Keine Medaille für ÖLV bei Berglauf-WM

© RunAustria

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Das rot-weiß-rote Trumpf-Ass hat ausnahmsweise nicht gestochen. Erstmals seit Rosita Rota Gelpi aus Italien im fernen Jahr 2004 heißt die Berglauf-Weltmeisterin auf einer reinen Uphill-Strecke nicht Andrea Mayr (SVS Leichtathletik). Und so ging in Canillo im Zwergstaat Andorra eine beeindruckende Serie zu Ende. Sechsmal in Folge hatte die Oberösterreicherin im Zwei-Jahres-Rhythmus, wenn die Berglauf-Weltmeisterschaften auf reinen Bergauf-Strecken stattfanden, triumphiert. Wie jede Serie musste auch diese zu Ende gehen, dieses Ende kam aufgrund einer hervorragenden Form in diesem Sommer abrupt und unerwartet.
 

Ein schlechter Tag

In einer Aussendung des Österreichischen Leichtathletik-Verbandes (ÖLV) erklärte Mayr ihren sechsten Platz mit einem schlechten Tag. Bereits früh im 11,93 Kilometer langen Rennen, während dem die Läuferinnen 1.028 Höhenmeter bewältigen mussten, verdichteten sich die Zeichen, dass die Österreicherin ihren siebten WM-Titel in ihrer Lieblings-Disziplin des Laufsports nicht gewinnen könnte. Bereits bei der ersten Zwischenzeit lag sie gemeinsam mit Viola Jelagat aus Kenia 25 Sekunden hinter der führenden Lucy Murigi, ebenfalls aus Kenia. Im flachen Mittelteil verlor die 38-Jährige deutlich an Boden und fiel bis auf Position sieben zurück. Im steilen Schlussabschnitt gelang noch ein Überholmanöver, mehr als ein für sie enttäuschender Platz sechs mit über zweieinhalb Minuten Rückstand auf die Siegerin schaute nicht heraus. Die beiden weiteren Österreicherinnen im Feld, Karin Freitag (LG Decker Itter) und ihre 20-jährige Vereinskollegin Julia Praxmarer belegten die Ränge 37 und 54. In der Teamwertung landete das ÖLV-Team auf Position zehn unter 16 klassierten Mannschaften.
 

Silber für Europameisterin Mathys

Als einzige Europäerin schaffte die zweifache Europameisterin Maude Mathys den Sprung auf das Stockerl. Sie fing kurz vor dem Ziel noch Viola Jelagat ab und sicherte sich in einer Zeit von 1:06:00 Stunden die Silbermedaille – ihr größter Erfolg bisher bei Weltmeisterschaften. „Ich bin sehr zufreieden. Für mich hat es sich gelohnt, auf den EM-Marathon in Berlin zu verzichten und stattdessen Europameisterin und Vize-Weltmeisterin im Berglauf zu werden“, wird sie auf der Website des Schweizer Leichtathletik-Verbandes (Swiss Athletics) zitiert. Dagegen jubelte Lucy Murigi über ihren zweiten WM-Titel in Serie – im vergangenen Jahr hatte sie auf der Uphill-Downhill-Strecke im italienischen Premana Andrea Mayr besiegt. Kenia gewann neben Gold und Bronze im Einzel noch die Goldmedaille im Team vor den Britinnen und den Französinnen. Deutschland wurde mit einem geschlossenen Mannschaftsergebnis ohne Top-Resultat Sechster.
 

