Spannung vor Diamond-League-Finaldoppel

© IAAF Diamond League / DECA

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Für die globale Leichtathletik ist es der große Saison-Höhepunkt, für die europäische immerhin der zweitwichtigste Wettkampf der Saison nach den Europameisterschaften in Berlin. Bei den Diamond-League-Finalmeetings in Zürich und Brüssel, seit Ewigkeiten fixe Bestandteile der ersten Liga der internationalen Leichtathletik-Meetings, geht es in jeder Disziplin um eine Prämie von 50.000 US-Dollar (das entspricht ca. 43.000 Euro). Die zwölf Qualifikationsmeetings hatten schlussendlich lediglich den Zweck, sich für die Final-Meetings zu qualifizieren. Die Vorleistungen sind nun nichts mehr Wert, zum zweiten Mal nach 2017 fällt die komplette Entscheidung bei den beiden finalen Meetings. Und diese finden in diesem Jahr back-to-back binnen 24 Stunden statt. Nur wenige wagen einen verwegenen Doppelstart, darunter Sifan Hassan, die in Zürich über 5.000m beginnt und in Brüssel über 1.500m weiterläuft, und Habitam Alemu, die dem 800m-Lauf von Zürich einen 1.500m-Lauf in Brüssel anhängt. RunAustria blickt auf die acht hochkarätigen Lauf-Entscheidungen:
 

800 Meter

Die erste 800m-Entscheidung des Wochenendes findet am Donnerstag in Zürich mit einem hochklassigen besetzten Rennen der Frauen statt. Bis auf die Kenianerin Margaret Wambui, die von der in diesem Jahr starken US-Amerikanerin Raevyn Rogers ersetzt wird, sind alle sportlich Qualifizierten am Start. Trotz der hohen Qualität wäre alles andere als ein Sieg von Caster Semenya einen Sensation. Die Südafrikanerin gewann alle sechs internationalen Auftritte in dieser Saison (neben den Goldmedaillen bei den Commonwealth Games und Afrikameisterschaften auch viermal in der Diamond League) und steht vor ihrem dritten Gesamtsieg in Serie. Für einen wahrscheinlichen zweiten Platz bewirbt sich Francine Niyonsaba, die beide Diamond-League-Rennen ohne Semenya für sich entscheiden konnte und sich dreimal nur der südafrikanischen Überläuferin geschlagen geben musste. Ajee Wilson und die starke Jamaikanerin Natoya Goule suchen ihre Chance auf Podestplätze. Für die Schweizerin Selina Büchel, die vom Veranstalter von „Weltklasse Zürich“ eine Wildcard erhielt, ist dieses letzte Saisonrennen eine weitere Mammutaufgabe. Angesichts der Tatsache, dass die EM-Siebte von Berlin nun wahrlich nicht ihre beste Saison erlebt, wäre alles andere als der letzte Platz eine positive Erkenntnis. In der Liste der Saisonbestleistungen hat die 27-Jährige, die heuer die Zwei-Minuten-Marke nicht unterbieten konnte, über zwei Sekunden Rückstand auf die US-Amerikanerin Charlene Lipsey.
Tags darauf jagen auf der zweifachen Stadionrunde im König Baudewin Stadion von Brüssel alle den Weltjahresschnellsten Emmanuel Korir. Der Kenianer, der in London eine Zeit von 1:42,05 Minuten gelaufen ist, profitiert allerdings auch von der Abwesenheit von Nijel Amos, der ihn bei den Afrikameisterschaften geschlagen hat. Der Olympia-Silbermedaillengewinner von London 2012 hat sich nicht für das Finale qualifiziert. Neben Korir stehen drei weitere Kenianer exklusive Pacemaker im Feld, die alle gut für Top-Drei-Platzierungen sind. Da Europameister Adam Kszczot und 1.500m-Spezialist Elijah Manangoi, der in Zürich weilt, verzichten, sind Antoine Gakeme und Marcin Lewandowski nachgerückt. Die Kenianer am ehesten ärgern könnte der US-amerikanische Olympiamedaillengewinner von Rio, Clayton Murphy. Neben Lewandowski sind mit dem Briten Jake Wightman und dem jungen Belgier Eliott Crestan, der eine Wildcard für Lokalmatadoren erhalten hat, zwei weitere Europäer im Rennen.
 

