Europas Leichtathletiknachwuchs bei der Junioren-EM in Grosseto

© Veranstalter Junioren-Europameisterschaften in Grosseto

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Mit 15 Leichtathletinnen und Leichtathleten reist das österreichische Nationalteam zu den Junioren-Europameisterschaften ins italienische Grosseto vom 20.–23. Juli. Es ist das größte Team bei den Kontinentalmeisterschaften der Altersklasse U20 seit der einzigen Auflage, die 1983 in Schwechat auf österreichischem Boden stattgefunden hat. Damit gehen im knapp 10.000 Zuschauer fassenden Stadio Olimpico Carlo Zecchini 18 Bewerbe mit rot-weiß-roter Beteiligung über die Bühne. Vor allem die qualitative Besetzung verspricht, den positiven Trend der österreichischen Leichtathletik in den Junioren-Klassen fortzusetzen. Dabei sollte der Laufbereich eine gute Rolle spielen, obwohl die aussichtsreichste österreichische Läuferin Anna Baumgartner (SU IGLA long life), die neben ihrer besten Disziplin, dem 1.500m-Lauf, auch über 800m und 3.000m disqualifiziert gewesen wäre, gar nicht dabei ist. Sie lässt die Junioren-EM in Italien sausen und startet lieber eine Woche später beim für die Altersklasse U18 reservierten European Youth Olympic Festival in Györ – zweifelsohne ein Verlust für das EM-Team von Grosseto. Ebenfalls nicht am Start ist Albert Kokaly (DSG Maria Elend), der seinen Startplatz im 1.500m-Lauf aufgrund einer Verletzung nicht wahrnehmen kann. Der Kärntner konnte zuletzt bei diversen Auftritten überzeugen.

Medaillenhoffnung Siebenkampf

Trotz der bedauerlichen Absagen gibt es gute Gründe über die Anwesenden zu sprechen. Die besten Medaillenchancen bieten sich dem ÖLV in der aktuellen Paradedisziplin der österreichischen Leichtathletik, dem Mehrkampf der Damen. Sarah Lagger (TGW Zehnkampf Union) hat mehrfach auf internationaler Bühne ihr großes Talent unter Beweis gestellt und ist hinter der Schweizerin Geraldine Ruckstuhl und ihrer ukrainischen Dauer-Kontrahentin Alina Shukh die dritte Athletin im Feld, die die 6.000 Punkte bereits übertroffen hat. Auch Karin Strametz (SU Kärcher Leibnitz) hat beste Chancen auf ein Spitzenresultat.

Fünf österreichische Läufer

Die einzige Laufdisziplin, die Österreich doppelt besetzt, ist der 3.000m-Hindernislauf der Mädchen. Lena Millonig (ULC Riverside Mödling) hat beste Chancen auf einen Platz im Finale und könnte bei optimaler Leistung auch zu den Außenseiterinnen auf eine Medaille zählen. Einzige Läuferin im Feld, die bereits unter zehn Minuten gelaufen ist, ist die Ungarin Lili Anna Toth. Dagegen gehört Katharina Pesendorfer (SVS Leichtathletik) zu den Außenseiterinnen im Feld. Eine Finalteilnahme der 18-Jährigen wäre eine Überraschung. Die beiden Hindernisläuferinnen sind bereits am ersten Wettkampftag im Einsatz. Der Finallauf steht am Samstagabend auf dem Programm.
Bei den Burschen ist Stefan Schmid (SVS Leichtathletik) ein Kandidat auf einen Finalplatz, um den er am Freitagabend kämpft. Das Finale ist für Sonntag geplant. Ein weiteres Ziel des Wieners, der bei den U18-Europameisterschaften im vergangenen Jahr die Silbermedaille gewann, lautet, erstmals die Neun-Minuten-Grenze zu unterbieten. Haushoher Favorit im Feld ist der Norweger Jakob Ingebrigtsen, der erst seit kurzem als Hindernisläufer bekannt ist. Seine persönliche Bestleistung ist dennoch dem restlichen Feld haushoch überlegen. Fraglich ist allerdings, ob er tatsächlich am Start steht oder sich rein auf den 1.500m-Lauf konzentriert.
Schmid ist der einzige männliche Läufer im ÖLV-Aufgebot, dafür sind noch zwei Mittelstreckenläuferinnen im Team. Cornelia Wohlfahrt (LAC Klagenfurt) ist eine von nur vier Teilnehmerinnen im 800m-Lauf, die bereits im neuen Jahrtausend geboren ist. Die 16-jährige Kärntnerin befinden sich mit ihrer Bestleistung im breiten Mittelfeld des Starterfeldes, das angeführt wird von der haushohen Favoritin Marta Zenoni, die ein Heimspiel feiert. Die 18-Jährige gewann bei den Jugend-Weltmeisterschaften 2015 die Bronzemedaille in dieser Disziplin. Der Kampf um die Halbfinalplätze wird bereits am ersten Wettkampftag eröffnet, diese Hürde sollte Wohlfahrt nehmen. Das Halbfinale findet am Freitagabend, das Finale am Samstagabend statt.
Ylva Traxler (ULC Riverside Mödling) startet über 1.500m, wo eine Finalteilnahme eine große Herausforderung darstellt. Die Wienerin steigt am Freitagvormittag ins Wettkampfgeschehen ein.

