Amerikaner gewinnen IAAF Continental Cup 2018

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Trotz sechs Siegen bei acht Laufentscheidungen hat Afrika beim IAAF Continental Cup 2018 in Ostrava mit Abstand den letzten Platz belegt. Auch durch die Tatsache bedingt, dass zwei Athleten aus derselben Nation nicht möglich waren, ließen vor allem die zweitbesten afrikanischen Läufer in den meisten Laufdisziplinen viele Punkte liegen, so dass Europa bei den acht Laufentscheidungen nur acht Punkte weniger sammelt als der dominierende Läufer-Kontinent. In der Gesamtwertung des alle vier Jahre ausgetragenen Saisonabschlusses mussten die Europäer dem Team aus Amerika, das aus Nord- und Südamerikanern bestand, deutlich den Vortritt lassen. Zu dominant waren die Sprinter aus Übersee, aber auch die amerikanischen Läufer brachten ihren Erfolgsanteil ein.
 

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800m

Eine neuerliche Demonstration ihrer Überlegenheit gab es zum Auftakt des zweiten Wettkampftages in Ostrava von Caster Semenya. Die Südafrikanerin, die tags zuvor bereits über 400m die Schnellste war, führte die gesamten 800 Meter und das teilweise mit einem bemerkenswerten Vorsprung. In einer Superzeit von 1:54,77 Minuten, der drittschnellsten des Jahres, legte die 27-Jährige 2,5 Sekunden zwischen sich und dem Rest der Weltklasse. Diese wurde angeführt von den Amerikanerinnen Ajee Wilson (USA) und Natoya Goule (Jamaika), die beide niedrige 1:57er Zeiten erzielten. Europameisterin Nataliya Pryshchepa wurde gute Vierte, als zweite Afrikanerin hatte die äthiopische Ersatzläuferin Besu Sado keine Chance und wurde Siebte.
In einer der letzten Entscheidungen des ersten Wettkampftages mischte sich der US-amerikanische Olympia-Medaillengewinner Clayton Murphy ins afrikanische Sandwich der beiden besten 800m-Läufer der diesjährigen Saison. Den spannenden Schlussspurt gewann der Kenianer Emmanuel Korir in einer Zeit von 1:46,50 Minuten vor Murphy und Nijel Amos, die beide in einer Zeit von 1:46,77 Minuten gewertet wurden. Die Auswertung der dritten Kommastelle ergab einen Unterschied von 0,003 Sekunden zu Gunsten des Amerikaners. Andreas Kramer aus Schweden und Michal Rozmys aus Polen, bei der EM Zweiter und Vierter, belegten die Ränge vier und fünf.
 

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1.500m

In Abwesenheit von Saison-Dominator Timothy Cheruiyot feierte sein Landsmann Elijah Manangoi über 1.500m einen Favoritensieg. Der Afrikameister bestritt die entscheidende Rennphase erwartungsgemäß von vorne, doch die Europäer Jakob Ingebrigtsen und Marcin Lewandowski hefteten sich an die Fersen des Kenianers. Der amtierende Weltmeister gewann in einer glatten Zeit von 3:40 Minuten knapp vor dem Polen (3:40,42) und dem norwegischen, zweifachen Europameister (3:40,80). In Berlin hatte sich Lewandowski noch knapp hinter Ingebrigtsen einreihen müssen. Alle acht Läufer erreichten das Ziel, wobei beachtlich ist, dass der indische Asian-Games-Titelträger Jinson Johnson den US-Amerikaner Drew Hunter und Ronald Musagala aus Uganda hinter sich lassen konnte.
Für die größte Überraschung in den Laufentscheidungen des Wochenendes sorgte die Kenianerin Winny Chebet, die ein aufreizend langsames 1.500m-Rennen der Frauen in einer Zeit von 4:16,01 Minuten gewann. Dabei hätte dieser Rennverlauf eigentlich der endschnellen US-Amerikanerin Shelby Houlihan, zweitschnellste Läuferin des Jahres hinter Genzebe Dibaba, entgegenkommen müssen. Doch Houlihan, die 2018 zwei Diamond-League-Rennen gewann, musste sich mit Platz zwei vor der Marokkanerin Rababe Arafi zufrieden geben. Arafi war bei den Afrikameisterschaften hinter Chebet die Silbermedaillengewinnerin gewesen. Starke Vierte wurde Unnikrishnan Chitra aus Indien, die Europäerinnen Simone Vrzalova und Sofia Ennaoui, immerhin Silbermedaillengewinnerin bei der EM in Berlin, liefen als Sechste und Siebte hinterher.
 