1.500 Meter

Bereits das ganze Jahr über lautete das große Duell über die „metrische Meile“ Elijah Manangoi gegen Timothy Cheruiyot, das sollte auch im Letzigrund so sein. Manangoi, Weltmeister von London, besiegte seinen Rivalen und Trainingskollegen bei den Commonwealth Games und bei den Afrikameisterschaften, ansonsten war stets der Vize-Weltmeister vorne, der vier Rennen in der Diamond League 2018 gewann. Am ehesten in das Duell der beiden Freunde eingreifen könnten der norwegische Rekordhalter Filip Ingebrigtsen, sofern er sich von seiner Rippenverletzung bei den Europameisterschaften erholt hat, und der junge Äthiopier Samuel Tefera, der allerdings nach dem Hallen-WM-Titel und einem schnellen Saisoneröffnungsrennen in Shanghai nicht mehr all zu viel auf der Habenseite hat. Besonders bitter war, dass der 18-Jährige bei den Junioren-Weltmeisterschaften leer ausging. Der zweite Europäer im Rennen ist nach dem Verzicht von Jakub Holusa der Brite Charlie Grice, Europameister Jakob Ingebrigtsen wäre nachgerückt, hat aber offensichtlich verzichtet. Olympiasieger Matt Centrowitz hat sich nicht qualifiziert.
Die 1.500m der Frauen sind eine der pulsierenden Lauf-Disziplinen der letzten Jahre. Das merkt man auch im Brüssler Starterfeld, obwohl die WM-Dritte Caster Semenya aufgrund ihrer Verpflichtungen in Zürich (800m) und Berlin (1.000m) fehlt, Olympiasiegerin und Weltmeisterin Faith Kipyegon in Mutterschaft ist und die ehemalige Weltmeisterin Genzebe Dibaba in diesem Jahr auf die Diamond League bereitwillig verzichtet hat. Im Rennen um den Gesamtsieg in der Diamond League scheinen Sifan Hassan gegen Ende einer Traumsaison und die US-Amerikanerin Shelby Houlihan, die mit Triumphen in Eugene und Lausanne endgültig in die Weltklasse aufstieg, die besten Karten in der Hand zu halten. Hassan hatte in London über die Meile mit einem Diamond-League-Rekord ihre Bewerbung abgeschickt. Mit Gudaf Tsegay aus Äthiopien, in diesem Jahr eine von vier Läuferinnen unter 3:58 Minuten (inklusive der absenten Dibaba), Vize-Weltmeisterin Jennifer Simpson, Afrikameisterin Winny Chebet, deren Stellvertreterin Rababe Arafi, Europameisterin Laura Muir sowie den weiteren EM-Medaillengewinnerinnen Sofia Ennaoui und Laura Weightman trifft sich eine grandiose Expertise an der Startlinie.
 

3.000m-Hindernislauf der Männer

Im Finale über 3.000m mit Hindernissen der Männer in Zürich ist bis auf Europameister Mahiedine Mekhissi-Benabbad, der kein Diamond-League-Qualifikationsrennen bestritten hat, alles am Start, was Rang und Namen hat. Wie immer ist bei großen Entscheidungen der Olympiasieger, Weltmeister und Afrikameister Conseslus Kipruto zu schlagen, der heuer in Birmingham und in Rom (nicht zur Diamond-League-Qualifikation zählend) gewinnen konnte. Doch der 23-Jährige ist längst nicht in Bestform, verlor untypischerweise einige Rennen und kam bisher nicht über eine Saisonbestleistung von 8:08,40 Minuten hinaus. Daher riecht die Konkurrenz Lunte, den vierten Diamond-League-Gesamtsieg des Kenianers zu verhindern. Aussichtsreichste Anwärter sind der Marokkaner Soufiane El Bakkali, zwar Silbermedaillengewinner bei den Afrikameisterschaften, aber der erste Läufer mit einer Zeit unter acht Minuten seit vier Jahren (Monaco), der US-Amerikaner Evan Jager, in Monaco und Eugene auf dem Podest, sowie der recht unerfahrene Benjamin Kigen, der aber die meisten Qualifikations-Punkte holte – unter anderem wegen Siegen in Eugene und Rabat.
Auch bei den Frauen drückt sich die versammelte und startberechtigte Weltklasse in Brüssel die Klinke in die Hand. Haushohe Favoritin ist nach ihrem irren Weltrekordlauf natürlich Beatrice Chepkoech. Die 27-jährige Quereinsteigerin hat erst drei Diamond-League-Rennen gewonnen, zwei in dieser Saison, und steht vor dem ersten Gesamtsieg. Die wichtigste Konkurrenz kommt aus dem eigenen Lager: Junioren-Weltmeisterin Celliphine Chespol und Hyvin Kiyeng. Und natürlich die US-Amerikanerinnen Courtney Frerichs, die in Monaco einen gewaltigen nordamerikanischen Kontinentalrekord gelaufen ist, und Weltmeisterin Emma Coburn. Alle zwölf Qualifizierten haben gemeldet, einzige Europäerin im Feld ist daher die EM-Dritte Karoline Bjerkeli Grövdal. Europameisterin Gesa Krause hat keinen einzigen Punkt gesammelt.
 

5.000 Meter

Genzebe Dibaba betritt im Letzigrund die seltene Diamond-League-Bühne. Die Äthiopierin muss sich auf der Liste der Favoritinnen allerdings hinter Afrikameisterin Hellen Obiri, die die meisten Punkte in der Qualifikation gesammelt hat, und Europameisterin Sifan Hassan anstellen. Spätestens seit ihren fantastischen Europarekord in Rabat, als sie Obiri den Vortritt lassen musste, hat die Holländerin demonstriert, es auf der großen Bühne auch mit den besten Afrikanerinnen aufnehmen zu können. Aufgrund der ein oder anderen Absage ist Konstanze Klosterhalfen ins Starterfeld nachgerückt. Am Ende einer schwierigen Saison für sie darf sie sich noch einmal einer großer Herausforderung stellen.
Im 5.000m-Rennen der Männer in Brüssel fehlt mit Birhanu Balew, der wohl bei den Asian Games in Jakarta weilt, der Sieger der Qualifikation. Ihm wäre ein gutes Ergebnis zuzutrauen gewesen. So könnte der Gesamtsieger nicht nur aus Äthiopien stammen, sondern das äthiopische Land auch repräsentieren. Denn die Favoriten stammen allesamt aus dem ostafrikanischen Land: Yomif Kejelcha, Selemon Barega und Weltmeister Muktar Edris, der 2018 allerdings nie richtig in Schwung kam. Kein Europäer hat die Qualifikation geschafft, 10.000m-Vize-Europameister Bashir Abdi bekam vom Veranstalter des „Memorial van Damme“ eine Wildcard.
 
Diamond-League-Meeting in Zürich
 
Diamond-League-Meeting in Brüssel