Ex-Weltmeisterin vor spannender Aufgabe

© Frankfurt Marathon / photorun

Mare Dibaba war schon einmal ganz an der Spitze. Ein Vierkampf zierte die entscheidende Phase des WM-Marathons von 2015 in Peking. Beim Eintritt ins Olympiastadion gelang der 1,51 Meter kleinen Äthiopierin die Vorentscheidung. Sie löste sich von der Kenianerin Helah Kiprop und jubelte über den WM-Titel. Die heute 29-Jährige ist die bisher einzige äthiopische Weltmeisterin im Marathonlauf. Auch abseits des Erfolgs von Pekings ist ihre Visitenkarte gespickt mit Top-Leistungen. 2016 gewann sie in Rio die Olympische Bronzemedaille, 2012 in Dubai und 2015 in Xiamen lief sie eine Zeit von 2:19:52 Stunden. Damit ist sie die erste sub-2:20-Läuferin in der Geschichte des Frankfurt Marathon.
 

Mare Dibaba bei ihrem Triumph in Peking 2015. © Mainova Frankfurt Marathon / photorun
Zurück zu alter Stärke

Zuletzt geriet die erfolgreiche Karriere der Mare Dibaba, die mit einem kurzzeitigen Nationentransfer nach Aserbaidschan eine ganz kuriose und missglückte Anekdote in Jugendjahren aufweist, etwas ins Stocken. Als Titelverteidigerin kam sie bei den Weltmeisterschaften in London 2017 als Achte ins Ziel, nachdem sie beim London Marathon 2017 aufgeben musste. Auch beim diesjährigen Klassiker in der britischen Hauptstadt konnte sie nicht mit der Spitze mithalten und verlor als Siebte fast zehn Minuten auf Siegerin Vivian Cheruiyot, die im vergangenen Jahr den Frankfurt Marathon gewinnen konnte. Daher lautet das große Ziel der Äthiopierin in Frankfurt, zurück auf die Erfolgsstraße zu biegen und ein Top-Resultat zu verwirklichen. Die Generalprobe gelang mit einem Sieg beim Glasgow Halbmarathon vor vier Wochen. Beim Frankfurt Marathon ist sie die Favoritin, trifft aber auf schlagfertige Konkurrenz aus dem eigenen Land.
 

Streckenrekord in Gefahr

Insgesamt fünf Läuferinnen mit Bestleistungen unter 2:22 Stunden zeigen, dass das Elitefeld der Frauen beim Frankfurt Marathon 2018 stärker einzuschätzen ist als jenes der Männer. Renndirektor Jo Schindler hielt bereits frühzeitig fest: „Es ist das beste Frauenfeld, das wir je hatten. Mit diesen Top-Athletinnen könnte es sogar für eine Zeit unter 2:20 Stunden reichen. Wir freuen uns auf ein spannendes und hochklassiges Rennen.“ Realistischer als eine 2:19er Zeit ist, dass der sechs Jahre alte Streckenrekord von Meselech Melkamu (2:21:01 Stunden) in den Fokus genommen wird.
 

Zweiter Marathon nach fantastischen Debüts

Die größten Konkurrentinnen von Mare Dibaba sind ihre Landsfrauen Haftamnesh Tesfay, Dera Dida und Meskerem Assefa. Tesfay ist 24 Jahre alt und lieferte beim Dubai Marathon 2018 das viertschnellste Debüt der Marathon-Geschichte ab. In einer Zeit von 2:20:13 Stunden wurde sie vorzügliche Fünfte. Siege beim Halbmarathon Rom-Ostia und bei einem Halbmarathon in Shanghai zeigen, dass sie ihre gute Verfassung auch danach unter Beweis stellen konnte. Dida feiert am Freitag vor dem Frankfurt Marathon ihren 22. Geburtstag und geht wie Tesfay in ihren zweiten Marathon. Der erste, ebenfalls in Dubai, endete nach 2:21:45 Stunden auf Rang sieben. Es folgten die Ränge zwei und vier bei Halbmarathonläufen in Rom und Usti nad Labem sowie der Sieg im 10km-Rennen von Okpekpe.
 