Die großen Lauftalente Ingebrigtsen und Sclabas

Erfreulich ist nicht nur ein leistungsstarkes ÖLV-Aufgebot, sondern ein leistungsstarkes Teilnehmerfeld insgesamt. Auch in den Laufdisziplinen tummeln sich einige bereits international bekannte Namen. Das norwegische Supertalent Jakob Ingebrigtsen ist neben dem Hindernislauf auch auf seiner Spezialdisziplin, dem 1.500m-Lauf der Topfavorit auf Gold. Der 16-Jährige ist auch für den 5.000m-Lauf mit dem besten Vorwert qualifiziert, ein Dreifachstart schien vorab ausgeschlossen, selbst ein Doppelstart bringt bereits terminlichen Stress, ist vom Zeitplan her möglich. Doch Ingebrigtsen kündigte nach seiner Ankunft selbstbewusst einen Dreifachstart an (siehe RunAustria-Bericht) Einen großen Namen im Nachwuchsbereich trägt die Schweizerin Delia Sclabas, die sich für den 1.500m-Lauf, dem 3.000m-Lauf qualifiziert ist. Auch hier ließe der Zeitplan einen Start zu, die 16-Jährige, die bereits in diversen hochkarätigen Förderkadern des Schweizer Sports aufgenommen wurde, wäre auf beiden Distanzen die klare Favoritin auf den EM-Titel.
Sclabas soll eine tragende Rolle beim Unterstreichen des seit Jahren erkennbaren Aufwärtstrends der Schweizer Leichtathletik übernehmen. In den Laufdisziplinen sind neben Sclabas noch Lara Alemanni (1.500m/3.000m), Sibylle Häring (3.000m-Hindernislauf) und Sonja Andenmatten sowie Robin Öster (beide 800m) am Start. Der Schweizer Leichtathletik-Verband (Swiss Athletics) hat mit 35 jungen Leichtathletinnen und Leichtathleten ein Rekordaufgebot für Junioren-Europameisterschaften nominiert.

Medaillenchancen für den DLV

Der Deutsche Leichtathletik-Verband blickt bereits jetzt auf einen höchst erfreulichen Wettkampfsommer zurück, sowohl bei den U23-EM in Bydgoszcz als auch bei den U20-WM in Nairobi sorgten die Sportler für eine sehr positive Bilanz. An diese Erfolge soll auch in Grosseto angeknüpft werden. In den Laufentscheidungen geht Miriam Dattke als Favoritin auf Gold in den 5.000m-Lauf der Mädchen. Weitere Medaillenkandidaten sind Pascal Kleyer (800m), Markus Görger (5.000m), Jana Reinert (800m) und Lisa Oed (3.000m-Hindernislauf). Hinter Gastgeber Italien hat Deutschland mit 85 Athleten das zweitgrößte Aufgebot am Start.

Erfahrener Gastgeber

Mit der Reise nach Grosseto, einer Kleinstadt in der italienischen Region Toskana mit langer Geschichte, betritt die europäische Leichtathletik ein bekanntes Terrain. Grosseto war nämlich bereits einmal (2001, mit Titelträger Mo Farah) Gastgeber der Junioren-Europameisterschaften und richtete 2004 die Junioren-Weltmeisterschaften aus. Italien ist bereits zum dritten Mal Gastgeber der Junioren-Europameisterschaften im neuen Jahrtausend, vor vier Jahren richtete Rieti diese Titelkämpfe aus. Eine Woche nach den erfolgreichen U23-Europameisterschaften hofft das italienische Team auf weitere Erfolge auch bei der jüngeren Generation, der italienische Verband (FIDAL) nominierte ein Rekordaufgebot von nicht weniger als 94 Athleten, 159 hatten das Limit erbracht.
Insgesamt haben 1.159 Leichtathletinnen und Leichtathleten aus 47 Nationen für die Titelkämpfe genannt, was die Bedeutung der U20-Europameisterschaften für die europäische Leichtathletik eindrucksvoll betont. Die Junioren-EM in Grosseto bietet eine hervorragende Möglichkeit, die Stars von morgen live zu sehen. Der Eintritt ins Stadion ist an allen vier Wettkampftagen kostenlos.
Kurzberichte über die Laufentscheidungen bei der Junioren-EM in Grosseto finden Sie unter Kurzmeldungen.
Junioren-Europameisterschaften 2017 in Grosseto