Geheimsache Doping – TV-Dokumentarfilm bedrängt Putin und Bach

© SIP / photocase

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Der deutsche Investigativ-Journalist Hajo Seppelt hat in seinem neuen Dokumentarfilm „Gehemsache Doping – das Olympia-Komplott“ ein Telefon-Interview mit dem russischen Whistleblower Grigory Rodchenkov geführt. Dabei ist es zu einigen brisanten Aussagen des ehemaligen Anti-Doping-Laborleiters von Moskau gekommen, die den trüben Eindruck auf Basis des bisherigen Wissensstandes über das russische Dopingsystem weiter verdunkeln.
 

Russlands Leichtathletik Olympia-Team von 2008 gedopt

So ist der in den USA an einem geheimen Ort untergetauchte und von Russland gejagte Rodchenkov der Überzeugung, dass Russlands Präsident Vladimir Putin nicht nur vom staatlich geförderten Dopingsystem gewusst habe, sondern dies auch aktiv gelenkt habe. Putin sei am Ende eine Kommunikationskette gestanden, der ehemalige Sportminister Vladimir Mutko an vorletzter Stelle. Außerdem schildert Rodchenkov, der aus Angst um sein Leben in die USA geflüchtet ist, in der gestern im ARD ausgestrahlten Dokumentation auch von den Dopingpraktiken russischer Leichtathleten bei den Olympischen Spielen 2008 und 2012. So wäre bei den Spielen in Peking die gesamte russische Leichtathletik-Nationalmannschaft gedopt gewesen. Nach Peking änderte Russland seine Strategie und begann, die eigenen Athleten zu kontrollieren, um der größer werdenden Gefahr, auf internationalem Parkett erwischt zu werden, Vorsorge zu leisten. Die Einführung des biologischen Passes brachte zahlreiche, oft erst Jahre später sanktionierte Dopingfälle russischer Leichtathleten zu Tage.
 

Ein Tabuthema vor Rio 2016

Das augenscheinlich staatlich gelenkte Dopingsystem in Russland führte dazu, dass der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) Ende 2015 als erster Sportverband den russischen Verband suspendierte. Diese Suspendierung hält nach wie vor inne und inkludierte den Ausschluss russischer Leichtathleten von den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) agierte nicht so konsequent und überließ offiziell den internationalen Verbänden die Entscheidung über einen Olympia-Start und sprach die offizielle Empfehlung aus, nur Sportler an den Start gehen zu lassen, die außerhalb der russischen Kontrolle so genannte „Out-of-competition“-Proben nachweisen konnten. Wie das ehemalige IOC-Mitglied Claudia Bokel in „Geheimsache Doping – das Olympia-Komplott“ berichtet, war der russische Dopingskandal in den Tagen vor Rio beim IOC ein erklärtes Tabuthema. Das hastig eingerichtete Entscheidungsgremium war unter massivem Zeitdruck und dank der Unfähigkeit zahlreicher Verbände, Dokumentationen zu Dopingkontrollen russischer Sportler zu liefern, völlig überfordert und akzeptierte den Olympia-Start zahlreicher russischer Sportler ohne die vom IOC verheißene Kontrolle.
 
Der ARD-TV-Dokumentarfilm „Geheimsache Doping – das Olympia-Komplott“