Fantastische Teilzeiten

Geoffrey Kamworor bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften 2018 in Valencia. © IAAF / Jean Pierre Durand

Es sind vorwiegend die Weltrekordläufe, die sich in erinnerungsstarke Momente verwandeln und legendäre Teilzeiten basieren. So wie der perfekte Lauf von David Rudisha bei den Olympischen Spielen von London, als er die beiden Runden auf dem 800 Meter langen Weg von Start bis zum Ziel in 1:40,91 Minuten benötigte. Er teilte seine beiden Runden in Teilzeiten von 49,28 und 51,63 Sekunden auf. Dennis Kimetto lief beim Berlin Marathon 2014 einen unglaublichen negativen Split: Auf die erste Marathon-Hälfte von 1:01:45 Stunden folgte eine zweite in berauschenden 1:01:12 Stunden und führte zum seither unerreichten Weltrekord von 2:02:57 Stunden. Völlig verrückt war die Teilzeit zwischen Kilometer 30 und Kilometer 35, den Kimetto in einer Zeit von 14:09 Minuten absolvierte.
Noch deutlich länger steht der Weltrekord bei den Frauen: Paula Radcliffe lief 2003 in London eine sensationelle zweite Marathon-Hälfte von 1:07:32 Stunden, nachdem sie in 1:08:02 Stunden eröffnet hatte. Zur Erinnerung: Damals stand der Halbmarathon-Weltrekord bei 1:06:44 Stunden, also gerade einmal 48 Sekunden schneller ohne einen Halbmarathon direkt in den Knochen, heute bei 1:04:51 Stunden. Um ein weiteres Beispiel von der Bahn zu nennen, sei an den Olympiasieg im 10.000m-Lauf von Almaz Ayana in Rio de Janeiro erinnert. 29:17,45 Minuten lang brauchte sie für die 25 Umläufe im Stadion, womit sie einen Weltrekord aus der Zeit der chinesischen Doping-Hochblüte um 14 Sekunden verbesserte. Die zweite 5.000m-Teilzeit im Rennen von 14:31 Minuten hätte einen Olympischen Rekord im 5.000m-Lauf bedeutet und liegt nicht einmal 20 Sekunden über dem 5.000m-Weltrekord. Gewaltig war auch das Finale von Genzebe Dibaba bei ihrem 1.500m-Weltrekordlauf in Monaco 2015 – 2:01,97 Minuten für die letzten 800 Meter.
 

Ein irres Finale führte Geoffrey Kamworor zum WM-Titel im Halbmarathon. © IAAF / Jean Pierre Durand
Teilzeiten zum Verblüffen

In den letzten drei Jahren gab es im Laufbereich abgesehen vom Halbmarathon der Frauen und die beschriebenen Fabel-Weltrekorde von Ayana und Dibaba nur einen Weltrekordlauf, nämlich jenen der mittlerweile wegen Dopings suspendierten Ruth Jebet im 3.000m-Hindernislauf in Paris 2016. Zahlreiche ewige Bestleistungen stammen sogar aus dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts oder aus dem alten Jahrtausend. Weltrekordverdächtige Teilzeiten, die zum Verblüffen anregten, gab es jedoch auch in jüngster Zeit, mitunter in diesem Jahr.
 

Schlussspurt in Valencia

Spektakulär war der finale 5km-Split von Geoffrey Kamworor bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Valencia. Kamworor vergoldete sein Rennen, indem er die letzten fünf Kilometer in einer unglaublichen Teilzeit von 13:01 Minuten absolvierte. Diese war weit Aufsehen erregender als die Siegerzeit von 1:00:02 Stunden. Zum Vergleich: Die persönliche Bestleistung des 25-Jährigen über 5.000m auf der Bahn (wo man ja bekanntlich schneller läuft als auf der Straße) liegt bei einer Zeit von 12:59,98 Minuten, womit er die Nummer 93 der ewigen Bestenliste der IAAF ist.
 

Keitanys Versuch scheitert

Um den Weltrekord von Paula Radcliffe zu verbessern, schmiedete Mary Keitany beim diesjährigen London Marathon einen verwegenen Plan. Nach einer Zeit von 1:07:16 Stunden überquerte die Kenianerin die Zwischenzeit beim Halbmarathon – zu schnell für die hohen Temperaturen. Keitany brach auf der zweiten Hälfte ein. Noch irrer war die Halbmarathon-Teilzeit von 1:06:54 Stunden ein Jahr zuvor, die Keitany immerhin zu einem Weltrekord für reine Frauen-Rennen und einem Afrikarekord im Marathon von 2:17:01 Stunden führte.
Einen unfassbaren Split legte auch eine Landsfrau Keitanys 2017 beim Boston Marathon hin. Den vierten Zehn-Kilometer-Abschnitt auf der auch an dieser Stelle anspruchsvollen Strecke des Klassikers legte die zweifache Weltmeisterin in einer Zeit von 32:03 Minuten hin – weniger als eine Minute über ihrer 10km-Bestzeit. In diesem Bereich konnte keine Konkurrentin folgen, der klare Sieg war die logische Folge. Beim New York City Marathon 2013 erzielte Siegerin Priscah Jeptoo eine unglaubliche Teilzeit von 1:09:07 Stunden auf dem zweiten Halbmarathon mit den schwierigen Streckenpassagen im Central Park.
 

Grandioses Olympia-Finale im Marathon

Rennen mit Meisterschaftscharakter sind prädestiniert für schnelle Schlussphasen und unfassbare Teilzeiten. Eliud Kipchoge dominierte das letzte drittel des Olympischen Marathons in Rio de Janeiro bei strömendem Regen in einer eindrucksvollen Art und Weise. 35:29 Minuten benötigte der Kenianer von Kilometer 30 bis ins Ziel. Dabei lief er einen Vorsprung von 70 Sekunden auf den zweitplatzierten Äthiopier Feyisa Lilesa heraus. Der Fünf-Kilometer-Abschnitt zwischen 30 und 35 brachten eine Zwischenzeit von 14:25 Minuten, der folgende eine von 14:44 Minuten mit einem Finale von 6:20 Minuten.
 

Zahlreiche Daten bei der Hallen-WM

Teilzeiten sind essentiell für eine umfangreiche Analyse von Rennen. Aufgrund zunehmender Bestrebungen des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) wird es in Zukunft noch genauere Zwischenzeiten zur detaillierten Analyse geben. Spannende Daten lieferten etwa die bei der Hallen-WM 2018 eingesetzten Transponder. So finishte Silbermedaillengewinnerin Sifan Hassan den 3.000m-Lauf mit einer 1.500m-Teilzeit von 4:03,12 Minuten. Doppel-Weltmeisterin Genzebe Dibaba absolvierte die letzten 800m im 1.500m-Finale in unter zwei Minuten (1:59,82). Yomif Kejelcha benötigte für die letzten 800 Meter seines 3.000m-Laufs eine Teilzeit von 1:52,90 Minuten.