Halbmarathon-Debüt von Ayana in Neu Delhi

© Getty Images for IAAF / Andy Lyons

Es ist erst der zweite Auftritt überhaupt in dieser Saison für Almaz Ayana, wenn man die beiden WM-Rennen von London (Gold im 10.000m-Lauf und Silber im 5.000m-Lauf) zusammen nimmt. Für diese spärliche Erscheinung hat die Äthiopierin bereits ordentlich Kritik geerntet. Ein derartiges Versteckspiel wird in Doping-bewussten Zeiten wie heutzutage nicht gerne gesehen. Dass Ayana, die ihren späten Saisoneinstieg mit einer Verletzung erklärte, das Wettkampfjahr mit ihrer Premiere im Halbmarathon abschließt, ist daher durchaus eine Überraschung. Erst vor eineinhalb Jahren hatte sie ihr Spektrum von den 5.000m auf die 10.000m erweitert.
 

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Almaz Ayana bei den Weltmeisterschaften 2017. © Getty Images for IAAF / Andy Lyons
 

Premiere für Ayana

Ein Start beim Delhi Halbmarathon ist immer eine Überlegung Wert, sowohl aus sportlicher als auch finanzieller Sicht. Das Preisgeld-Budget von über 230.000 Euro zieht Topläuferinnen und Topläufer an und hat die indische Vorzeige-Laufveranstaltung zu einem der wichtigsten Halbmarathonläufe der Welt gemacht, in dem die sportliche Qualität stimmt. Der Rahmen für ein gelungenes Debüt ist also lukrativ und rein sportlich ist der Weltrekordhalterin über 10.000m und Fast-Weltrekordhalterin über 5.000m durchaus zuzutrauen, dass sie auf Anhieb die Weltklasse entert. Mit ihren (fast) 26 Jahren passt die Äthiopierin perfekt in die neue, junge Generation kenianischer Überläuferinnen, die die Halbmarathon-Szene in den letzten Jahren ordentlich umgekrempelt haben.
 

Äthiopierinnen in Favoritenrolle

Die Phalanx der Kenianerinnen, die in den letzten Jahren die Halbmarathon-Welt dominiert haben, ist in der indischen Hauptstadt nicht am Start. Ayanas Hauptkonkurrentin ist ihre Landsfrau Worknesh Degefa, die im Vorjahr in Neu Delhi gewinnen konnte und in einer Zeit von 1:06:14 Stunden den äthiopischen Landesrekord hält. Mit Netsanet Gudeta, Vierte und Sechste bei den letzten beiden Halbmarathon-Weltmeisterschaften, ist eine weitere, starke äthiopische Läuferin am Start. Die stärkste Kenianerin im Elitefeld der Damen ist Helah Kiprop, ehemalige Siegerin des Tokio Marathon und Vize-Weltmeisterin im Marathon von Peking.
 

Drei sub-59-Minuten-Läufer

Prominentester Name im Elitefeld der Herren ist Marathon-Weltmeister Geoffrey Kirui. Nach seinem Triumph von London hat der 24-Jährige keinen Marathon mehr bestritten, sein Herbst-Höhepunkt ist der Halbmarathon in Neu Delhi. Denselben Weg hat auch sein Landsmann Eliud Kipchoge im vergangenen Jahr nach dem Olympiasieg genommen.
Kirui trifft in der indischen Hauptstadt auf fünf Läufer mit einer besseren Halbmarathon-Bestleistung als er, darunter die beiden Äthiopier Yigrem Demelash, Vorjahres-Zweiter und Olympia-Vierter im 10.000m-Lauf, und Berhanu Legese sowie drei Kenianer, die bereits unter 59 Minuten gelaufen sind. Der bis dahin unbekannte, erst 19 Jahre alte Jorum Okombo lief beim außergewöhnlich schnellen Rennen in Kopenhagen vor zwei Monaten zu einer Sensationszeit von 58:48 Minuten, Alex Korio folgte drei Sekunden später. Stephen Kibet ist seine Bestleistung vor fünfeinhalb Jahren in Den Haag gelaufen. Diese Athleten drängen Kirui, vor zwei Jahren Sechster in Neu Delhi, durchaus in die Rolle des Außenseiters.
 

Schlechte Luft

Die größte Herausforderung im Vorfeld der 13. Auflage dieses Events bietet dem Veranstalter die bekannt verschmutzte Luft über Neu Delhi. Auch im letzten Jahr gab es dieses Problem, rechtzeitig vor dem Renntag besserte sich die Luft über der Strecke. Darauh hofft das Veranstalter-Team rund um Vivek Singh auch in diesem Jahr. Nachdem Regen nicht in Sicht ist, wird die Strecke vor dem Rennen mit einem Salzwasser-Gemisch besprinkelt. Diese Maßnahme reduziert den Einfluss schlechter Luft auf die Läufer.
Das Problem scheint aber größer zu sein, als der Veranstalter in indischen Medien zugibt. Die indische Gesundheitsorganisation Indian Medical Association (IMA) hat bereits die Absage des Events, an dem rund 35.000 Läuferinnen und Läufer (davon 13.000 im Halbmarathon) teilnehmen werden, gefordert. Der Telekommunikationsanbieter Airtel, seit neun Jahren Hauptsponsor der Veranstaltung, hat aufgrund der Luftverschmutzung über Neu Delhi den Rückzug von zukünftigen Veranstaltungen in Betracht gezogen. „Luftverschmutzung ruft seriöse Gesundheitsrisiken hervor. Für Airtel ist es sehr wichtig, dass der Veranstalter sich diesem Problem annimmt“, heißt es in einem Statement. Da zu dieser Jahreszeit die Luftverschmutzung in Neu Delhi in den letzten Jahren immer gravierend war, überlegt der Veranstalter auf einen alternativen Termin zu wechseln.
 
Delhi Halbmarathon