U20-WM: Gelungener Auftakt für Chespol, Tefera und Ingebrigtsen

© Getty Images for IAAF / Stephen Pond

Gleich in der Vormittagssession des ersten Wettkampftages im Rahmen der Junioren-Weltmeisterschaften in Tampere schritten einige der Laufstars auf die Laufbahn des Ratina Stadions in Tampere, das die Athletinnen und Athleten mit sonnigen Bedienungen, aber geringem Zuschauerinteresse begrüßte. Weder im 3.000m-Hindernislauf der Juniorinnen noch im 1.500m-Lauf der Junioren hatten die international bereits bekannten Stars wie Celliphine Chespol, Samuel Tefera oder Jakob Ingebrigtsen Probleme, die Finalqualifikation zu erreichen. Gut verlief der Vormittag für das deutsche Nationalteam, das die Finalqualifikationen von Lisa Oed und Lisa Vogelgesang (3.000m-Hindernislauf) sowie die Halbfinalqualifikation von Majtie Kohlberg (800m) feiern durfte. Ebenfalls im 800m-Halbfinale ist die Schweizerin Delia Sclabas dabei.
 

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Vorläufe 3.000m Hindernis Juniorinnen

Gleich im ersten Lauf des Tages startete mit Celliphine Chespol einer der großen Stars dieser Leichtathletik Junioren-Weltmeisterschaften. Die Kenianerin dominierte bei Sonnenschein, aber herausforderndem Wind den ersten Vorlauf über 3.000m mit Hindernissen – der Wassergraben ist in Tampere auf der Außenseite der Laufbahn postiert – nach Belieben. Zu Rennmitte setzte sie sich ab, zuerst gemeinsam mit der Australierin Montanna McAvoy, später als Solistin und finishte locker in einer Zeit von 9:45,60 Minuten. Mit dieser Auftaktleistung untermauerte sie ihre Favoritenstellung für den Finallauf am Freitagabend.
Der spannendste der drei Vorläufe, aus denen die jeweils drei Schnellsten plus die sechs Athleten mit den nächstschnellsten Laufzeiten ins Finale aufstiegen, war der dritte mit Lisa Oed und Sibylle Häring. Eine afrikanische Dreiergruppe mit Peruth Chemutai aus Uganda, Mercy Chepkurui aus Kenia und Etalemahu Sintayehu aus Äthiopien machte das Rennen von Beginn an schnell. Am Tag ihres 19. Geburtstags wollte Chemutai ein ordentliches Zeichen setzen. Zwei Kilometerabschnitte von 3:08,36 und 3:07,57 Minuten führten zu einer hervorragenden Endzeit von 9:34,34 Minuten – beachtlich für einen Vorlauf bei Junioren-Weltmeisterschaften. Mit dieser Demonstration hängte die Uganderin auch ihre Konkurrentinnen deutlich ab, die jedoch Platz zwei und drei verteidigen konnten – Sintyaehu sogar mit einer persönlichen Bestleistung von 9:52,92 Minuten.
Hinter der Spitzengruppe übernahm zu Rennmitte die Finnin Astrid Snäll die Tempogestaltung, um ihre Hoffnungen über die Zeitregel aufrecht zu erhalten. Lisa Oed verhielt sich taktisch geschickt, heftete sich an die Fersen der Lokalmatadorin und überholte sie zwei Runden vor Schluss. In einer Zeit von 10:07,79 Minuten schaffte die Junioren-Europameisterin mit Platz vier die Finalqualifikation über die Zeitregel genauso wie ihre Landsfrau Lisa Vogelgesang als Fünfte des ersten Vorlaufs (10:08,17). Dagegen scheiterte die Schweizerin Sibylle Häring, die eine Zeit von 10:38,85 Minuten erzielte.
Den zweiten Vorlauf bestimmten Winfred Yavi aus dem Bahrain und Agrie Belachew aus Äthiopien, als Dritte sicherte sich die US-Amerikanerin Kristlin Gear das Finalticket im Spurt mit der Australierin Brielle Erbacher, deren persönliche Bestleistung von 10:09,43 Minuten auch für das Finale reichte. Von den neun nicht in Afrika geborenen Finalistinnen überzeugte am stärksten die Australierin Montanna McAvoy im ersten Vorlauf, die zu einer persönlichen Bestleistung von 9:59,67 Minuten stürmte. Tragische Helden war die Finnin Snäll, deren persönliche Bestleistung von 9:12,67 Minuten das Aus bedeutete. Als Letzte schaffte die Kanadierin Grace Fetherstonhaugh in 10:09,60 Minuten den Finaleinzug.
 

