Dubai Marathon: Triumph für Mosinet Geremew im Spurt

© Dubai Marathon / Giancarlo Colombo

Tamirat Tola hat die ersehnte Titelverteidigung beim Dubai Marathon 2018 trotz einer neuen persönlichen Bestleistung knapp verpasst. In einem hochdramatischen wie hochspannenden Finale, dem die US-amerikanische Online-Plattform „Let’s Run“ die Attribute eines Bahnrennens, nicht eines Straßenlaufs zuschreibt, setzte sich Mosinet Geremew in seinem erst dritten Marathonlauf knapp vor dem sensationell starken Debütanten Leul Gebresilase durch und feierte in einer glatten Siegerzeit von 2:04 Stunden einen neuen Streckenrekord. Sechs Läufer platzierten sich binnen 15 Sekunden und sorgten für eine Serie von Rekorden und Bestleistungen. Nie zuvor war ein Marathonlauf der Herren in diesem Spitzenbereich so eng und ausgeglichen wie beim Dubai Marathon 2018. Damit weist das Herren-Rennen zahlreiche Parallelen zum Damen-Rennen auf.
 
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© Dubai Marathon / Giancarlo Colombo
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Fünf Läufer unter dem Streckenrekord

Die Optimierungsmaßnahmen, die zu einer leicht veränderten und offenbar verbesserten Strecke im Hafen von Dubai führte, hatten sich ausgezahlt. Vor dem Rennen demonstrierte der sonst vor purem Optimismus strotzende Rennleiter Peter Connerton ungewohnte Zurückhaltung – im Wissen, dass sein Elitefeld zwar einige leistungsstarke Halbmarathonläufer, aber neben Titelverteidiger Tola keine Marathon-Stars aufwies. Von Zurückhaltung war auf der Laufstrecke bei optimalen Bedingungen allerdings nichts zu sehen, die von starken Pacemakern unterstützte Spitze stürmte nach 1:01:38 Stunden über die Zwischenzeit beim Halbmarathon. Eine Lawine an persönlichen Bestleistungen und eine kompakte Gruppe bis auf die Zielgerade ermöglichte ein Rennen voller Fabelzeiten und einen neuen Streckenrekord, den gleich fünf Läufer unterboten. Die ersten Acht, darunter drei Debütanten, markierten alle einen Hausrekord.
 

Sechs Läufer binnen 15 Sekunden

Erstaunlich war die Dichte im Feld. Sieger Mosinet Geremew, der im Regen des Berlin Marathon 2017 in einer beachtlichen Zeit von 2:06:12 Stunden erzielt hatte, siegte in 2:04:00 Stunden und blieb dabei um elf Sekunden unter dem Streckenrekord von Vorjahressieger Tamirat Tola. Der Titelverteidiger musste sich vier Sekunden hinter Marathon-Debütant Leul Gebresilase und sechs Sekunden hinter dem Sieger mit Rang drei zufrieden geben. Asefa Mengstu, der bis dato noch nie unter 2:10 Stunden gelaufen ist, kam zeitgleich mit Tola ins Ziel, der ehemalige Wien-Sieger Sisay Lemma folgte zwei Sekunden später und der sechstplatzierte Debütant Birhanu Legese hatte im Ziel nur 15 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Der Spurt entlang der Zielgerade aus einer sechsköpfigen Gruppe war tatsächlich äußerst ungewohnt für eine Entscheidung im 42,195 Kilometer Lauf.
 

Weltrekord lange in Sichtweite

Wie in den letzten Jahren verlor die Spitzengruppe von Beginn an keine Sekunde und polzte angeführt von einer kenianischen Pacemaker-Gruppe mit Vollgas los. Die Zwischenzeit von 1:01:38 Stunden beim Halbmarathon rückte nicht nur den Streckenrekord, sondern auch eine Zeit unter 2:04 Stunden in den Fokus. Nun folgte eine schnelle Rennphase. Der Abschnitt zwischen Kilometer 20 und 25 war mit einer Teilzeit von 14:32 Stunden der zweitschnellste nach dem Eröffnungs-5er. Den Kilometer 30 passierte die Gruppe, die sich auch von diesem furiosen Zwischentempo nicht auseinander reißen ließ, in einer Zwischenzeit von 1:27:33 Stunden. Selbst der Weltrekord von Dennis Kimetto schien plötzlich nicht aus der Welt. Allerdings verlor die Spitze in der Folge etwas an Zug, die 5km-Abschnitte zwischen Kilometer 30 und 40 (14:57 bzw. 15:06 Minuten) waren die langsamsten im Rennen. Bei der Getränkestation bei Kilometer 35 hätte Leul Gebresilase beinahe Tamirat Tola zu Sturz gebracht, ein Ärgernis, das Tola zwar mit seiner Balance, nicht aber ohne Rhythmusverlust ausgleichen konnte.
Da es beim Dubai Marathon keine Zeitprämien gibt, konzentrierte sich die volle Aufmerksamkeit von sechs Läufern auf den Zielspurt. Dort ging es um die Superprämie von 200.00 US-Dollar (entspricht rund 160.000 Euro) im Vergleich zur Prämie von 80.000 US-Dollar für den Zweitplatzierten. Geremew sicherte sich mit seinem ersten Marathon-Sieg die höchste Prämie, die weltweit bei Marathonläufen für einen Sieg ausgeschüttet wird. Die Preisgeld-Abstufungen beim Dubai Marathon sind schon länger Teil einer Diskussion: Der Sieger erhielt 120.000 US-Dollar mehr als der Zweitplatzierte, der nur zwei Sekunden langsamer lief, und 188.000 US-Dollar mehr als der Sechsplatzierte, der nur 15 Sekunden später ins Ziel kam. Das Maß stimmt nicht.
 