Dreifachsieg für Uganda

Bei den Männern bleiben die Berglauf-Weltmeisterschaften eine Domäne der Läufer aus Uganda. Wie bereits 2017 und schon zum vierten Mal in den letzten sechs Jahren schaffte das Team aus Uganda den Sweep. In Canillo war Robert Chemonges in einer Zeit von 55:37 Minuten mit einer Sekunde Vorsprung auf Joel Ayeko, der wie im Vorjahr Silber gewann, der Schnellste, Titelverteidiger Victor Kiplangat komplettierte in einer Zeit von 55:54 Minuten das Podest. Damit stand auch der WM-Titel in der Teamwertung außer Diskussion, für den 20-jährigen Chemonges war es die erste Medaille bei Berglauf-Weltmeisterschaften.
Mit einem Rückstand von über einer Minute auf den dritten Platz belegte der Weltmeister von 2016, Joseph Gray aus den USA vor dem ehemaligen Europameister Johan Bugge aus Norwegen den vierten Platz. Die starken Italiener belegten mit Francesco Puppi und den Dematteis-Brüdern Martin und Bernard die Positionen sieben bis neun. Damit holte sich Italien vor Norwegen Silber in der Teamwertung. Das ÖLV-Trio Simon Lechleitner (LG Decker Itter), Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau) und Alexander Brandner (Kolland Topsport Gaal) agierten auf ähnlichem Leistungsniveau und kamen auf den Positionen 34, 39 und 40 ins Ziel. In der Teamwertung reichten diese Leistungen zu Platz elf – unmittelbar vor Deutschland.
 

Silber für Lisa Oed

Auch im Junioren-Rennen gab es einen Dreifachsieg für Uganda: Dan Chebet gewann auf der 7,3 Kilometer langen Strecke in einer Zeit von 35:49 Minuten vor Mathew Chepkurui (36:05) und Oscar Chelimo (36:42). Christoph Pölzgutter (ASKÖ Waidhofen/Ybbs) Melk) kam als 50. ins Ziel. Bei den Juniorinnen holte Hindernis-Spezialistin Lisa Oed in einer Zeit von 41:54 Minuten eine grandiose Silbermedaille. Schneller war nur Risper Chebet aus Uganda in 41:19 Minuten. Deren Landsfrau Betty Chebet komplettierte das Stockerl. Katharina Götschl (USKO Melk) kam auf Rang 49 ins Ziel.
 

Ergebnisse Berglauf-Weltmeisterschaften 2018

 

Männer (11,93 km)

Gold: Robert Chemonges (Uganda) 55:37 Minuten
Silber: Joel Ayeko (Uganda) 55:38 Minuten
Bronze: Victor Kiplangat (Uganda) 55:54 Minuten
4. Joseph Gray (USA) 57:08 Minuten
5. Johan Bugge (Norwegen) 58:25 Minuten
6. Jacob Adkin (Großbritannien) 58:31 Minuten
7. Francesco Puppi (Italien) 59:12 Minuten
8. Martin Dematteis (Italien) 59:31 Minuten
9. Bernard Dematteis (Italien) 59:48 Minuten
10. Juan Carlos Carera (Mexiko) 1:00:02 Stunden

22. Benedikt Hoffmann (Deutschland) 1:01:37 Stunden
34. Simon Lechleitner (Österreich) 1:02:51 Stunden
38. Stefan Lustenberger (Schweiz) 1:03:21 Stunden
39. Manuel Innerhofer (Österreich) 1:03:25 Stunden
40. Alexander Brandner (Österreich) 1:03:30 Stunden
42. Robert Wimmer (Deutschland) 1:04:18 Stunden
46. Christian Mathys (Schweiz) 1:04:22 Stunden
57. Marcel Krieghoff (Deutschland) 1:05:21 Stunden
61. Maximilian Zeus (Deutschland) 1:06:34 Stunden
 

Teamwertung (drei Läufer gewertet)

Gold: Uganda 6 Punkte
Silber: Italien 24 Punkte
Bronze: Norwegen 42 Punkte
4. Großbritannien 47 Punkte
5. Frankreich 48 Punkte
6. USA 62 Punkte
7. Türkei 63 Punkte
8. Mexiko 67 Punkte
9. Kenia 69 Punkte
10. Tschechische Republik 102 Punkte
11. Österreich 113 Punkte
12. Deutschland 121 Punkte
 