Zwei Bestleistungen für Assefa

Assefa dagegen ist eine erfahrene Marathonläuferin, die sich in ihrer sechsten vollen Marathon-Saison befindet. Nach zweiten Plätzen in Wien (2013), Houston (2014) und Hongkong (2015) feierte sie 2017 in Houston und Rotterdam ihre ersten Siege. Beim Frankfurt Marathon belegte sie vor zwölf Monaten den dritten Platz. Auch 2018 ging es in dieser Tonart weiter: Einem zweiten Platz beim Hongkong Marathon folgte der Sieg beim Nagoya Women’s Marathon in einer persönlichen Bestleistung von 2:21:45 Stunden sowie eine persönliche Bestleistung beim Kopenhagen Halbmarathon (1:08:34 Stunden). Die Formkurve dürfte also stimmen.
 

Überraschend zum Sieg beim Paris Marathon

Die stärkste Kenianerin beim Frankfurt Marathon 2018 ist Betsy Saina, deren Marathon-Karriere mit einem grandiosen Erfolg Schwung aufnahm. Nach zwei missglückten Debüts kam sie beim Paris Marathon 2018 in einer Zeit von 2:22:56 Stunden überraschend als Siegerin ins Ziel. Die 30-Jährige lebte jahrelang in den USA und trainierte an diversen Universitäten. Zuletzt verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt wieder nach Kenia.
Die Kenianerinnen Valentine Kipketer, Siegerin des Amsterdam Marathon 2013 und Madrid Marathon 2018, und Routinier Nancy Kiprop, die bereits zweimal den Vienna City Marathon gewinnen konnte, die Äthiopierinnen Abebech Afework, im Vorjahr Vierte, und Belaynesh Oljira, heuer bereits Zweite in Houston und Prag, sowie die Japanerin Reia Iwade komplettieren das wirklich beachtliche Starterfeld bei den Frauen mit elf Läuferinnen, die eine Bestleistung unter 2:25 Stunden aufweisen können.
 

US-Amerikanerinnen kommen mit guten Erinnerungen

Nach Platz fünf im vergangenen Jahr ist Sara Hall auch in diesem Jahr am Start und wie für viele Teilnehmerinnen im Elitefeld des Frankfurt Marathon gilt auch für sie, dass es in den letzten Jahren hervorragend lief. Der Bestleistung in „Mainhattan“ folgte der Sieg bei den US-Meisterschaften in Sacramento nur fünf Wochen später in einer respektablen Zeit von 2:28:10 Stunden, eine Steigerung der Marathon-Bestleistung auf 2:26:20 Stunden mit Platz drei beim Ottawa Marathon 2018 und Halbmarathon-Bestleistung von 1:09:27 Stunden beim Gold Coast Halbmarathon im Juli. Die 35-Jährige ist die Ehefrau des ehemaligen Marathon-Stars Ryan Hall. Gemeinsam haben die beiden vor drei Jahren vier Mädchen aus einem äthiopischen Waisenhaus adoptiert.
Als zweite US-Amerikanerin ist Lindsay Flanagan am Start, die vor zwei Jahren in der Finanzmetropole in noch gültiger Bestleistung von 2:29:28 Stunden Vierte war.
 

Kurze Regeneration nach der EM

Die prominenteste deutsche Teilnehmerin ist Katharina Heinig, die etwas überraschend ihren Start bei ihrem Heimrennen bekannt gegeben hat. Schließlich startete die 29-Jährige im August beim EM-Marathon in Berlin, bei dem sie mit Rang 16 kein besonderes Resultat erzielte, und feierte anschließend ihre Hochzeit. Doch auch im vergangenen Jahr funktionierte das Doppel internationale Meisterschaften (damals WM in London) und Frankfurt Marathon gut, Heinig erreichte in einer Zeit von 2:29:29 Stunden die Festhalle der Frankfurter Messe und wurde deutsche Meisterin.
 
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