Besser im Wettkampf dank „emotionaler Intelligenz“

© Salzburg Marathon / Bryan Reinhart

Das Rennen wird im Kopf entschieden! Diese aus dem Spitzensport sehr bekannte Aussage ist genauso eine Weisheit wie jene Erklärung eines Marathonläufers, der das Durchhalten im letzten Dritteln zur mentalen Angelegenheit erklärt. Keine Frage: Grundvoraussetzung für das Erreichen sportlicher Ziele ist immer die entsprechende physische Voraussetzung. Ebenso zweifelsohne spielt die mentale Komponente eine essentielle Rolle und die Harmonie dieser beiden Zutaten entscheidet maßgeblich darüber, ob sich die individuellen Zielsetzungen erreichen lassen oder nicht.
 

© Salzburg Marathon / Bryan Reinhart
„Emotionale Intelligenz“ lässt Ziele realisieren

Eine italienische Studie behauptet, dass die Leistung in einem Rennen vom emotionalen „Mind-Set“ abhängig ist. Sie verwenden die Bezeichnung „emotionale Intelligenz“. Greifen die mentalen Waffen, sind in einem Halbmarathon einige Minuten Zeitersparnis drin. Anders formuliert: Die ideale mentale Komposition kann zu einer ähnlichen individuellen Leistungssteigerung führen wie hartes Training.
 

Emotionen als Indikator für Leistung

Die Studie der italienischen Forscher stützt sich auf die mittels Umfrage eingesammelten Antworten von 237 Halbmarathonläuferinnen und -läufern, die den Halbmarathon Romeo&Giulietta in Verona absolviert haben. 30 Fragen mussten die Probanden im Vorfeld des Rennens beantworten. Nach dem Wettkampf verglichen die Forscher die Daten mit den tatsächlich erzielten Resultaten. Sie kamen zur Erkenntnis, dass nicht der Trainingsumfang oder die Wettkampferfahrung der treffendste Indikator für die erzielte Laufzeit war, sondern emotionale Gedanken und Emotionen. Je positiver diese, desto besser war die Leistung im Vergleich zur angegebenen Zielzeit. Negative Emotionen während des Rennens lassen dagegen die Anstrengung deutlicher spüren.
 

Emotionen sind beeinflussbar

Emotionen lassen sich bis zu einem bestimmten Grad steuern und sind abhängig von der Tagesverfassung. In einem Interview mit dem Laufmagazin RunUp (Ausgabe 2017/01) traf der erfahrene Sportpsychologie Günther Amesberger vom ULSZ Rif in Salzburg folgende Einschätzung: „Manche Sportler sind der tiefen Überzeugung, wenn sie einen schlechten Tag haben, dass sie das psychisch nicht beeinflussen können. Ich glaube, man kann einiges wettmachen, aber sicher nicht alles. Einen Top-Tag aus dieser Ausgangssituation zu machen, ist sehr schwierig.“
 

Im Marathon Erfahrung bedeutender

Ob diese Erkenntnis auch auf andere Laufdistanzen übertragbar sind, bezweifeln die Experten. Der leitende Autor der skizzierten Studie, Enrico Rubaltelli, Professor am Institut für kognitive Psychologie der Universität in Padua, wird in einem Bericht auf Runner’s World wie folgt zitiert: „Ich würde erwarten, dass im Marathon das Training eine wesentlich größere Rolle spielt.“ Er begründet dies darin, dass die Laufzeit bei einem Marathon wesentlich länger ist und damit die Zeitspanne, wo mentale wie körperliche Ermüdung eintreten, in Relation zur Ziellinie deutlich früher eintreten als im Halbmarathon und damit positive Emotionen viel länger und intensiver gefragt sind.
Rubaltelli, der mit seinen Kollegen in Padua ein Sportpsychologie-Forschungslabor eröffnet hat, das auch Freizeitsportler nutzen können, plant eine ähnliche Forschung unter Marathonläufern in Zukunft, um seine These zu überprüfen.