Kenias „New Generation“

© IAAF Weltmeisterschaften in London

© IAAF Weltmeisterschaften in London
In diesem Stadion feierte David Rudisha 2012 einen größten Erfolg. © IAAF Weltmeisterschaften in London
Jahrelang hat David Rudisha mit seinem überragenden Erfolgen im 800m-Lauf kaschiert, dass die ostafrikanische Läufernation ein Problem in der Breite auf der kürzesten Laufdistanz hat. Im Sog des zweifachen Olympiasiegers, zweifachen Weltmeisters und Weltrekordhalters entwickelte sich eine neue Generation an kenianischen 800m-Läufern, die mit vielen Vorschusslorbeeren die internationale Sportbühne betreten haben. Dank der verletzungsbedingten Absage des großen Stars (siehe RunAustria-Bericht) kommt Kenias neue Generation früher in die Verantwortung, bei Weltmeisterschaften das erwartungsfrohe kenianische Publikum glücklich zu stimmen. Und viele trauen ihr das zu, wenn am Samstagmittag mit den Vorläufen die erste WM-Aufgabe auf dem Programm steht.

Emmanuel Korir – der Newcomer

Der große kenianische Hoffnungsträger für London heißt Emmanuel Korir, ist mit einer persönlichen Bestleistung von 1:43,10 Minuten, gelaufen in Monaco, Führender in der Weltjahresbestenliste und ein echter Newcomer. Der 22-Jährige studiert in den USA, hat im US-Collegesystem bereits beachtliche Erfolge gefeiert und gewann auch die kenianischen Meisterschaften. Zahlreiche Expertenstimmen, vor allem aus den USA, sehen in ihm den Topfavoriten auf WM-Gold – das war übrigens auch schon vor Rudishas Absage so. Mit Michael Saruni, dem Mann, der auf dem letzten Abdruck als Ersatz für Rudisha ins kenianische WM-Team gerückt ist, studiert noch ein zweiter aus dem kenianischen Quartett in den Vereinigten Staaten. Auch er ist erst 22.
Der Dritte aus der jungen Garde der Kenianer ist Kipyegon Bett. Der mit 19 Jahren Jüngste im Team nahm den klassischen Weg und vertrat sein Heimatland bei internationalen Meisterschaften für den Nachwuchs. Der Silbermedaille bei den Jugend-Weltmeisterschaften 2015 folgte der Junioren-WM-Titel ein Jahr später. Der Durchbruch in der Weltklasse ist bereits gelungen, Bett gewann in Shanghai heuer ein Diamond League Rennen und ist in London ein Medaillenkandidat. Ausgerechnet Kenias erfahrenster Mann, der 27-jährige Ferguson Rotich, kommt nicht mit guten Voraussetzungen nach London. Die bisherige Saison war eine bescheidene, zwei dritte Plätze in Shanghai und Paris stehen zu Buche. Im vergangenen Jahr hatte er noch das Diamond Race gewonnen, dank dieser Wildcard hat Kenia vier WM-Teilnehmer.

Was bedeutet Rudishas Absenz?

Rudishas Fehlen bedeutet für das kenianische Team vorwiegend, dass kein Routinier den Druck abfängt. Die Jungen stehen, früher als sie vielleicht selbst gedacht haben, im absoluten Fokus und müssen liefern. Bis auf Rotich hat keiner aus dem kenianischen Quartett Erfahrung bei großen internationalen Meisterschaften. Die Hürde Vorlauf sollte für keinen der Kenianer eine große Hürde darstellen, auch wenn Saruni einen gefährlich schwierigen Lauf erwischt hat. Er muss immerhin gegen den starken US-Amerikaner Donavan Brazier, den ehemaligen Weltmeister Mohammed Aman, den WM-Bronzemedaillengewinner Amel Tuka und den ehemaligen Europameister Marcin Lewandowski antreten.
Für die gesamte WM-Entscheidung im 800m-Lauf ist die Abwesenheit von David Rudisha, ein bekennender Frontläufer, der die Rennen am liebsten dominiert, von großer Bedeutung. „Ohne ihn wird es ein ganz anderes Rennen. Das eröffnet vielen Athleten eine Medaillenchance, die mit Rudisha im Rennen keine hätten“, sagte der Franzose Pierre Ambroise Bosse bei einer Pressekonferenz in London. Bosse traut „the new guy“ Emmanuel Korir die Goldmedaille zu. „Aber ich kenne die Persönlichkeit Nijel Amos sehr gut. Er ist verrückt, daher mag ich ihn. Bei ihm ist alles möglich.“ Bosse läuft übrigens gleich morgen im selben Vorlauf mit Amos.
 
Der RunAustria-Bericht über die 800m-Vorläufe der Herren
IAAF Weltmeisterschaften 2017 in London