RunAustria meets Sondre Nordstad Moen

Sondre Nordstad Moen mit RunAustria-Redakteur René van Zee. © SIP / René van Zee

Er ist definitiv der Aufsteiger des Jahres im europäischen Laufsport: Sondre Nordstad Moen. Der Norweger pulverisierte seine eigenen Vorleistungen im Herbst 2017 und lief einen Halbmarathon unter einer Stunde (59:48 Minuten in Valencia) sowie einen deutlichen Europarekord (2:05:48 Stunden in Fukuoka). Seinen Durchbruch nach Jahren der Stagnation erklärt er sich mit diversen kleineren Verletzungen und anderen Problemen, die den Fortschritt gebremst haben, und den Wechsel zum italienischen Starcoach Renato Canova, in dessen Zuge er seinen Lebensmittelpunkt nach Kenia verlegte.
RunAustria-Experte René van Zee hat den 26-jährigen Emporkömmling aus Skandinavien am Tag vor dem Silvesterlauf BOclassic in Bozen im Athletenhotel Raffl in der Kleinstadt Leifers vor den Toren der Südtiroler Hauptstadt zu einem Gespräch getroffen.
 

© SIP / René van Zee
© SIP / René van Zee
 
Sondre Nordstad Moen über seine neue Wahlheimat in der kenianischen Höhe:
„Ich bevorzuge Kenia, weil mir das Leben dort am wenigsten Ablenkung gibt. In Flagstaff in Arizona oder in Südafrika herrschen zwar ähnlich gute Bedingungen, aber es gibt dort auch viel zu erleben und das ist nicht förderlich, wenn man optimal trainieren will. Wenn man seine Ziele erreichen will, gilt es, den Fokus voll auf den Sport zu legen.“
 
… über sein Training:
„Im Schnitt trainiere ich 168 Kilometer pro Woche. Hauptsächlich in Eldoret in Kenia. Ich wohne dort bei Jean Pierre Fourier oder bei Lornah Kiplagat. Wenn ich in Europa bin, trainiere ich meistens in Sestriere oder in St. Moritz. Die Zusammenarbeit mit Renato Canova verläuft fantastisch. Ich mache nicht mehr so viele schnelle Trainingseinheiten hintereinander wie früher. Dafür sind seine Dauerläufe echte Qualitätsläufe!
Das Training in der Höhenlage Kenias ist nur sinnvoll, wenn man längere Zeit bleibt und früh damit anfängt. Ich trainiere oft mit Kenianern zusammen, davon profitiere ich sehr. Nur mit der kenianischen Küche habe ich einige Probleme, mein Magen verträgt sie nicht gut.“
 
… über seinen Winterfahrplan:
„Der Crosslauf als Basistraining ist wichtig, auch, weil man sich nicht auf Laufzeiten zu konzentrieren braucht. Ich kenne viele Leichtathleten, die im Winter in der Halle sehr aktiv sind und dann manchmal in der Hallen-Saison besser in Form sind als im Sommer, wenn es darauf ankommt.“
 
… über die Ziele in der kommenden Wettkampfsaison:
„Mein erstes großes Ziel im kommenden Jahr ist die Halbmarathon-WM im März in Valencia. Bei den Bislett Games in Oslo möchte ich den norwegischen Rekord im 10.000m-Lauf angreifen (Are Nakkim, 27:32,52 Minuten, Oslo 1990). Die weiteren Pläne sind noch unsicher. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich bei der EM in Berlin den Marathon laufe oder die 10.000m. Fällt die Entscheidung auf die 10.000m, laufe ich im Herbst noch einen Marathon. Allerdings habe ich Beschwerden an der linken Ferse und muss mich operieren lassen. Entweder mache ich das nach dem EM-Marathon oder nach dem Herbst-Marathon. Ich hoffe, dass ich bis zur Crosslauf-EM im Dezember im Tilburg wieder fit bin.