WADA-Report 2016 – die Zahlen

Die Welt Anti Doping Agentur (WADA) hat vor wenigen Wochen den ausführlichen Bericht über die weltweiten Aktivitäten im Kampf gegen Doping im Sport veröffentlicht. In der Öffentlichkeit bekam dieser Bericht wenig Platz, dabei offeriert er durchaus interessante Zahlen, die Raum für Analysen und Interpretationen lassen.
 

229.514 Dopingproben wurde im Kalenderjahr 2016 gesammelt!

Von diesen 229.514 Proben lieferten 3.032 ein positives Ergebnis. Diese führten zu 1.326 analytisch festgestellten, Vergehen gegen die internationalen Anti-Doping-Regeln und folglich zu Sanktionen. Dazu kommen 269 nicht analytisch festgestellte Vergehen, die ebenfalls Sanktionen nach sich zogen. Bei 561 positiven Dopingproben erfolgten keine Sanktionen, darunter fallen auch alle Meldonium-Fälle, bei denen die WADA retrospektiv von Sanktionen absah. Recht hoch ist mit 666 die Anzahl der knapp eineinhalb Jahre später immer noch offenen, endgültigen Ergebnisse von positiven Befunden.
 

Die In-Competition-Dopingproben sind nach wie vor in der Überzahl!

Der beträchtliche Teil der 1.326 sanktionierten Dopingproben wurden im Rahmen eines Wettkampfs durchgeführt – nämlich 1.046. Dementsprechend fallen 296 Dopingfälle auf Trainingskontrollen (so genannte Out-of-Competition Tests) zurück. Die zu langsame Steigerung der Trainingskontrollen ist seit Jahren ein Hauptkritikpunkt der Dopingjäger.
Weiterhin interessant: die 1.326 sanktionierten Vergehen gegen das internationale Anti-Doping-Gesetz verteilen sich auf sage und schreibe 109 Sportarten bzw. Disziplinen und 113 Nationen.
 

Nur 303 Dopingproben wurden von Nationalen Olympischen Komitees durchgeführt!

Diese geringe Zahl ist überraschend, da es sich beim Jahr 2016 um ein Olympisches mit den Spielen in Rio gehandelt hat. Am fleißigsten im Kampf gegen Doping waren die nationalen Anti-Doping-Agenturen, die 144.626 der 229.514 Proben durchführten, gefolgt vom Zusammenschluss der internationalen Verbände der olympischen Sommersportarten (ASOIF), zu dem auch der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) gehört. Sie führten 38.696 Kontrollen durch.
 

Die IAAF mit zweitmeisten Kontrollen aller internationaler Sportverbände!

Der Leichtathletik-Weltverband gehört zweifelsohne zu den Verbands-Giganten im internationalen Sport und umfasst mehr Nationen als alle anderen Assoziationen und Organisationen – innerhalb und außerhalb des Sports. Diese Stellung verteidigt die IAAF auch im Kampf gegen Doping. 6.712 Dopingkontrollen wurden 2016 direkt von der IAAF durchgeführt. Deutlich fleißiger war nur der Radsport-Weltverband (UCI) mit 9.386 Kontrollen, Platz drei geht an den internationalen Schwimm-Verband (FINA) mit 4.447 Kontrollen.
 

Keine NADA kontrolliert so häufig wie die deutsche!

13.822 Dopingkontrollen führte die NADA Deutschland im Jahr 2016 und nimmt damit die weltweite Top-Position ein – mit beachtlichem Vorsprung. Direkt dahinter folgen zahlreiche der weiteren Top-Sportnationen: die nationalen Anti-Doping-Agenturen aus den USA (9.131), aus China (8.233), aus Italien (8.158), aus Frankreich (7.457) und aus Großbritannien (7.157). Im internationalen Vergleich angesichts ihrer Bedeutung für den weltweiten Sport fallen Indien (2.831) und Russland (2.557) deutlich ab. Anti Doping Schweiz kontrollierte fast so viel wie die RUSADA (2.443), die NADA Austria führte 1.531 Proben durch.
 

Der italienische Sport produzierte mit Abstand die meisten Dopingfälle!

