Im Schatten der Öffentlichkeit

Es gab Zeiten, da waren die Commonwealth Games sportliche Höhepunkte exakt zur Halbzeit der langen Olympiaden. Stars aus der Leichtathletik und dem Laufsport, natürlich nur aus den startberechtigten Nationen, rissen sich um die Medaillen und zogen die mediale Weltöffentlichkeit in ihren Bann. Zumindest jene, die sich für Sport interessierte. Die „Miracle Mile“ von Vancouver 1954 ist nur eines von vielen Beispielen, die ewig der Laufsport-Historie verankert sind. Mittlerweile drohen die Commonwealth Games in einem Meer an großen Sportevents unterzugehen. Die Öffentlichkeit in nicht beteiligten Nationen straft das Event mit Ignoration ab. Und selbst die euphorischen Commonwealth-Nationen kämpfen um die Gunst des Publikums. Obwohl die Besetzung bei den Spielen von Gold Coast 2018 teilweise besser war als in den letzten Jahren – Olympiasieger, Weltmeister und Medaillengewinner gaben ihr Bestes zum Besten. Die BBC litt unter der unattraktiven Zeitverschiebung nach Australien, die Quoten blieben vergleichsweise niedrig. Im britischen Blätterwald verloren die Commonwealth Games den harten Kampf um Flächen gegen Big Player Fußball, der in der entscheidenden Phase der Vereinswettbewerbe angekommen ist. Nur in Australien – einem global gesehen recht unbedeutenden Markt – war man zufrieden. Der Aufwand, den Veranstalter und übertragende TV-Stationen betrieben, war dementsprechend gewaltig.

Es gab Zeiten, da waren die Commonwealth Games sportliche Höhepunkte exakt zur Halbzeit der langen Olympiaden

Keine Frage: Die Commonwealth Games waren sportlich früher viel bedeutender gleich wie der Commonwealth an sich in der globalisierten Welt an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung verloren hat. Auch wenn er nach dem Brexit-Votum von britischer Seite neu eingeschwört wurde. Und Queen Elizabeth II. ist nach wie vor als Staatsoberhaupt an fast allen Ecken und Enden des Globus enorme Beliebtheit erfährt.
Die Vorzeichen standen durch den verhältnismäßig frühen Termin im April statt Sommer gut, zahlreiche Stars reisten ans andere Ende der Welt. Der Effekt aber verblasste. Genauso wie die Serien an von nationalem Jubel begleiteten Erfolgsmeldungen australischer Sportler, die sich im Medaillenspiegel mit riesigem Vorsprung auf England und Kanada durchsetzten, interkontinental kaum eine Beachtung fand. Daher tauchte in den letzten Wochen auch medial die Frage auf: Sind die Commonwealth Games am Ende?

Karrieren werden über die Resultate bei Meisterschaften definiert

IAAF-Präsident Sebastian Coe, als Brite ein bekennender Fan von Commonwealth Games, verweilte die gesamte Dauer in Gold Coast und kommentierte für das australische Fernsehen. Kurz darauf gab es eine Rüge für die elitären Sportler seiner Sportart, veröffentlicht in seinem Blog auf der Website des „Evening Standard“. „Am Ende einer Karriere, wenn alles auf dem Tisch liegt, ist nicht entscheidend, welche Bestleistung man hat oder welches Diamond-League-Rennen man gewonnen hat. Entscheidend ist, wie viele Medaillen man bei internationalen Meisterschaften gewonnen hat. Daher überrascht es mich, dass so viele Athleten auf die Commonwealth Games verzichtet haben“, schreibt der zweifache Olympiasiegerin. „Meisterschaftsrennen bilden deinen Charakter als Sportler. Karrieren werden über die Resultate bei Meisterschaften definiert“, verdeutlicht er. Zeichnet gleichzeitig aber eine positive Zukunft für die Spiele, die 2022 in Birmingham ihre Fortsetzung erleben: „Die Commonwealth Games werden auch zukünftig bedeutend sein. Über die Hälfte aller bei Weltmeisterschaften gewonnene Medaillen gehen an Nationen aus dem Commonwealth. Jeder dritte Erdbewohner lebt im Commonwealth, 60% der Commonwealth-Bevölkerung ist unter 29 Jahre alt.“

Nur fünf der 36 Laufmedaillen gingen an europäische Nationen

Auch im Laufland Kenia, für das die erste Hälfte der Leichtathletik-Bewerbe eine mittlere Katastrophe und die zweite eine einzige Erfolgsserie war, bis die Marathon-Entscheidungen ein Debakel brachten, ist man mit der Beteiligung der Stars nicht zufrieden – trotz der besten Bilanz, nur die Laufbewerbe berücksichtigend (siehe unten). „Athletics Kenya muss einen Weg finden, alle verdienten Sportler zu Meisterschaften zu bringen. Und diejenigen, die da sind, müssen in Topform kommen. Einige Ergebnisse waren uns eine Lektion“, schimpft Julius Kirwa, der das kenianische Nationalteam nach Gold Coast begleitet hat. Positive Erscheinungen waren die Lauferfolge der Jamaikanerinnen, allen voran die Goldmedaille von Aisha Praught im 3.000m-Hindernislauf, die australischen Erfolge in den Marathonläufen und die Überraschungsmedaille der Waliserin Melissa Courtney über 1.500m. Nur fünf der 36 Laufmedaillen gingen übrigens an europäische Nationen.
 

Medaillenspiegel der Commonwealth Games 2018 (nur die zwölf Lauf-Entscheidungen berücksichtigend)

1. Kenia – 4x Gold, 7x Silber, 5x Bronze = 16 Medaillen
2. Uganda – 3x Gold, 1x Silber = 4 Medaillen
3. Südafrika – 2x Gold
4. Australien – 1x Gold, 1x Silber, 2x Bronze = 4 Medaillen
5. Jamaika – 1x Gold, 1x Bronze = 2 Medaillen
6. Namibia – 1x Gold
7. Kanada – 2x Silber
8. England – 1x Silber, 1x Bronze = 2 Medaillen
9. Schottland – 2x Bronze
10. Wales – 1x Bronze