Frauen (11,93 km)

Gold: Lucy Murigi (Kenia) 1:04:55 Stunden
Silber: Maude Mathys (Schweiz) 1:06:00 Stunden
Bronze: Viola Jelagat (Kenia) 1:06:26 Stunden
4. Patricia Chepkwemoi (Uganda) 1:06:38 Stunden
5. Krystina Dvorakova (Tschechische Republik) 1:07:20 Stunden
6. Andrea Mayr (Österreich) 1:07:37 Stunden
7. Emily Collinge (Großbritannien) 1:07:57 Stunden
8. Silvia Schwaiger (Slowakei) 1:09:24 Stunden
9. Christel Dewalle (Frankreich) 1:09:46 Stunden
10. Sarah Tunstall (Großbritannien) 1:10:24 Stunden

14. Stefanie Doll (Deutschland) 1:11:26 Stunden
21. Lisa Wirth (Deutschland) 1:13:18 Stunden
29. Monique Siegel (Deutschland) 1:14:32 Stunden
33. Melanie Noll (Deutschland) 1:15:09 Stunden
37. Karin Freitag (Österreich) 1:15:57 Stunden
54. Julia Praxmarer (Österreich) 1:22:01 Stunden
 

Teamwertung (drei Läuferinnen gewertet)

Gold: Kenia 17 Punkte
Silber: Großbritannien 39 Punkte
Bronze: Frankreich 49 Punkte
4. Italien 54 Punkte
5. USA 63 Punkte
6. Deutschland 64 Punkte
7. Tschechische Republik 78 Punkte
8. Neuseeland 78 Punkte
9. Kanada 94 Punkte
10. Österreich 97 Punkte
 

Junioren (7,3 km)

Gold: Dan Chebet (Uganda) 35:49 Minuten
Silber: Mathew Chepkurui (Uganda) 36:05 Minuten
Bronze: Oscar Chelimo (Uganda) 36:42 Minuten
4. Joseph Dugdale (Großbriannen) 39:37 Minuten
5. Gabriel Bularda (Rumänien) 39:54 Minute

25. Julius Hild (Deutschland) 42:24 Minuten
30. Robert Sussbauer (Deutschland) 43:27 Minuten
35. Benedikt Ertl (Deutschland) 43:57 Minuten
39. Fabian Fux (schweiz) 44:24 Minuten
46. Lukas Bunzel (Deutschland) 45:28 Minuten
48. Marc Rotzetter (Schweiz) 45:56 Minuten
50. Christoph Pölzgutter (Österreich) 46:14 Minuten
 

Teamwertung (drei Läufer gewertet)

Gold: Uganda 6 Punkte
Silber: Großbritannien 22 Punkte
Bronze: Türkei 23 Punkte

8. Deutschland 90 Punkte
 

Juniorinnen (7,3 km)

Gold: Risper Chebet (Uganda) 41:19 Minuten
Silber: Lisa Oed (Deutschland) 41:54 Minuten
Bronze: Betty Chebet (Uganda) 43:07 Minuten
4. Alessia Scaini (Italien) 43:40 Minuten
5. Angela Mattevi (Italien) 44:08 Minuten

30. Shelly Schenk (Schweiz) 50:49 Minuten
41. Franziska Schmiederer (Deutschland) 53:36 Minuten
43. Paulina Wolf (Deutschland) 54:14 Minuten
47. Joana Seiler (Schweiz) 55:04 Minuten
49. Katharina Götschl (Österreich) 56:16 Minuten
51. Carolin Peuke (Deutschland) 58:56 Minuten
 

Teamwertung (drei Läuferinnen gewertet)

Gold: Uganda 12 Punkte
Silber: Italien 18 Punkte
Bronze: Rumänien 29 Punkte

10. Deutschland 86 Punkte
 
 
Berglauf-Weltmeisterschaften 2018 in Canillo