Mit 147 Vergehen gegen das Anti-Doping-Gesetz ist Italien die unumstrittene Nummer eins der Dopingsünder 2016. Unüblich hoch ist jene der nicht analytischen Vergehen (53). Erstaunlich ist auch, dass lediglich 70 durch die italienische NADA überführt wurden, was auch zeigt, dass der Kampf gegen Doping in Italien auf mehreren Ebenen wirksam ist. Beängstigend ist die hohe Anzahl an Vergehen im Radsport (38) und im Bodybuilding (34). Die Leichtathletik folgt mit acht Vergehen unter den Sportarten auf Rang vier hinter dem Automobilsport.
Frankreich folgt mit 86 Vergehen auf Platz zwei (82 durch die französische NADA überführt, was internationaler Top-Wert ist). Neun Leichtathleten wurden erwischt, das wird nur vom Radsport (12) getoppt. Es folgen die USA (76 Vergehen gegen das Anti-Doping-Gesetz), Australien (75, nur einer aus der Leichtathletik), Belgien (73), Indien und Russland (je 69), Brasilien und Iran (je 55) sowie Südafrika (50). Der Anteil der Leichtathletik ist besonders in Russland mit 30 Fällen, in Indien mit 21, in Marokko mit 14 (von 22 gesamten), in den USA mit elf, in Saudi Arabien mit neun und in Kenia mit sieben (von neun gesamten) überdurchschnittlich hoch.
In Deutschland gab es 2016 21 Vergehen gegen das Anti-Doping-Gesetz (19 durch die deutsche NADA kontrolliert, zwei in der Leichtathletik), in der Schweiz neun (fünf durch Anti Doping Schweiz kontrolliert, keine in der Leichtathletik) und acht in Österreich (fünf durch die NADA Austria kontrolliert, ein Fall in der Leichtathletik). Keine Dopingfälle in der Leichtathletik gab es übrigens auch in Großbritannien.
 

Über 200 Doping-Vergehen in der Leichtathletik

205 Vergehen gegen die internationalen Doping-Regeln produzierte die Leichtathletik im Jahr 2016. Damit ist die Olympische Kernsport die Nummer eins unter allen Sportarten. Es folgen Bodybuilding (183), Radsport (165) und Gewichtheben (116).
 

Läufer werden streng kontrolliert

In der Aufschlüsselung der diversen Disziplinen innerhalb der Leichtathletik fällt auf, dass Läuferinnen und Läufer im Jahr 2016 streng kontrolliert wurden. Von den 31.433 Dopingproben, die innerhalb der Leichtathletik durchgeführt wurden, fielen sage und schreibe 7.371 auf die Langstrecken (inkl. 3.000m-Hindernislauf) (mit 39 Vergehen), 2.515 auf die Mittelstrecken (mit acht Vergehen), 1.106 auf den Marathon (mit 14 Vergehen), 594 auf den Crosslauf (mit zwei Vergehen), 308 auf den Berglauf (mit einem Vergehen) und 299 auf den Halbmarathon (mit drei Vergehen).
 

Der Anti-Doping-Kampf 2016 war intensiver als die Jahre davor

Im Quervergleich mit den vorangegangenen Jahren zeichnete sich der Kampf gegen Doping im Jahr 2016 als umfassender aus. Es wurden rund 500 mehr Tests als in den Jahren davor durchgeführt. Trotzdem gab es weniger Dopingfälle als in den Jahren davor, was als Erfolgsnotiz gilt. Verhältnismäßig viele Nationen waren 2016 von Dopingfällen betroffen, ins Auge sticht aber die Anzahl der Sportarten. Rund 30 Sportarten und Disziplinen mehr als in den Jahren davor waren mit Dopingfällen konfrontiert.
 

Doping bei Olympischen Spielen leichtgemacht?

Das Sportjahr 2016 brachte im Kampf gegen Doping einen negativen Höhepunkt. Den Anti-Doping-Aktivitäten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro wurden im Nachhinein von Experten ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Das lag auch daran, dass das Anti-Doping-Labor von Rio de Janeiro, eines von nur zwei in ganz Südamerika mit WADA-Akkreditierung, suspendiert war und alle Proben aufwändig nach Europa transportiert werden mussten. Olympische Spiele und Doping führten in den letzten Jahren ohnehin eine zu enge Beziehung. Der Dopingskandal rund um die Olympischen Spiele 2014 in Sochi geht als beispiellos in die Sportgeschichte ein. Und letzte Woche äußerte sich die WADA auf Basis unabhängiger Beobachter Bedenken über die Effektivität der Anti-Doping-Aktivitäten bei den Olympischen Spielen 2018, was vor allen Dingen an Problemen im Vorfeld festgehalten wird. Dem Doping-Kampf vor Ort stellte der Bericht der internationalen Beobachter ein deutlich besseres Zeugnis als beispielsweise in Rio 2016 aus.