Vorläufe 1.500m der Junioren

Die drei Vorläufe der Junioren über 1.500m, bei denen jeweils drei garantierte Finalplätze verteilt wurden, begannen mit einem hochspannenden Duell. Europas Laufjuwel Jakob Ingebrigtsen forderte den kenianischen Jugend-Weltmeister George Manangoi und es war dem Skandinavier anzusehen, dass er dieses Rennen unbedingt gewinnen wollte. Über eine Rennhälfte lang hielt sich der 17-Jährige an letzter Stelle auf, dann überholte er das gesamte Feld und übernahm 600 Meter vor dem Ziel das Kommando. Der Kenianer war bis dahin immer in der Spitze gelaufen und nahm die Verfolgung auf. Mehrfach blickte Ingebrigtsen auf der Zielgerade innen laufend nach rechts und sicherte sich in einer Zeit von 3:51,34 Minuten den Sieg knapp vor Manangoi (3:51,40). Als Dritter schaffte der Algerier Oussama Cherrad den Aufstieg, während Jonathan Schmid aus Deutschland als Zehnter dieses Laufs chancenlos war.
Die beiden weiteren Vorläufe hatten jeweils nur einen großen Favoriten, dafür war die Renngestaltung deutlich schneller. Hallen-Weltmeister Samuel Tefera (wohlgemerkt in der Allgemeinen Klasse) kontrollierte den dritten Vorlauf in einer Siegerzeit von 3:44,48 Minuten locker, der Serbe Elzan Bibic und der Brite Jake Heyward überquerten in seinem Rücken die Ziellinie. Bibic erfreute sich über eine persönliche Bestleistung von 3:44,68 Minuten. Chancenlos blieb auch der zweite Deutsche Maximilian Sluka, der als Neunter die Ziellinie kreuzte.
Unmittelbar davor gewann der Kenianer Justus Soget den zweiten Vorlauf in einer Zeit von 3:44,70 Minuten. Der Äthiopier Birhanu Sorsa, der zu Beginn des finalen Umlaufs forciert hatte, und der US-Amerikaner Cooper Teare, der die schnellste Endgeschwindigkeit erreichte, folgten ins Finale. Die drei Plätze über die Zeitregel sicherten sich der Holländer Robin van Riel und der Norweger Sondre Juven aus dem zweiten sowie Callum Davis aus Australien mit einer persönlichen Bestleistung von 3:46,32 Minuten aus dem dritten Vorlauf. Sie waren unter den zwölf glücklichen Athleten, die dieses harte Ausleseverfahren überstanden. Das Feld wurde von 38 Läufern auf zwölf Finalisten reduziert, die am Donnerstagabend um die Medaillen kämpfen werden. Eine besondere Stellung im Teilnehmerfeld nahm der Australier Jaryd Clifford ein, im vergangenen Jahr Medaillengewinner bei der Para-WM in London. Der 19-Jährige ist sehbehindert, hatte sich aber sportlich für die Junioren-WM qualifiziert. Seine Zeit von 3:47,77 Minuten, mit der er den Finaleinzug nur knapp verpasste, ist äußerst bemerkenswert.
 

Vorläufe 800m der Juniorinnen

Eine etwas leichtere Aufgabe stellte sich den 39 Teilnehmerinnen in den Vorläufen über 800m der Juniorinnen in den Weg. In fünf Vorläufen wurden jeweils vier Fix-Tickets für das morgige Halbfinale vergeben, vier weitere Athletinnen bekamen die Chance, sich über die Zeitregel zu qualifizieren. Diese Aufgabenstellung wurde für die Schweizerin Delia Sclabas überraschend zur großen Herausforderung. Die 17-Jährige war gut in den letzten Vorlauf gestartet, doch der Mittelteil des Rennens misslang vollends. Erst kam sie nach einer nach einer Berührung mit Shaquena Foote aus Jamaika nach 300 Metern leicht ins Straucheln. Dann war sie anfangs der zweiten Runde auf der Innenbahn eingeklemmt, nach einem weiteren Strauchler verlor die Schweizerin einige Positionen, bis sie sich am Ende der Gruppe widerfand. Die talentierte Sclabas rettete ihr Rennen mit einem guten Endspurt auf Bahn drei, der sie auf Wunschposition vier führte. Dieser vierte Platz in einer Zeit von 2:07,43 Minuten wäre allerdings nicht zwingend notwendig gewesen, da der letzte Vorlauf in seiner Kompaktheit der schnellste war und daher die hinter Sclabas platzierten Shaquena Foote, Marharyta Kachanava und Jo Keane über die Zeitregel ebenfalls ins Halbfinale aufstiegen.
Einen sicheren vierten Platz lief die Deutsche Majtie Kohlberg im vierten Vorlauf heraus. Sie führte das Feld lange Zeit an und kontrollierte das Finale auf der Innenbahn. Die schnellste Siegerzeit erzielte die Japanerin Ayaka Kawata im dritten Vorlauf in einer Zeit von 2:05,08 Minuten, mit der sie Lydia Lagat aus Kenia auf den zweiten Platz verwies. Carolina Hernadez-Pita aus der Schweiz konnte das flinke Tempo nicht mitgehen und schied mit einer Zeit von 2:11,52 Minuten klar aus. Auch die zweitschnellste Vorlaufzeit gehörte einer Japanerin. Ayano Shiomi gewann den ersten Vorlauf in 2:05,13 Minuten vor Jackline Wambui aus Kenia und Titelverteidigerin Samantha Watson, die gerade in der Schlussphase keinen überzeugenden Eindruck hinterließ.
 
Redaktionelle Mitarbeit: René van Zee
 
IAAF Junioren-Weltmeisterschaften 2018 in Tampere