sind jemals schneller gelaufen als Chepngetich: Mary Keitany, Gladys Cherono und Vivian Cheruiyot – jeweils einmal.
 

Durchbruch 2017

Ruth Chepngetich trat erst 2017 auf dem europäischen Parkett in Erscheinung und legte einen Raketenstart hin. Zu Jahresbeginn gewann sie den Adana Halbmarathon in der Türkei in 1:09:06 Stunden. Binnen vier Monaten verbesserte sie sich auf eine grandiose Zeit von 1:06:19 Stunden (ebenfalls Istanbul) und gewann in dieser Zeit vier internationale Halbmarathons. Das Marathon-Debüt glückte auch: Am Bosporus siegte sie in einer Zeit von 2:22:36 Stunden und hatte bereits damals im Duell mit ihrer Landsfrau Visiline Jepkesho die schnellste je auf türkischem Boden erzielte Marathonzeit torpediert. Während 2018 die Erfolge im Halbmarathon ausblieben (immerhin Platz fünf in Kopenhagen, aber nur Rang 13 bei den Weltmeisterschaften), ging es im Marathon auf beeindruckende Art und Weise weiter. Dem zweiten Platz in Paris folgte diese nun fast surreale Leistungssteigerung beim Istanbul Marathon um vier Minuten. Und urplötzlich gehört Ruth Chepngetich, die vor zwei Jahren noch keiner kannte, zur absoluten Marathon-Weltelite.
 

Tempoverschärfung nach wenigen Kilometern

Bereits nach fünf Kilometern war geklärt, dass die Titelverteidigerin ihren Weg als Solistin suchte. Chepngetich sorgte mit einer Teilzeit von 15:46 Minuten zwischen Kilometer fünf und zehn für ein gewaltiges Statement. Margaret Agai und Fatuma Sado, die hofften, mithalten zu können, fielen ebenso zurück wie Elvan Abeylegesse, die von Dopingsünden befreit wieder startberechtigt ist. Das Tempo der 24-jährigen Kenianerin war insbesondere während der ersten Hälfte irre. Nach 1:08:22 Stunden war der Halbmarathon erreicht, Agai versuchte verzweifelt ebenfalls ein wahnsinniges Tempo zu gehen, um die Siegchance aufrecht zu halten. Die Siegerin des Seoul Marathon 2017 hatte nur 1:23 Minuten Rückstand, die vierköpfige Verfolgergruppe rund um Sado hatte nach 1:11:18 Stunden die erste Hälfte absolviert.
 

Die Schere klafft auf

Vorne vergrößerte sich der Abstand zwischen Chepngetich und Agai zwischen Kilometer 25 und 30 merklich. Nach knapp drei Vierteln der Gesamtdistanz war die Lücke fast drei Minuten groß, Chepngetich hielt ihr Tempo mit 5km-Teilabschnittszeiten von deutlich unter 17 Minuten und hatte im Ziel sechseinhalb Minuten Vorsprung auf Agai und zwölfeinhalb auf die drittplatzierte Sado.
 
Chepngetichs Teilzeiten: 1:08:22 – 1:10:13 Stunden (Halbmarathons)
16:13 – 15:46 – 16:16 – 16:29 – 16:40 – 16:18 – 16:45 Minuten (5km-Teilzeiten) – 24:08 (letzte 7,195km)
 
Angesichts dieser Weltklasse-Leistung Chepngetichs war die Konkurrenz chancenlos. Agai belegte in einer Zeit von 2:25:04 Stunden den zweiten Platz und betrieb in einer Zeit, die nur rund eineinhalb Minuten über ihrem „Hausrekord“ lag, mehr als nur Schadensbegrenzung. Sechs Minuten vergingen, bis das Stockerl komplettiert wurde. Die Äthioperinnen Fatuma Sado und Zerfie Limeneh hatten fast die gesamten 42,195 Kilometer gemeinsam absolviert, am Ende hatte die Vierte des diesjährigen Vienna City Marathon, die bereits den vierten Marathon im laufenden Kalenderjahr absolvierte (acht Wochen nach Rang drei in Peking, Anm.) das bessere Finish. In ihrem ersten Marathon nach einer langen Dopingsperre inklusive gestrichenen Resultaten kam Elvan Abeylegesse, mittlerweile 36 Jahre alt, in einer Zeit von 2:32:23 Stunden ins Ziel. Die in Äthiopien geborene Türkin überholte auf den letzten Metern noch die Kenianerin Bornes Kitur und die Äthiopierin Muliye Haylemariyam, auf die sie bei Kilometer 40 noch gut zwei Minuten Rückstand hatte und die völlig erschöpft auf dem Zahnfleisch gen Ziel krochen. Es war ihr zweiter Wettkampf nach dem Bukarest Halbmarathon im Mai, bei dem sie Dritte war.
 

Erstmals unter 2:10 Stunden

Weit weniger fabulös verlief das Rennen der Männer, das allerdings ebenfalls einen historischen Eintrag in die Geschichte der vier Jahrzehnte Istanbul Marathon fabrizierte. Als erster Läufer überhaupt knackte der kenianische Sieger Felix Kimutai in 2:09:57 Stunden die Marke von 2:10 Stunden in der türkischen Metropole. Der 29-Jährige, der 2016 Dritter beim Linz Marathon war, setzte sich in der Schlussphase mit einem abrupten Angriff gegen seine Konkurrenz durch und verwies den Bahraini Abdi Abdo um 40 Sekunden und den französischen Titelverteidiger Abraham Kiprotich um 58 Sekunden auf die weiteren Plätze. Der Äthiopier Getu Feleke, bekanntester Name im Feld, agierte bei der Halbmarathon-Zwischenzeit (1:04:07 Stunden) noch in einer neunköpfigen Spitzengruppe, fiel jedoch wenig später zurück. Der ehemalige VCM-Sieger finishte in 2:13:43 Stunden auf Position neun.
Rund 30.000 Aktive beteiligten sich am Jubiläum des Events in vier Disziplinen aktiv.
 

Ergebnisse Istanbul Marathon

Männer
1. Felix Kimutai (KEN) 2:09:57 Stunden
2. Abdi Abdo (BRN) 2:10:37 Stunden
3. Abraham Kiprotich (FRA) 2:10:55 Stunden
4. Joel Kemboi (KEN) 2:11:08 Stunden
5. Jacob Kendagor (KEN) 2:11:46 Stunden
6. Onesphore Nzikiwinkunda (BDI) 2:12:11 Stunden
7. Hillary Kipchumba (KEN) 2:12:38 Stunden
8. Benard Sang (KEN) 2:13:12 Stunden
9. Getu Feleke (ETH) 2:13:43 Stunden
10. Mert Girmalegesse (TUR) 2:16:15 Stunden
Frauen
1. Ruth Chepngetich (KEN) 2:18:35 Stunden
2. Margaret Agai (KEN) 2:25:04 Stunden
3. Fatuma Sado (ETH) 2:31:05 Stunden
4. Zerfie Limeneh (ETH) 2:31:10 Stunden
5. Elvan Abaylegesse (TUR) 2:32:23 Stunden
6. Bornes Kitur (KEN) 2:33:48 Stunden
7. Muliye Haylemariyam (ETH) 2:34:36 Stunden
8. Ümmü Kiraz (TUR) 2:40:40 Stunden
9. Fadime Celik (TUR) 2:42:05 Stunden
10. Büsra Nur Koku (TUR) 2:47:05 Stunden
 
Istanbul Marathon