Semenya bei Bislett Games um Fortführung ihrer Siegesserie

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Seit dem ISTAF in Berlin gegen Saisonende 2015, als sie als Achte ins Ziel kam, hat Caster Semenya keinen 800m-Lauf mehr verloren. Um diese Siegesserie endlich zu beenden, hat sich ihre größte Herausforderin Margaret Wambui aus Kenia für das Diamond League Meeting in Oslo einiges vorgenommen. Bei den bisherigen Rennen in Doha und Eugene schaffte sie es jeweils in den Windschatten der Südafrikanerin, konnte deren Tempo allerdings auf der Zielgerade nicht widerstehen.

Bewährungschance für Skandinavier

Der 800m-Lauf ist nicht nur aufgrund des bisher einseitigen Duells Semenya gegen Wambui die qualitativ am besten besetzte Laufentscheidung des Abends. Mit Francine Niyonsaba, in Eugene hinter Semeya und Wambui Dritte, ist auch die dritte Olympia-Medaillengewinnerin von Rio am Start. Dazu kommen mit Melissa Bishop die Nummer vier in Rio und mit der Kenianerin Eunice Sum die Weltmeisterin von Moskau.
In diesem starken Feld versuchen sich auch einige europäische Läuferinnen zu positionieren. Neben den Skandinavierinnen Hedda Hynne (Norwegen), Lovisa Lindh (Schweden), Vierte bei den Europameisterschaften 2016, und Anita Hinriksdottir (Island), die ihr Diamond-League-Debüt feiert, sind auch die Britin Lynsey Sharp und die Belgierin Renée Eykens im Rennen, das von der Kubanerin Rose Mary Almanza komplettiert wird. Vielleicht mit Ausnahme Sharps werden die Europäerinnen ein eigenes Rennen hinter der Weltklasse laufen, aber die Chance auf höchster Bühne zu brillieren suchen. Dank der anstehenden WM-Trials in den USA und Kenia fehlen in Oslo und auch am kommenden Sonntag in Stockholm einige Stars. Diese Startplätze kommen europäischen Leichtathletinnen und Leichtathleten zu Gute.
 

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Caster Semenya lag beim Diamond League Meeting in Doha knapp vor Margaret Wambui. © IAAF DIamond League / DECA Text&Bild
Überraschungsstart einer Lokalmatadorin

In der zweiten Laufentscheidung der Damen, dem 3.000m-Lauf der Damen, fehlen die Dominatorinnen der letzten Wochen und Monate geschlossen. Favoritin ist die Äthiopierin Sofia Assefa, die zuletzt mit einer persönlichen Bestleistung in Hengelo überzeugen konnte und die mit Abstand schnellste Bestleistung im Feld aufweist. Mit einem Sieg oder einem zweiten Platz übernimmt die Äthiopierin die Führung in der Qualifikation für das Diamond-League-Finale. Einen Tag vor dem Wettkampf stehen noch einige Fragezeichnen hinter dem Starterfeld. Europameisterin Gesa Krause und London-Olympiasiegerin Habiba Ghribi haben sich angekündigt, stehen aber nicht mehr in der Startliste auf der Website der Diamond League.
Sollten beide fehlen, bietet sich weiteren europäischen Läuferinnen eine tolle Chance, allen voran der Schweizerin Fabienne Schlumpf, die sich zuletzt in Topform zeigte. Nicht nur bei ihrem Sieg beim Schweizer Frauenlauf am vergangenen Wochenende (siehe RunAustria-Bericht), sondern auch mit ihrem neuen Schweizer Rekord von 9:26,86 Minuten in ihrer Spezialdisziplin, den sie letzte Woche im französischen Belfort aufstellte. Läuft es für die 26-jährige Olympia-Finalistin optimal und sie kann in der Verfolgergruppe mitlaufen, ist eine Spitzenzeit drin. Will Schlumpf das Rennen in möglicher Abwesenheit Krauses als beste Europäerin beenden, ist wohl die albanische Vize-Europameisteirn Luiza Gega ihre Hauptkonkurrentin.
Eine fantastische Chance bietet sich auch der jungen Dänin Anna Emilie Möller, die unter anderem mit Rang fünf bei den Junioren-Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in der Juniorenklasse glänzen konnte. Auf europäischem Parkett ist sie das Talent schlechthin in dieser Disziplin! Die 19-Jährige war noch nie bei einem Diamond-League-Rennen dabei, zeigte aber zuletzt mit einem überlegenen Sieg bei einem Meeting im belgischen Oordegem auf. Für eine faustdicke Überraschung auf der Starterliste sorgt die Präsenz von Lokalmatadorin Karoline Bjerkeli Grövdal, die seit sechs Jahren kein Hindernisrennen mehr bestritten hat. Da die Norwegerin zur europäischen Elite im 5.000m- und 10.000m-Lauf zählt, was sie durch zwei Top-Ten-Platzierungen bei den Olympischen Spielen untermauern konnte, wäre ein ernst gemeinter Test eines Disziplinenwechsels eine abenteuerliche Entscheidung…

Bühne frei für die Ingebrigtsens

Normalerweise ist die Dream Mile ein Fixpunkt der Bislett Games. Doch außergewöhnliche Voraussetzungen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen und so verzichtet der Veranstalter in diesem Jahr auf eine Dream Mile der Erwachsenen und nahm eine U20 Dream Mile ins Programm. Grund dafür ist natürlich das norwegische Laufjuwel Jakob Ingebrigtsen, der zuletzt in Eugene als jüngster Läufer der Geschichte eine Meile in einer Zeit von unter vier Minuten absolviert hat – ein starkes Zeichen des Veranstalters welch große Nummer der Junior in Norwegen bereits ist! In diesem Junioren-Rennen kann der 16-Jährige auf der großen Bühne vor erwarteten 15.000 Zuschauern sogar gewinnen, nur der Ire Paul Robinson hat eine bessere Bestleistung aufzuweisen als er.

Nur ein Ingebrigtsen über 1.500m

Statt der Dream Mile findet in diesem Jahr ein 1.500m-Lauf der Herren statt. Nach der verletzungsbedingten Absage von Henrik (siehe RunAustria-Bericht) steht im Starterfeld nur ein Ingebrigtsen, nämlich der amtierende Europameister Filip. Gemeinsam mit Jakub Holusa aus der Tschechischen Republik, Charlie Grice und Jake Wightman aus Großbritannien und Hallen-Europameister Marcin Lewandoski fordert ein starkes europäisches Quintett die afrikanische Elite. Diese wird angeführt von Doha-Sieger Elijah Managoi und Silas Kiplagat aus Kenia bzw. dem Marokkaner Abdelaati Iguider. Ayanleh Souleiman, der 2014 in Oslo gewann, ist außer Form, ebenso wie Asbel Kiprop, der nach einer empfindlichen Niederlage auf kenianischem Boden letzte Woche nicht nach Oslo gereist ist.
Diamond League in Oslo