ÖLV mit starkem Auftritt bei U18-EM in Györ

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Zahlreiche beachtliche sportliche Leistungen waren die Höhepunkte der viertätigen Jugend-Europameisterschaften im ungarischen Györ. Die kontinentalen Titelkämpfe der Altersklasse U18 waren die erst zweiten ihrer Art und fanden in einem kleinen, aber feinen Stadion statt. Österreichs Leichtathletik-Nachwuchs ergab sich eine hervorragende Bühne, sein Können auf internationalem Parkett zu präsentieren. Ein riesiges Team mit 32 Athleten hatte sich für die U18-Europameisterschaften qualifiziert und damit den Aufwind der österreichischen Leichtathletik im Jugend- und Juniorenbereich eindrucksvoll skizziert.
 

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Die Leistungen vor Ort waren unterschiedlich. Während drei Bronzemedaillen durch Chiara-Belinda Schuler (TS Hörbranz) im Siebenkampf, der österreichischen Parade-Disziplin der Gegenwart, Lena Pressler (Union St. Pölten) im 400m-Hürdensprint und Johanna Plank (TGW Zehnkampf Union) im 100m-Hüdensprint genauso wie fünf weitere Top-Ten-Plätze die Klasse der österreichischen Leichtathletik in dieser Altersklasse klar demonstrieren, wurden einige Teammitglieder vom hohen internationalem Niveau überrascht und konnten ihre Leistungskapazität nicht im vollen Umfang abrufen. Trotz des sechsten Platzes von Carina Reicht (run2gether) im 3.000m-Lauf der Mädchen und der knapp verpassten Finalteilnahme von Paul Seyringer (SU IGLA long life) im 800m-Lauf der Burschen wurde den Läuferinnen und Läufern in Györ klar, dass auf europäischer Bühne ein anderer Wind weht als bei nationalen Wettkämpfen. Etwas ungeschickte aber ehrliche Aussagen wie jene von Lotte Luise Seiler, die das Laufen im Pulk als ungewohnt unangenehm empfand, sind Indizien dafür.
 

ÖLV im Placing Table im europäischen Mittelfeld

Das Fazit von ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis fiel überwiegend positiv aus: „Unsere Jugendlichen zeigten nahezu alle ansprechende Leistungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten und rechtfertigen ihre Entsendung. Ich hoffe, dass für viele diese Meisterschaften der Startschuss für ihre internationale Karriere darstellt und nicht deren Schlusspunkt.“ Statistisch gesehen ist das ÖLV-Abschneiden in Györ durchaus erfolgreich: Mit den Rängen 23 im Medaillenspiegel (unter 29 klassierten) und Rang 18 im Placing Table (unter 35 klassierten) liegt Österreich bei diesen Titelkämpfen etwas besser da als bei vergleichbaren Wertungen von kontinentalen Leichtathletik-Wettkämpfen der Erwachsenen. Und ebenfalls leicht verbessert im Vergleich zu vor zwei Jahren, als der ÖLV ebenfalls mit drei Medaillen nach Hause gereist ist, im Placing Table aber zwei Punkte weniger gesammelt hat.
 

Carina Reicht hielt sich im Finale über 3.000m sehr gut und belohnte sich mit Platz sechs. © ÖLV / Coen Schilderman
Top-Resultat durch Carina Reicht

Der sechste Platz von Reicht im 3.000m-Lauf der Mädchen war das herausragende Laufresultat des ÖLV-Teams. Die 17-jährige Steirerin agierte auf ihrem Maximum und erzielte in einer Zeit von 9:35,66 Minuten eine persönliche Bestleistung. Statistisch macht auch der neunte Platz von Paul Seyringer im Halbfinale über 800m einen guten Eindruck, allerdings kam das knappe Ausscheiden etwas unkonventionell zustande. Der Oberösterreicher entschied sich für die Flucht nach vorne und einen Sololauf. Damit nahm er sich die Möglichkeit auf einen Top-3-Platz im eigenen Lauf und verpasste die Hürde für eine Finalqualifikation über die Zeitregel knapp.
Die weiteren ÖLV-Läuferinnen und Läufer in Györ – Anna Baumgartner (SU IGLA long life) war nicht am Start – waren nicht mit der Ambition von Spitzenresultaten oder Finalqualifikationen angereist, blieben teilweise auch ihren persönlichen Bestleistungen fern. Morgan Schusser (LAC Klagenfurt) belegte in den Vorläufen über 800m und 1.500m jeweils den 21. Platz, Anna-Sophie Meusburger (im Wald läuft’s) war in den Vorläufen über 1.500m chancenlose 17., Sebastian Frey (DSG Wien) landete im 1.500m-Vorlauf der Burschen als 27. ebenso im Hinterfeld wie Lotte Luise Seiler im 2.000m-Hindernislauf (KSV alutechnik, 30. im Vorlauf) und Laura Ripfel über 800m (ULC Weinland, 39. im Vorlauf). Die Erfahrungen und Lehren aus den Wettkämpfen im Györ sind von unschätzbarem Wert für die zukünftige Entwicklung der jungen österreichischen Leichtathleten auf dem Weg zu den Junioren-Europameisterschaften 2019, die im schwedischen Boras stattfinden werden.
 
