Sauerstoffaufnahme im Laufschritt

© SIP

Es ist die wichtigste und wohl einfachste Tätigkeit unseres Lebens, die so relevant ist, dass wir sie im Takt weniger Sekunden fortwährend wiederholen: die Atmung. Ein automatisierter Vorgang, der uns am Leben hält. Das Einatmen frischer Luft beim Outdoor-Ausdauersport ist gleichzeitig dank des Sauerstoffs Antriebskraft für sportliche Bewegung und allgemein wohltuend für Körper und Geist. Dabei ist frische Luft nicht gleich frische Luft. Eine Laufrunde im Wiener Wald ist für das Atemsystem gesünder als eine Laufrunde durch die Innenstadt von Neu Delhi, um ein drastisches Beispiel zur Veranschaulichung zu wählen. Schlechte Luft gilt übrigens genauso wie allergische Reaktionen als Auslöser für Asthma.
 

© SIP
Ökonomische Atmung

Auch wenn automatisiert, gibt es gerade beim Sport ein Richtig und ein Falsch. Denn wer schnell oder ökonomisch laufen möchte, sollte sich eine richtige Atmung aneignen. Laut einer Studie aus den USA wird das Laufen anstrengender, wenn die Schrittabfolge mit dem Beginn des Ausatmens zusammenfällt. Wichtig ist auch, dass der Atemrhythmus nicht synchron zum Laufrhythmus verläuft – also beispielsweise, dass das Ausatmen kontinuierlich mit dem Aufsetzen des rechten Fußes zusammenfällt.
Eine optimierte Atmung während des Laufs kann mit gezielten Übungen im Training trainiert werden. Denn die Atemmuskulatur spielt beim Aufnehmen der Luft eine wichtige Rolle. Britische Forscher stellten einen direkten Zusammenhang zwischen einer besseren Atmung und eines langsamer eintretenden Erschöpfungsgrads im Marathon her. Prinzipiell sollte sie tief aus dem Bauch heraus kommen. Je optimaler die Atmung während des sportlichen Anstrengung verläuft, desto geringer ist auch die Gefahr von Seitenstechen.
 

Asthma auf dem Vormarsch

Zwei gesundheitliche Hürden machen die Atmung für betroffene Läuferinnen und Läufer bei der Ausübung ihres Sports noch bedeutender. Wer unter Allergien leidet, muss diese medikamentös behandeln und sollte auch dann nur Sport treiben, wenn die Atemwege frei sind. Viele Menschen leiden unter Asthma, auch wenn der Prozentsatz in der Bevölkerung weit kleiner ist als in der norwegischen Olympia-Mannschaft von 2018. „Der Standard“ berichtet im Mai 2018 von 315 Millionen Menschen weltweit, die laut einer Schätzung der WHO an Asthma leiden. In Australien ist erschreckenderweise fast jeder Dritte betroffen, in Österreich sind 5,8% der Menschen Asthma-Patienten – Tendenz wie in allen Industrienationen steigend (vgl. derstandard.at).
Bei sportlich aktiven Asthma-Patienten verengen sich die Atemwege während oder nach körperlicher Anstrengung und der Luftfluss wird reduziert, es strömt deutlich weniger Sauerstoff in den Körper. Bei guter medizinischer Behandlung stellt Asthma kein Hindernis für die Ausübung von Sport dar, allerdings ist die Leistungsfähigkeit oft eingeschränkt, was Betroffene berücksichtigen müssen. Bei Nicht-Behandlung ist das Herz-Kreislauf-System in Gefahr.
 

Laufen als Anti-Sucht-Strategie

Ausdauersportlicher profitieren von einer guten Lungenkapazität. Umso überraschender scheint es, dass es auch in der Laufszene Raucher gibt. Dass Rauchen sich negativ auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirkt, liegt auf der Hand. Professor Andreas Nieß von der Universität Tübingen erklärt in einem Artikel auf der Website von „Runner’s World“, dass das durch das Rauchen aufgenommene Kohlenmonoxid von den roten Blutköperchen leichter gebunden wird als Sauerstoff (nicht nur während des Rauchens sondern auch nachträglich). Der Sauerstoff-Transport ist bei sportlicher Aktivität allerdings essentiell.
Dabei gilt Sport als eine der wirksamsten Strategien mit dem Rauchen aufzuhören. Laut den Erkenntnissen einer aktuellen Studie aus Australien konnten 80% der Probanden, bei denen das Aufhören mit dem Rauchen und der Start regelmäßiger Laufrunden terminlich zusammenfiel, auch drei Monate später der Zigarette erfolgreich widerstehen (vgl. runnersworld.de).