Wunderkind Kipruto schrammt in Prag am Weltrekord vorbei

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Um ein Haar hätte der junge Himmelsstürmer Rhonex Kipruto, der nicht einmal drei Monate vor der Jahrtausendwende in Kenia das Licht der Welt erblickt hatte, beim Birell 10km-Straßenlauf von Prag den Weltrekord seines Landsmanns Leonard Komon gebrochen. In einer Siegerzeit von 26:46 Minuten verpasste er die bis dato einmalige Marke von Komon aus Utrecht 2010 lediglich um zwei Sekunden und blieb erst als zweiter Läufer überhaupt in einem 10km-Straßenlauf unter der Marke von 27 Minuten. Selbstredend bedeutet die Leistung einen neuen Weltrekord der Altersklasse U20, der vom Leichtathletik-Weltverband (IAAF) – wie üblich bei allen Rekordleistungen – offiziell untersucht wird, bevor er ratifiziert wird.
 

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Eine Spitzenleistung mit Ankündigung

Die historische Leistung von Prag, wo er den an sich glänzenden Streckenrekord von Vorjahressieger Benard Kimeli um 26 Sekunden unterbot, kommt nicht wie eine absolute Sensation daher. Der 18-Jährige, heuer Junioren-Weltmeister im 10.000m-Lauf, zeigte auf der Straße bereits einige grandiose Wettkämpfe. Dazu gehörte auch die fantastische Siegesleistung von 27:08 Minuten beim 10km-Lauf in New York Ende April, als er der selektiven Strecke im Central Park zum Trotz diese herausragende Leistung auf den Asphalt zauberte. Im Vorjahr, damals 17, schrammte er nur haarscharf am Sieg in Prag vorbei und hinterließ in einer Zeit von 27:13 Minuten seine erste Duftmarke auf internationalem Parkett.
 

Negativsplit

Heuer war Kipruto der überlegene Läufer im Feld und übernahm bereits nach vier Kilometern die Führung. In einer Zeit von 13:31 Minuten war die Hälfte der Strecke absolviert und er war sichtlich unzufrieden mit dem Tempo. Eine von Kipruto angeordnete Verschärfung durch Pacemaker Benard Lagat, der am Ende als Fünfter ins Ziel kam, brachte einen negativen Split (13:15). Im Kampf um Platz zwei setzte sich Geoffrey Koech (27:18, persönliche Bestleistung und Nummer elf der ewigen Bestenliste) vor dem Vorjahreszweiten Mathew Kimeli (27:26) durch. Titelverteidiger Benard Kimeli musste sich mit Rang acht zufrieden geben. Schnellster Österreicher war Timon Theuer (DSG Wien) auf Platz 26. Er erzielte eine Zeit von 31:29 Minuten.
 

Dreikampf nach schnellem Rennen

Ein Jahr nach dem phänomenalen Weltrekordrennen von Joyciline Jepkosgei und ihrer unfassbaren Leistung von 29:43 Minuten entwickelte sich auch bei den Frauen ein schnelles und zudem bis zum Schluss spannendes Rennen im Kampf um den Sieg. Hauptprotagnoistinnen waren die Kenianerinnen Caroline Kipkirui, Fancy Chemutai und die Überraschung des Rennens, Diana Kipyogei. Unterstützt von einer Gruppe von Pacemakern war Chemutai, zweitschnellste Halbmarathonläuferin aller Zeiten, mit dem Ziel angetreten, ihre hervorragende Zeit von 30:06 Minuten aus dem letzten Jahr noch zu verbessern. Am Ende schaffte sie das nicht ganz und bleibt damit auch im 10km-Straßenlauf weiterhin die Zweitbeste der ewigen Bestenliste. Im finalen Endspurt um die besten Plätze musste sich die 23-Jährige allerdings Caroline Kipkirui geschlagen geben.
 

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Drei der sieben historisch schnellsten Zeiten

Die 5.000m-Spezialistin, Vierte beim Diamond-League-Finale in Zürich vor wenigen Wochen, hatte das beste Finish und schob sich mit einer Zeit von 30:19 Minuten auf Rang drei der ewigen Bestenliste der IAAF. Mit drei Sekunden Rückstand folgte Chemutai, die nach einer Verletzungspause im Frühjahr nach ihrem fabelhaften RAK-Halbmarathon, die einen Start bei den Weltmeisterschaften in Valencia unmöglich machte, ein unter dem Strich gelungenes Comeback feierte, mit vier Sekunden Rückstand Diana Kipyokei. Für die 24-Jährige, Dritte beim Istanbul Halbmarathon im April und beim 10km-Lauf im nigerianischen Okekpe im Mai, war dies der mit Abstand beste Wettkampf ihrer Karriere, der sie auf Rang fünf der ewigen Bestenliste der IAAF katapultierte. Noch nie war eine Drittplatzierte in einem 10km-Straßenlauf so schnell gelaufen wie sie in Prag 2018. Dieses Rennen produzierte drei der sieben schnellsten Zeiten in der Geschichte dieser Disziplin.
Marathon-EM-Bronzemedaillengewinnerin Eva Vrabcova-Nyvltova belegte als drittbeste Europäerin hinter der Schwedin Sara van der Wielen-Lahti und der Britin Emilia Gorecka den elften Rang. Knapp 9.000 Läuferinnen und Läufer nahmen am Samstagabend am Birell 10km-Lauf von Prag teil, 2.000 weitere starteten über fünf Kilometer.
 

Ergebnisse Birell 10km von Prag

Männer
1. Rhonex Kipruto (KEN) 26:46 Minuten
2. Geoffrey Koech (KEN) 27:18 Minuten
3. Mathew Kimeli (KEN) 27:26 Minuten
4. Abraham Kipyatich (KEN) 27:38 Minuten
5. Benard Lagat (KEN) 27:40 Minuten
6. Peter Kwemoi (KEN) 27:44 Minuten
7. Hicham Amghar (MAR) 27:46 Minuten
8. Benard Kimeli (KEN) 27:50 Minuten
9. Berta Belihu (ETH) 27:54 Minuten
10. Vedic Kipkoech (KEN) 27:57 Minuten

26. Timon Theurer (AUT) 31:29 Minuten
Frauen
1. Caroline Kipkirui (KEN) 30:19 Minuten
2. Fancy Chemutai (KEN) 30:22 Minuten
3. Diana Kipyokei (KEN) 30:23 Minuten
4. Dorcas Jepchirchir (KEN) 31:17 Minuten
5. Perine Nenkampi (KEN) 31:25 Minuten
6. Rosemary Wanjiru (KEN) 31:34 Minuten
7. Loice Chemnung (KEN) 31:50 Minuten
8. Sarah van der Wielen-Lahti (SWE) 32:23 Minuten
9. Yuka Takashima (JPN) 32:36 Minuten
10. Emilia Gorecka (GBR) 33:41 Minuten
11. Eva Vrabcova-Nyvltova (CZE) 33:57 Minuten
 
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