Erneuter Weltrekord für Jepkosgei in Valencia

© Valencia Halbmarathon 2017 / facebook

Der kenianische Halbmarathon-Star Joyciline Jepkosgei hat in Valencia ihren eigenen Halbmarathon-Weltrekord verbessert und die historische Bestmarke über die 21,0975 Kilometer lange Distanz um eine Sekunde auf eine Zeit von 1:04:51 Stunden gedrückt. Die 23-jährige Kenianerin markierte damit bereits zum zweiten Mal in dieser Saison einen neuen Weltrekord im Halbmarathon. In Prag war sie im April eine Zeit von 1:04:52 Stunden gelaufen und hatte damals als erste und bis heute einzige Läuferin in der Geschichte des Sports einen Halbmarathon unter einer Stunde und fünf Minuten absolviert. Inklusive diverser Durchgangszeiten und ihres Fabel-Weltrekords im 10km-Straßenlauf, den sie im September ebenfalls in Prag markiert hat, ist es bereits der sechste (!) Weltrekord in der laufenden Saison für die kenianische Ausnahmeläuferin.
 

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Langsamere erste Hälfte als in Prag

Mit 18°C Außentemperatur, zu vernachlässigendem Wind und für eine Küstenstadt niedriger Luftfeuchtigkeit waren in Valencia die entsprechenden Rahmenbedingungen gegeben, um den großen Ankündigungen noch größere Taten folgen zu lassen. Und das tat Jepkosgei, deren eigenes Pacemakerteam, in dem sich der mehrfache Hindernislauf-Weltmeister und Neo-Straßenläufer Ezekiel Kemboi befand, die ersten zehn Kilometer in einer Zeit von 30:09 Minuten anlief. Das ist deutlich unterhalb des bis vor kurzem gültigen Weltrekords über diese Distanz und nur 26 Sekunden über ihrem neuen 10km-Weltrekord. Allerdings „hinkte“ sie um fünf Sekunden hinter ihrer Durchgangszeit beim Weltrekordlauf von Prag hinterher. Fünf Kilometer später, als die Zwischenzeit bei 45:57 Minuten anhielt, lag ein Weltrekord praktisch außer Reichweite – 20 Sekunden Rückstand zur Referenzzeit in Prag.
 

Furioses Finale

Doch dann zog Jepkosgei ein weiteres Ass aus dem Ärmel und wendete das Blatt. Bei der Zwischenzeit bei Kilometer 20 lag sie nur noch drei Sekunden hinter der Referenzzeit zurück, das goldene Finale sicherte den neuen Weltrekord von 1:04:51 Stunden. Die Krönung einer Wettkampfsaison voller sportlicher Wunder! „Die Strecke eignet sich perfekt für einen sehr schnellen Lauf“, lobte die Siegerin, deren nächstes großes Ziel der Gewinn der WM-Goldmedaille im Halbmarathon 2018 ist – in Valencia.
 

Spanischer Rekord durch Gebre

Abseits der Siegerin gab es weiter grandiose Zeiten: Die Kenianerin Fancy Chemutai feierte eine persönliche Bestleistung von 1:05:36 Stunden und Rang zwei, die erst 20 Jahre alte Lucy Cheruiyot verpasste ihre persönliche Bestleistung nur knapp, belegte aber im zweitschnellsten Halbmarathon ihrer noch jungen Karriere den dritten Platz. Die Äthiopierin Gelete Burka, vor zwei Jahren noch WM-Medaillengewinnerin im 10.000m-Lauf, wurde in einer Zeit von 1:08:18 Stunden Vierte. Die Spanierin Trihas Gebre knackte um drei Sekunden die Marke von 1:10 Stunden und ist nun hinter der Polin Karolina Nadolska die zweitschnellste Europäerin im laufenden Kalenderjahr. Die Zeit von 1:09:57 Stunden bedeutet einen neuen spanischen Landesrekord, Yesenia Sosa war vor neun Jahren in Valladolid 20 Sekunden „langsamer“ gelaufen.
 

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Norweger Moen drittschnellster Europäer aller Zeiten

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass man nach einer Laufveranstaltung hauptsächlich über einen Läufer spricht, der nicht auf dem Stockerl stand. Doch dem Norweger Sondre Nordstad Moen gelang in Valencia eine geniale Leistung. Der 26-Jährige ist der erst zweite hellhäutige Läufer nach dem Neuseeländer Zane Robertson, der in den letzten zehn Jahren einen Halbmarathon unter einer Stunde absolvierte. Seine 59:48 Minuten, die im hochklassigen Feld von Valencia übrigens zu Rang vier reichten, bedeuten nicht nur einen deutlichen neuen norwegischen Landesrekord. Moen ist nun der drittschnellste Europäer aller Zeiten hinter Europarekordhalter Mo Farah (59:32 Minuten (Lissabon 2015), dazu auf der nicht rekordtauglichen Strecke des Great North Run eine 59:22 Minuten) und dem Portugiesen Antonio Pinto (59:43 Minuten, Lissabon 1998 – ebenso nicht regelkonforme Strecke). Außer den drei Genannten hat nur der Spanier Fabian Roncero ebenfalls eine Bestleistung unter einer Stunde geschafft. Auf regeltauglichen Kursen waren mit dem Brasiliener Marilson dos Santos und dem US-Amerikaner Ryan Hall erst zwei nicht in Afrika geborene Läufer jemals schneller über die 21,0975 Kilometer. Der bisherige norwegische Rekord stand übrigens bei einer Zeit von 1:02:13 Stunden und wurde 29 Jahre lang von Geir Kvernmo gehalten.
 