Alle RunAustria-Berichte über die Laufentscheidungen finden Sie unter Kurzmeldungen
 

Paul Seyringer ging im Halbfinale über 800m volles Risiko. © ÖLV / Coen Schilderman
Läufer von den britischen Inseln dominieren

In der neuen Generation europäischer Läuferinnen und Läufer liegen die Athleten von den britischen Inseln klar in der Pole-Position. Keely Hodgkinson und der schnellste 16-jährige 800m-Läufer der europäischen Leichtathletik-Geschichte Max Burgin (beide 800m), Kane Elliott (1.500m) sowie Thomas Keen (3.000m) gewannen gleich vier Lauf-Goldmedaillen für das britische Team – allesamt Favoritensiege. Dazu kam die Silbermedaille von Emily Williams im 1.500m-Lauf der Mädchen. Großbritannien gewann auch dank der Erfolge der Läuferinnen und Läufer wie schon vor zwei Jahren bei der Premieren-Ausgabe in Tiflis den Medaillenspiegel, während man im Placing Table Deutschland den Vortritt lassen musste.
Herausragend waren auch die beiden Auftritte der Irin Sarah Healy, die bereits im Vorfeld als der neue europäische Laufstar angepriesen wurde. Die 17-Jährige dominierte sowohl den 1.500m-Lauf als auch den 3.000m-Lauf, um zwei Goldmedaillen mit nach Hause zu nehmen. Ihre Landsfrau Sophie O’Sullivan legte eine Silberne über 800m oben drauf. Die 16-Jährige trägt als Tochter der irischen Lauflegende Sonia O’Sullivan einen berühmten Leichtathletik-Namen auf ihren Schultern. Die beiden verbliebenen Goldmedaillen in den Laufdisziplinen staubten die französischen Hindernisläufer und Lena Lebrun Baptiste Guyon ab. Die einzige Lauf-Medaille für den deutschen Sprachraum ging mit Bronze im 2.000m-Hindernislauf der Mädchen an die Deutsche Paula Schneiders.
 

Medaillenspiegel der U18-EM 2018

1. Großbritannien 6x Gold, 2x Silber, 1x Bronze (= 9 Medaillen)
2. Italien 4x Gold, 4x Silber, 1x Bronze (= 9 Medaillen)
3. Deutschland 4x Gold, 2x Silber, 1x Bronze (= 7 Medaillen)
4. Weißrussland 4x Gold, 1x Bronze (= 5 Medaillen)
5. Frankreich 3x Gold, 6x Silber, 3x Bronze (= 12 Medaillen)
6. Spanien 3x Gold, 2x Silber (= 5 Medaillen)
7. Irland 3x Gold, 1x Silber (= 4 Medaillen
7. Ukraine 3x Gold, 1x Silber (= 4 Medaillen)
9. Norwegen 2x Gold, 1x Silber, 1x Bronze (=4 Medaillen)
10. Türkei 1x Gold, 4x Silber, 2x Bronze (= 7 Medaillen)

21. Schweiz 1x Silber, 1x Bronze (= 2 Medaillen)
23. Österreich 3x Bronze (= 3 Medaillen)
 

Placing Table der U18-EM 2018 (Top-acht-Platzierungen nach Punktesystem)

1. Deutschland 122 Punkte
2. Großbritannien 107 Punkte
3. Italien 106 Punkte
4. Frankreich 105 Punkte
5. Spanien 85 Punkte
6. Türkei 84 Punkte
7. Weißrussland 68 Punkte
8. Niederlande 60,5 Punkte
9. Polen 58 Punkte
10. Ungarn 52 Punkte

18. Österreich 25 Punkte
20. Schweiz 19 Punkte
 

Medaillenspiegel der U18-EM 2018 (nur die acht Laufentscheidungen berücksichtigend)

1. Großbritannien 4x Gold, 1x Silber (= 5 Medaillen)
2. Frankreich 2x Gold, 1x Silber, 1x Bronze (= 4 Medaillen)
3. Irland 2x Gold, 1x Silber (= 3 Medaillen)
4. Spanien 2x Silber
4. Türkei 2x Silber
6. Ungarn 1x Silber
7. Portugal 1x Bronze
8. Schweden, Slowakei, Polen, Niederlande, Deutschland (alle 1x Bronze)
 
Jugend-Europameisterschaften 2018 in Györ