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3.000m

Für die Glanzleistung aus Sicht der europäischen Läuferinnen und Läufer sorgte Sifan Hassan im 3.000m-Lauf der Frauen. Mit einem dominanten Schlussdrittel setzte sich die Holländerin früh von ihren Kontrahentinnen ab und finishte in einer Spitzenzeit von 8:27,50 Minuten. Schneller war bei einem IAAF Continental Cup oder bei der Vorgänger-Veranstaltung Weltcup noch keine Läuferin gelaufen. Wie glanzvoll dieser Auftritt in Ostrava ohne die Präsenz von Pacemakerinnen war, zeigt auch die Tatsache, dass nach vier Monaten die Weltjahresbestleistung von Caroline Kipkirui aus Doha (8:29,05) doch noch fiel. Für die 25-Jährige, die bei den Europameisterschaften Gold im 5.000m-Lauf gewann, war es wie für die zweitplatzierte Äthiopierin Senbere Teferi (8:32,49) eine persönliche Bestleistung.
Mitverantwortlich dafür, dass das Rennen so schnell wurde, war die Deutsche Konstanze Klosterhalfen, die einen starken vierten Platz in einer Zeit von 8:38,04 Minuten herauslief und fünf Punkte für Europa sicherte. Die bemerkenswerte Leistung des Youngsters demonstriert auch die Tatsache, dass sie nicht einmal zwei Sekunden hinter 5.000m-Weltmeisterin Hellen Obiri die Ziellinie überquerte. Die Kenianerin erlitt im Duell mit Hassan, die sie in Rabat und beim Diamond-League-Finale (jeweils 5.000m) noch besiegen konnte, eine deftige Niederlage. Da die IAAF in den letzten vier Runden der 3.000m- und 3.000m-Hindernisläufe ein Ausscheidungsrennen testete, bei dem der/die jeweils Letzte zum Aussteigen gezwungen war, erreichten die restlichen vier Läuferinnen das Ziel nicht, sammelten aber dennoch einige Pünktchen. Das aus Lauren Paquette (USA) und Muriel Coneo (Kolumbien) bestehende amerikanische Duo die Minimalanzahl von drei Zählern.
Bei den Männern feierte Team Americas am Sonntag dagegen einen souveränen Doppelsieg. Der US-Amerikaner Paul Chelimo absolvierte die siebeneinhalb Stadionrunden in einer Zeit von 7:57,13 Minuten gefolgt vom Kanadier Mohammed Ahmed am schnellsten und feierte einen am Ende deutlichen Sieg mit einer Habt-acht-Geste entlang der Zielgeraden. Dagegen kamen die beiden Afrikaner nicht ins Ziel, Junioren-Weltmeister Edward Zayako (5.000m) aus Kenia und Getaneh Molla aus Äthiopien fielen dem ungewohnten Wettkampfsystem genauso wie Asien-Games-Gewinner Birhanu Balew (5.000m) aus dem Bahrain zum Opfer. Besser machte es Europameister Henrik Ingebrigtsen (5.000m) und sicherte sich vor dem Australier Stewart McSweyn den dritten Platz.
 

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3.000m-Hindernislauf

Die kenianische Weltrekordhalterin Beatrice Chepkoech bestritt das Rennen als hätte sie keine Gegnerinnen. Bereits nach einer Runde des 3.000m-Hindernislaufs war sie der Konkurrenz entwischt und knallte im Alleingang einen schnellen Kilometer von unter 2:58 Minuten hin. Zu groß war der Leistungsunterschied zwischen ihr und Herausforderin Courtney Frerichs aus den USA. Chepkoech gewann schlussendlich in einem Meisterschaftsrekord von 9:07,92 Minuten mit sieben Sekunden Vorsprung auf die Vize-Weltmeisterin und Winfred Yavi aus dem Bahrain. Als Vierte kam Anna Emilie Möller aus Dänemark mit Riesenrückstand ins Ziel, im Gegensatz zu Commonwealth-Champions Aisha Praught blieb sie aber bis zum Schluss im Rennen.
Wie immer, wenn es um wichtige Rennen geht, war der Kenianer Conseslus Kipruto bei den Männern nicht zu schlagen. Dabei konnte der amtierende Afrika- und Weltmeister nichts, dass ihm die stärksten Konkurrenten abhanden gekommen sind. Evan Jager aus den USA verzichtete auch einen Start, der Marokkaner Soufiane El Bakkali stieg unterwegs aus. So war der Triumph für Diamond-League-Champion Kipruto (in Zürich mit einem Schuh) in Ostrava reine Formsache. Lange vor der Ziellinie jubelnd beendete er das Rennen nach 8:22,55 Minuten mit über sieben Sekunden Vorsprung auf den Kanadier Matthew Hughes. Beachtlich auch die Europäer: Die EM-Medaillengewinner Yohanes Chiappinelli aus Italien und Fernando Carro aus Spanien kamen auf die Plätze drei und vier.
 

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Gesamtwertung nach 37 Bewerben

1. Americas 262 Punkte
2. Europa 233 Punkte
3. Asien/Pazifik 188 Punkte
4. Afrika 142 Punkte
 

Teilwertung der acht Laufdisziplinen

1. Afrika 84 Punkte
2. Europa 76 Punkte
3. Americas 72 Punkte
4. Asien/Pazifik 54 Punkte
 
IAAF Continental Cup in Ostrava