Äthiopische Top-Stars beim Amsterdam Marathon

© SIP / Johannes Langer

Äthiopiens Top-Stars Kenenisa Bekele und Meseret Defar sind die prominentesten Teilnehmerinnen beim Amsterdam Marathon am kommenden Sonntag. Während der Weltrekordhalter über 5.000m und 10.000m sowie drittschnellste Marathonläufer aller Zeiten zwei Jahre nach seinem Sieg beim Berlin Marathon in Amsterdam den Weg zurück auf seinen Erfolgsweg sucht, feiert die zweifache Olympiasiegerin im 5.000m-Lauf in der holländischen Hauptstadt ihr Marathon-Debüt. Beide Stars treffen auf namhafte Konkurrenz, womit der Amsterdam Marathon seine seit Jahren andauernde Serie an schnellen Rennen wohl fortsetzen wird.
 

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Bekele wie Gebrselassie?

13 Jahre nach seinem Vorgänger Haile Gebrselassie, der mit seinem damaligen Sieg in Amsterdam seine Marathon-Karriere so richtig begann, hat der Amsterdam Marathon wieder einen Läufer aus der allerbesten Güte am Start. Nach einigen Misserfolgen landete Kenenisa Bekele mit seinem Manager Jos Hermens bei einem Rennen abseits der World Marathon Majors, bei dem aber die spitzensportliche Qualität stimmt und ein guter Boden für ein schnelles Rennen garantiert ist. Zehn Mal in Folge lag die Siegerzeit in der holländischen Hauptstadt unter 2:06:30 Stunden, siebenmal sogar unter 2:06 Stunden. Die amerikanische Web-Plattform „Let’s Run“ berichtete davon, dass sich Jos Hermens öffentlich darüber beschwerte, dass eine Einladung aller drei World Marathon Majors im Herbst an Bekele ausgeblieben ist.
 

Streckenrekord als Ziel

Ob diese Aussage des Holländers nur eine PR-Strategie ist oder Amsterdam wirklich der Not-Rettungsanker für den äthiopischen Rekordhalter ist, ist fraglich. Denn nach einigen Polemiken, u.a. eine in der Öffentlichkeit ausgetragene Meinungsverschiedenheit über die Professionalität der Einstellung zum Marathon-Training Bekeles zwischen dem Athleten und Manager und einem bescheidenen sechsten Platz beim diesjährigen London Marathon könnte der 36-jährige Äthiopier in Amsterdam optimale Voraussetzungen finden, um auf die Siegerstraße zurückzukehren. Und das mit Ambition: Der Streckenrekord von Vorjahressieger Lawrence Cherono (2:05:09) soll fallen. „Er ist nach wie vor ein guter Läufer. Aber es muss Leistung bringen. So läuft es halt“, weiß Hermens.
Ob Bekele an seine Bestleistung von 2:03:03 Stunden heranlaufen kann, ist eher zu bezweifeln. Dann müsste der Veranstalter eine Rennstrategie anpeilen, die einzig auf Bekele zugeschnitten ist und zu riskant für alle Konkurrenten wäre. Das würde gegen die Tendenz der letzten Jahre sprechen, als es dem Amsterdam Marathon mit seinen Pacemakern jeweils gelang, ein schnelles Tempo anzuschlagen, das möglichst viele möglichst lang mitgehen konnten, um ein Ergebnis mit vielen Zeiten im Top-Bereich zu erzielen – ohne jemals unter 2:05 Stunden zu laufen.
 

Kenenisa Bekele beim Berlin Marahton 2016. © SIP / Johannes Langer
 

Cherono: Ohne Angst vor Bekele

Selbst wenn Bekele in Amsterdam in bester Verfassung erscheint, Spaziergang zum Sieg wird es wohl keiner. Denn das Feld ist durchaus beachtlich und Titelverteidiger Lawrence Cherono hat in kenianischen Medien bereits angekündigt, dass er Bekele gerne besiegen würde. „Ich habe keine Angst vor ihm. Ich glaube an mein Training und denke an nichts anderes als den Sieg“. Mit Mule Wasihun aus Äthiopien sowie den Kenianern Gideon Kipketer und Laban Korir, der in kenianischen Medien von einer Zielzeit von 2:04 Stunden als seine Ambition sprach, sind weitere Läufer am Start, die Bestleistungen unter 2:06 Stunden haben. Mit dem Türken Kaan Kigen Özbilen, beim EM-Halbmarathon 2016 in Amsterdam Zweiter und Solomon Deksisa aus Äthiopien kommen weitere starke Läufer hinzu. An der Startlinie steht mit Robert Chemosin auch ein ehemaliger Sieger des Vienna City Marathon. Stärkster Holländer ist Michel Butter, der 2012 in Amsterdam das einzige Mal in seiner Karriere unter 2:10 Stunden geblieben ist.
 

Debüt mit vielen Fragezeichen

Im Gegensatz zu Kenenisa Bekele, der klarer Favorit ist, ist die Ausgangsposition für Meseret Defar eine andere. Sie betritt Neuland, nachdem sie in diesem Jahr ihr geplantes Marathon-Debüt in Tokio verletzungsbedingt absagen musste. Bei einer Premiere sind im Marathon immer viele Fragezeichen 42,195 Kilometer lang stetige Begleiter, doch eines ist Fakt: Die 34-Jährige bringt das Talent und die Vorleistungen auf den Unterdistanzen mit um auch in Marathon ihren Auftritten das Prädikat Weltklasse verleihen zu können. 2013 lief sie auf der nicht rekordtauglichen Strecke des Great North Run einen Halbmarathon in einer Zeit von 1:06:09 Stunden. Seit ihrer Babypause ist sie allerdings nur einen Halbmarathon gelaufen, im Juni in San Diego in einer Zeit von 1:08:26 Stunden. Defar selbst hält laut „Let’s Run“ eine 2:20er Zeit als möglich.
 

Weitere Debütantinnen als Herausforderin für Titelverteidigerin

Unumstritten ist, dass sich um Defar ein kleines, aber starkes Elitefeld bildet. Vorjahressiegerin Tadelech Bekele ist jedenfalls ein Fixpunkt auf der Liste der Favoritinnen. In der langen Geschichte des Amsterdam Marathon ist es einzig der Niederländerin Marja Wokke in der Urzeit des Frauen-Marathonlaufs gelungen, ihren Titel zu verteidigen. Sie ist auch die letzte Zweifachsiegerin überhaupt in der Geschichte des Events. Bekele möchte eine Attacke auf den Streckenrekord ihrer Landsfrau Meseret Hailu starten, die 2012 in einer Zeit von 2:21:09 Stunden gewonnen hat.
Die stärkste Starterin aus Kenia ist wie Defar eine Debütantin: Linet Masai feierte ihre Sternstunde 2009, als sie den Weltmeistertitel im 10.000m-Lauf einfuhr. Die 29-Jährige kommt direkt aus einer Babypause und fühlt sich bereit für das Kapitel Marathon. „Ich will sehen wie mein Körper auf einen Marathon reagiert. Ich hoffe, dass alles gut geht – auch wenn mir die Sicherheit fehlt. Schließlich ist es mein erster Marathon“, wird Masai von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zitiert. Die dritte prominente Debütantin im Feld ist Meseret Belete aus Äthiopien, international noch nicht wirklich ein Begriff. Beim Kopenhagen Halbmarathon im September brach die 19-Jährige den Junioren-Weltrekord (1:07:51 Stunden). Das Feld der Lokalmatadorinnen wird angeführt von Miranda Boonstra.
 
 
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