Leistungsverlust bei Inaktivität

© SIP / Johannes Langer

Ein zu viel Zeit fressender Alltag, stressiger Beruf, ein kalter Winter, Krankheit, Verletzung oder schlichtweg ein Motivationsloch. Es gibt zahlreiche Gründe, die zu einer Laufpause führen können. Beim Wiedereinstieg ist die Erkenntnis des Verlusts der Leistungsfähigkeit meist ein deprimierender Dämpfer. Denn der Körper gehört regelmäßig trainiert wie eine geölte Maschine, ansonsten „vergisst“ er die Leistungskapazität, die er sich einst bereits angeeignet hatte. Bei langfristiger Inaktivität bildet sich die Muskulatur zurück, da sich nicht ausreichend gefordert wird. Neben den Muskeln kommt auch dem Herz-Kreislauf-System eine große Bedeutung zu, welches die Leistungsfähigkeit mitdefiniert.
 

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Verlust der Leistungsfähigkeit

Eine im Frühling 2018 im Fachmagazin „Journal of Applied Physiology“ veröffentlichte Studie an Marathonläufern liefert Zahlen für den Verlust von Leistungsfähigkeit in einer sportlich inaktiven Periode. Wissenschaftler der Harvard University in Boston und der St. Mary University in London versammelten 21 Freiwillige, die nach einer erfolgreichen Teilnahme am Boston Marathon 2016 bereitwillig acht Wochen lang gänzlich auf Sport verzichteten. Mindest-Bewegung war zwei Stunden pro Woche, dabei durfte eine einzelne Einheit keine Stunde dauern. Die Forscher begleiteten die Probanden mit kardiovaskulären Kontrolluntersuchungen zwei Wochen vor dem Boston Marathon (am Höhepunkt des Trainings), vier und acht Wochen nach dem Marathon und analysierten einen kontinuierlichen Leistungsverlust. Sie vermerkten allerdings, dass der Verlust durch die geringe Akitivität nicht so drastisch ausfiel, wie er es bei kompletter Ruhe tun würde.
 

Kein Verlust der maximalen Sauerstoffaufnahme

Bereits vier Wochen nach dem Marathon stellten die Forscher einen signifikanten Rückgang des Blutvolumens und des Plasmavolumens fest, auch das Herzvolumen nahm ab. In den zweiten vier Wochen stellten die Forscher geringere Veränderungen fest. Andererseits veränderte sich die maximale Sauerstoffaufnahme VO2max, ein wichtiger Indikator für Leistungsfähigkeit, trotz der achtwöchigen Ruheperiode kam – genauso wenig wie die Anzahl der roten Blutkörperchen, deren biologische Lebensdauer rund 3,5 Monate beträgt.
 

Leichte Aktivität als beste Regeneration

Der kaum nennenswerte Abbau des VO2max-Werts und der Anzahl der roten Blutkörperchen demonstriert aber, dass der Körper die Kompetenz hat, trotz einer achtwöchigen Inaktivität in kurzer Zeit das davor angeeignete Niveau wieder erreichen zu können. Allerdings gilt es zu beachten, dass diese Studie einzig das Herz-Kreislauf-System betreffende Daten untersucht und alle anderen körperlichen Komponenten außer Acht gelassen hat. Die Forscher kamen zur Erkenntnis, dass – wie in der Studie durchgeführt – eine ganz leichte Aktivität nach einer großen Belastung die ideale Regeneration ist.