Antrag auf Gefängnisstrafe für Jama Aden

© SIP / photocase

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Knapp zwei Jahre ist die Razzia in einem Hotel im spanischen Sabadell nun her, als spanische Anti-Doping-Ermittler das Trainingslager von Jama Aden und seinen Athletinnen und Athleten, zu denen auch die äthiopische Weltklasseläuferin Genzebe Dibaba zählt, unter die Lupe nahmen. Aden und sein vertrauter Physiotherapeut Ouard Mounir wurden in Gewahrsam genommen, jedoch Tage später wieder frei gelassen. Trotz kolportierter Funde – EPO-Mittel und einsatzbereite Spritzen – standen die Ermittungsergebnisse bisher aus. Ehe der Eindruck der Versandung entstand, kommt nun laut spanischen Medienberichten Bewegung in den Fall. Wie die spanische Zeitung „El Pais“ Anfang der Woche in seiner katalanischen Online-Ausgabe berichtet, hat die spanische Justiz einen Antrag auf eine viereinhalbjährige Gefängnisstrafe für Jama Aden gestellt. Diese Forderung ist die höchste Strafforderung, die in Spanien jemals in einem Dopingfall gestellt wurde. Strafverfahren und Urteil sind noch ausständig.
 

Athleten nicht in Verantwortung

Laut einem Dokument, das „El Pais“ vorliegt, wirft die Staatsanwaltschaft Jama Aden nicht nur den Besitz und mutmaßlichen Einsatz in Spanien verbotener Medikamente vor, sondern durch den Einsatz dieser Substanzen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Sportler auch bewusst die Gesundheit seiner Athleten aufs Spiel gesetzt zu haben. Interessanterweise nimmt die spanische Staatsanwalt die Athleten nicht in die Verantwortung und argumentiert, dass Aden und Mounir ihre „Überlegenheit“ und ihren „Einfluss“ genutzt hätten, um Dopingmittel zu verabreichen. Diese Aussage aus dem Dokument ist insofern bemerkenswert, da keine positive Dopingprobe bekannt ist. Obwohl bei der Razzia damals wohl alle Athleten direkt zur Dopingkontrolle gebeten wurden.
 

Leistungssteigerung und Gesundheitsrisiko

Besonders interessant sind auch einige der Substanzen, die die spanischen Ermittler bei der Razzia gefunden haben. Ein langlebiges EPO-Produkt namens „Aranesp“, dem die Staatsanwalt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko zuschreibt. Es könnte Lungenembolien und verschiedene Arten von Thrombosen hervorrufen. Oder ein Kortikoid namens „Depo-Medrol“, welches injiziert oder oral verabreicht ein Gefühl der Euphorie erzeugt und muskuläres Schmerzempfinden hemmt, wodurch Athleten einen längeren Zeitraum maximale Anstrengungen unternehmen können.
 

Einer der bekanntesten Trainer im Laufsport

Jama Aden ist einer der bekanntesten Leichtathletik-Trainer der Welt. Der 55-Jährige stammt aus Somalia, lebt hauptsächlich im Katar und schlug bis 2016 regelmäßig das Trainingscamp seiner Athleten im katalanischen Sabadell nahe Barcelona auf. Seither reist er laut „El Pais“ gemäß einer Forderung der spanischen Justiz zu Kontrollzwecken regelmäßig nach Spanien. Der letzte große sportliche Höhepunkt für Aden war der WM-Titel seines Star-Schützlings Genzebe Dibaba im Jahr 2015 und der phänomenale Weltrekordlauf über 1.500m kurz davor in Monaco. Auch Superstar Mo Farah wird regelmäßiger Kontakt zu Aden in den letzten Jahren nachgesagt, was der Brite aber stets bestritten hat.
 
Quelle: El Pais

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