EM 2018: Mit Rückenwind ins Heimspiel

Gesa Felicitas Krause feiert im Pekinger Olympiastadion ihre WM-Bronzemedaille. © Getty Images for IAAF)

Erstmals seit neun Jahren gehen Deutschlands Leichtathleten beim Saison-Höhepunkt vor eigenem Publikum an den Start. Neun Athletinnen und Athleten feiern eine Rückkehr ins Berliner Olympiastadion, denn sie nahmen bereits 2009 an den Weltmeisterschaften teil. Die von grandioser Stimmung, aber auch von fantastische Leistungen der Lokalmatadore geprägt war. Beste Erinnerungen hat beispielsweise Antje Möldner-Schmidt, die nach langen Verletzungsproblemen die nicht einfache, landesinterne Qualifikation für die EM 2018 im 3.000m-Hindernislauf geschafft hat. Bei der WM 2009 lief die Europameisterin von 2014 im Finale einen deutschen Rekord von 9:18,54 Minuten, der acht Jahre lang Bestand hatte, ehe ihn Gesa Krause unterbot. Für die 34-Jährige wird die EM 2018 damit eine Rückkehr an die Stätte ihres ersten großen Erfolgs.
 
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Gesa Felicitas Krause feiert im Pekinger Olympiastadion ihre WM-Bronzemedaille. © Getty Images for IAAF)
Deutsche Läufer so gut wie lange nicht

Möldner-Schmidt stellt dabei im Laufsektor die Ausnahme dar. Denn der Laufbereich ist im DLV überwiegend mit jungen Sportlerinnen und Sportler besetzt, die mit viel Vorfreude in die Hauptstadt reisen. Wie sehr die EM 2018 als Stimmungshöhepunkt geschätzt wird, zeigt auch der vergebliche Versuch von Marathonläufer Philipp Pflieger, gerichtlich einen Doppelstart einzufordern.
Mehr als der Genuss der Atmosphäre des Heimspiels stehen natürlich die sportlichen Ambitionen im Vordergund. Und die sind so hoch wie schon lange nicht mehr, weil die deutschen Top-Läuferinnen und -Läufer im internationalen Vergleich so stark wie lange nicht sind. Hauptverantwortlich dafür ist vor allen Dingen eine junge Generation von Läuferinnen, die angeführt wird von Gesa Krause. Die Hindernisläuferin hat mit einem EM-Titel und einer WM-Medaille 2015 auf internationalem Parkett bereits reüssiert. Ihren jüngeren Landsfrauen Konstanze Klosterhalfen und Alina Reh ist zukünftig ähnliches zuzutrauen. Die EM 2018 kommt für beide möglicherweise aber nicht zum optimalen Zeitpunkt: Klosterhalfen fiel wegen eines Ermüdungsbruchs monatelang aus und musste komplett auf das Laufen verzichten, Reh war im ersten Quartal 2018 gleich zweimal verletzt. Die Junioren-WM-Medaillengewinnerin von 2016 (Klosterhalfen) hat die 5.000m gewählt, die Crosslauf-Europameisterin der Altersklasse U23 (Reh), eigentlich 5.000m-Spezialistin, sieht in Berlin bessere Chancen im 10.000m-Lauf.
Auch Hanna Klein, 2017 in London überraschende WM-Finalistin im 1.500m-Lauf, und Elena Burkard, die aus ihrer Studien-Wahlheimat USA zurück ist, haben im Vorfeld gezeigt, dass sie in Berlin Spitzenleistungen abliefern könnten. Die Qualität der deutschen Läufer im internationalen Vergleich ist nicht ganz so hoch. Richard Ringer, der zu Gunsten einer optimierten Vorbereitung auf Berlin seinen Teilzeitjob unterbrochen hat und seit Jahresbeginn als Profi auftritt, hat Medaillenchancen sowohl über 5.000m als auch über 10.000m. Dank dieser Ausgangsposition reisen die deutschen Läuferinnen und Läufer mit Rückenwind zur Heim-EM. Rückenwind, den sich die deutsche Laufszene nachhaltig von der Heim-EM erwartet.
 

Abraham und Büchel Schweizer Trümpfe

Rückenwind ist das richtige Stichwort auch für die Schweizer Leichtathletik, die diesen seit der Heim-EM 2014 in Zürich spürt. Kontinuierlich zeigt die Leistungskurve der Schweizer Leichtathletik nach oben, zuletzt wurden sowohl bei Europameisterschaften der Allgemeinen Klasse als auch bei diversen Junioren- und Jugendmeisterschaften kräftig Medaillen gesammelt. Fünf waren es in Amsterdam 2016 (darunter die beiden Goldenen im Halbmarathon der Männer), vier in Tampere 2018 (darunter zweimal Bronze für Delia Sclabas). Medaillenhoffnungen gibt es für den Schweizer Laufsport in Berlin durch Halbmarathon-Europameister Tadesse Abraham im Marathon und die zweifache Hallen-Europameisterin Selina Büchel im 800m-Lauf, auch wenn deren Saison bisher nicht ideal verlief. Olympia-Finalistin Fabienne Schlumpf (3.000m-Hindernislauf) und dem Halbmarathon-WM-Achten Julien Wanders (5.000m und 10.000m) sind ebenfalls gute Leistungen zuzutrauen.
 
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