Schützling von Renato Canova

„Ich bin sehr glücklich, über das, was ich geschafft habe. Das ist der Lohn für die harte Arbeit und die Energie, die ich ins Training gesteckt habe“, erklärte der Skandinavier, der sich in den letzten Jahren kontinuierlich steigerte und im Frühjahr in Hannover an der 2:10-Stunden-Marke im Marathon kratzte. Seine enorme Leistungssteigerung erfolgte rasch und der Quantensprung erreichte die Dimension einer Sensation. Eine 10km-Straßenlauf-Jahresbestleistung für Europäer in Prag hatte Anfang September sein neues Potenzial sachte angedeutet, sozusagen als Generalprobe. Doch in Valencia lief er die ersten zehn Kilometer sogar eine Sekunde schneller als in Prag. Moen trainiert seit einiger Zeit unter dem italienischen Starcoach Renato Canova, den er via eines Berichts auf der Website des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (European Athletics) in höchsten Tönen lobt. Die entscheidende Vorbereitung für den Valencia Halbmarathon hielt der Norweger in der Höhe von Sestrière an der italienisch-französischen Grenze ab.
 

Hattrick für Cheroben

Allerschnellster der rund 14.200 Halbmarathonläuferinnen und Halbmarathonläufer war der Kenianer Abraham Cheroben, der für den Bahrain an den Start geht. Für den 25-Jährigen, der den dritten Sieg in Valencia feierte, war es die zweite Weltklassezeit in Folge nach der Weltjahresbestleistung von 58:40 Minuten in Kopenhagen. In Valencia erreichte Cheroben eine Zeit von 59:11 Minuten.
Das Rennen begann flink und so mancher Beobachter rieb sich voller Verwunderung die Augen, dass bei der Zwischenzeit bei Kilometer zehn – 27:54 Minuten – mit Sondre Nordstand Moen noch ein Nicht-Afrikaner in der arg ausgedünnten Spitzengruppe verweilte. Denn Cheroben hatte ein Tempo bestellt, welches seinen eigenen Streckenrekord von 58:48 Minuten in Gefahr bringen sollte. Das misslang zwar recht knapp, allerdings nutzten zwei junge Äthiopier das hohe Tempo für persönliche Bestleistungen. Leul Gebresilase konnte erst 600 Meter vor dem Ziel dem entscheidenden Angriff von Cheroben nicht mehr widerstehen und wurde in einer Zeit von 59:18 Minuten Zweiter, vier Sekunden später folgte Fikadu Haftu.
Die Liste jener Läufer, die Sondre Nordstad Moen, der seine persönliche Bestleistung um sagenhafte zweieinhalb Minuten steigerte, mit seiner wundersamen Leistung hinter sich hielt, lässt sich gut lesen: Mustapha El Aziz aus Marokko, Amanuel Mesel aus Eritrea oder die beiden Kenianer Justus Kangogo und Mathew Kisorio.
 

Ergebnisse Valencia Halbmarathon

Herren
1. Abraham Cheroben (BRN) 59:11 Minuten
2. Leul Gebresilase (ETH) 59:18 Minuten
3. Fikadu Haftu (ETH) 59:22 Minuten
4. Sondre Nordstad Moen (NOR) 59:48 Minuten
5. Mustapha El Aziz (MAR) 1:00:50 Stunden
6. Amanuel Mesel (ERI) 1:00:53 Stunden
7. Justus Kangogo (KEN) 1:00:55 Stunden
8. Mathew Kisorio (KEN) 1:01:15 Stunden
9. El Majoub Dazza (MAR) 1:01:21 Stunden
10. Japhet Korir (KEN) 1:01:25 Stunden

25. Ezekiel Kemboi (KEN) 1:05:20 Stunden
Damen
1. Joyciline Jepkosgei (KEN) 1:04:51 Stunden *
2. Fancy Chemutai (KEN) 1:05:36 Stunden
3. Lucy Cheruiyot (KEN) 1:07:31 Stunden
4. Gelete Burka (ETH) 1:08:18 Stunden
5. Paskalia Chepkorir (KEN) 1:09:08 Stunden
6. Trihas Gebre (ESP) 1:09:57 Stunden
7. Gebrekidam Birhan (ETH) 1:10:00 Stunden
8. Gebru Hagos (ETH) 1:0:40 Stunden
9. Boulaid Koutar (MAR) 1:10:58 Stunden
10. Jip Vastenburg (NED) 1:11:04 Stunden
*Weltrekord
 
Valencia Halbmarathon