Furiose Debütanten

Obwohl mit Mosinet Geremew fast gegensätzlich zur jüngeren Geschichte kein Debütant gewann, feierte der Dubai Marathon auch heuer wieder phänomenale Debüts, die allerdings aufgrund starker Halbmarathon-Vorleistungen von Leul Gebresilase (59:18 Minuten, Valencia 2017) und Birhanu Legese (59:20 Minuten, Neu Delhi 2015) eine Basis haben. Erstaunlich ist auch das Debüt von Alamirew, der von einem 10-Meilen-Lauf direkt in den Marathon einstieg und unter 2:09 Stunden blieb. Nur Gebriselases Landsmann Guye Adola (Berlin 2017) lief in 2:03:46 Stunden ein noch schnelleres Debüt, Legese nimmt in dieser Rangliste eine Sekunde vor Dennis Kimetto (Berlin 2012) den dritten Platz ein. Historische Leistungen sind nicht nur diese Premieren, sondern auch die erzielten Verbesserungen. Der viertplatzierte Asefa Mengstu, bereits 33 Jahre alt, schaffte einen Leistungssprung von 5:55 Minuten, der siebtplatzierte Seyfu Tura einen von 4:42 Minuten, Sieger Mosinet Geremew einen von 2:12 Stunden, der fünftplatzierte Sisay Lemma einen von 1:08 Minuten und Vize-Weltmeister Tamirat Tola immerhin noch einen von fünf Sekunden.
Der 25-jährige Geremew ist nun die Nummer zehn der ewigen Bestenliste, der 25-jährige Gebresilase die Nummer elf, Tola und Mengstu teilen sich Rang zwölf, der 27-jährige Lemma nimmt Rang 14 und der 23-jährige Legesse Rang 15 ein. Nie zuvor in der Geschichte des Marathonlaufs waren ein Drittplatzierter (bisher Dickson Chumba, 2:04:32 Stunden, Chicago 2014), ein Viertplatzierter (bisher Endeshaw Negesse, 2:04:52 Stunden, Dubai 2013), ein Fünftplatzierter (bisher Bernard Koech, 2:04:53 Stunden, Dubai 2013), ein Sechstplatzierter (bisher Dadi Gemedda, 2:05:41 Stunden, Dubai 2012) und ein Siebtplatzierter (bisher Shami Dawit, 2:05:42 Stunden, Dubai 2012) schneller als beim Dubai Marathon 2018. Sieben Läufer unter 2:05 Stunden gab es selbstredend noch nie, selbst sieben Läufer unter 2:06 Stunden konnte einzig der Dubai Marathon 2012 produzieren.
 

Negesse im Ziel

Nach seiner Rückkehr von einer Dopingsperre nach Meldonium-Missbrauch hat der Äthiopier Endeshaw Negesse in Dubai erstmals wieder ein Marathon-Ziel erreicht. Und das mit einer Leistung, die entschleunigt. Rang 16 in 2:26:17 Stunden, sieben Minuten langsamer als Roza Dereje, Siegerin des Damen-Rennens. Sein Landsmann Girmay Birhanu, ebenfalls wegen Meldonium gesperrt, tritt gar nicht in Erscheinung – zweifelsohne keine ganz schlechten Signale.
Inklusive der weiteren Bewerbe waren rund 30.000 Läuferinnen und Läufer am frühen Freitagmorgen in Dubai aktiv. Sie genossen optimale Lauftemperaturen mit bis zu 17°C.
 
Der RunAustria-Bericht des Damen-Rennens: Vier unter 2:20 Stunden – Dubai Marathon der Sensationszeiten
 

Ergebnis Dubai Marathon der Herren 2018

1. Mosinet Geremew (ETH) 2:04:00 Stunden
2. Leul Gebresilase (ETH) 2:04:02 Stunden
3. Tamirat Tola (ETH) 2:04:06 Stunden
4. Asefa Mengstu (ETH) 2:04:06 Stunden
5. Sisay Lemma (ETH) 2:04:08 Stunden
6. Birhanu Legese (ETH) 2:04:15 Stunden
7. Seyfu Tura (ETH) 2:04:44 Stunden
8. Yenew Alamirew (ETH) 2:08:56 Stunden
9. Mekuant Ayenew (ETH) 2:09:20 Stunden
10. Berhanu Teshome (ETH) 2:10:27 Stunden

16. Endeshaw Negesse (ETH) 2:26:17 Stunden
 
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