Trotz fünf sub-2:05-Läufer – Leise Hoffnung auf Heimsieg

Galen Rupp gewann bei den Olympischen Spielen 2016 die Bronzemedaille. © Getty Images

Trotz des London Marathon als sehr bevorzugte Destination für die Marathon-Weltelite im Frühjahr ist es dem Veranstalter des Klassikers an der US-Ostküste gelungen, ein schlagkräftiges Elitefeld der Herren zu versammeln. Obwohl mit Weltrekordhalter Dennis Kimetto und dem ehemaligen Weltrekordhalter Patrick Makau zwei Schwergewichte der Szene verletzungsbedingt absagen mussten – Kimetto zum wiederholten Male in letzter Zeit – sind es noch fünf Läufer, die Bestleistungen unter 2:05 Stunden aufweisen können. Und das gilt in als Eintrittskarte in die Marathon-Weltklasse. Gleich wie ein Triumph beim ältesten City-Marathon der Welt. Und da hoffen die US-Amerikaner auf eine Überraschung aus dem eigenen Lager.
 

Galen Rupp gewann bei den Olympischen Spielen 2016 die Bronzemedaille. © Getty Images
Galen Rupp gewann bei den Olympischen Spielen 2016 die Bronzemedaille. © Getty Images
22-Jähriger kämpft um Titelverteidigung

Angesichts dieses Klassefeldes wird die Aufgabe für den erst 22 Jahre alten Äthiopier Lemi Berhanu, seinen Vorjahressieg zu wiederholen, eine sehr schwierige. Dies allerdings wäre eine grandiose Leistung, denn zuletzt gelang dem Kenianer Robert Cheruiyot, der insgesamt sogar viermal in Boston gewann, im Jahr 2008 eine erfolgreiche Titelverteidigung. Trotz seines unerfahrenen Alters ist Berhanu ein Klasseläufer mit viel Erfahrung für seine 22 Jahre. Siege in Boston, Dubai, Xiamen und Warschau zieren seine Visitenkarte. Der Boston Marathon ist sein bereits neunter 42,195 Kilometer-Lauf, fünf hat er als Sieger beendet.

Formschwacher Mutai

Die auf dem Papier größten Herausforderer Berhanus kommen aus Kenia. Emmanuel Mutai reist mit der Empfehlung, der viertschnellste Marathonläufer aller Zeiten zu sein, in die USA. Doch abgesehen vom Wunderlauf gemeinsam mit Dennis Kimetto in Berlin 2014, ist seine Karriere nicht unbedingt von Erfolgen übersät. In den vergangenen beiden Jahren blieben Top-Resultate aus, nur einmal bei seinen letzten vier Marathons blieb der 32-Jährige unter 2:10 Stunden. Insgesamt hat der erfahrene Kenianer bereits 20 Marathons in den Knochen.
Der zweite starke Kenianer im Rennen ist Sammy Kitwara, der bereits in Chicago und Amsterdam zweite Plätze belegt hat. Der große Sieg fehlt ihm noch in seiner Vita, im vergangenen Jahr kam er beim Boston Marathon als Sechster ins Ziel. Bereits zweimal auf dem Podest stand Wilson Chebet, unter anderem als Zweiter beim legendären Heimsieg durch Meb Keflezighi vor drei Jahren. Wie man in Boston gewinnt, weiß Wesley Korir, der 2012 überraschend triumphierte. Seither gelang ihm allerdings keine Platzierung unter den ersten Drei mehr. Dass diese Negativserie am Patriot’s Day ändert, ist daher äußerst unwahrscheinlich. Im letzten Jahr war er immerhin Vierter und schaffte wie durch ein Wunder den Sprung ins kenianische Olympia-Aufgebot.

Motivierte Äthiopier

Neben Titelverteidiger Berhanu gehen weitere motivierte und leistungsstarke Äthiopier ins Rennen. Yemane Tsegay, Vize-Weltmeister von Peking, belegte im vergangenen Jahr Rang drei. Den letzten Marathon, den er gelaufen ist, gewann er allerdings: in Fukuoka gegen Makau. Dino Sefir entschied 2016 gleich zwei Marathons für sich, in Barcelona und Ottawa. Sisay Lemma, ehemaliger Sieger des Vienna City Marathon und des Frankfurt Marathon, rechnet sich ebenfalls etwas aus. Zu Saisonbeginn belegte er in Dubai Rang drei.

Attacke durch Galen Rupp

Die heißeste Aktie im starken US-Team ist Galen Rupp, der sein Boston-Debüt feiert. Überhaupt ist es erst der dritte Marathon für den Olympia-Bronzemedaillengewinner. Doch der 30-Jährige will ordentlich angreifen und könnte bei einem nicht allzu schnellen Rennen sogar zum Favoritenkreis auf den Sieg gehören – sofern seine jüngsten Beschwerden am Fuß auskuriert sind, die ihm beim Prag Halbmarathon vor zwei Wochen zu schaffen machten. Sollte er fit sein und die Herausforderung, zum ersten Mal einen Marathon auf einer hügeligen Strecke zu laufen, meistern, ist mit dem Schützling von Starcoach Alberto Salazar viel zuzutrauen. Vor Wochen hieß es aus dem Nike Oregon Project noch, Salazar und Rupp würden die Siegesstrategie vorbereiten.
Rupp läuft seinen ersten, Meb Keflezighi seinen letzten Boston Marathon als Spitzensporter. Für den 41-jährigen Oldie ist nach dieser Saison Schluss mit Leistungssport. „Ich werde alles in die Waagschale werfen und würde es lieben, wenn ich einigermaßen mithalten könnte. Natürlich ist mein Ziel der Sieg. Wenn ich nicht gewinnen kann, dann Top-3. Wenn das nicht möglich ist, dann Top-Ten. Wenn das auch nicht geht, dann will ich zumindest ins Ziel kommen“, blickt der Routinier entspannt voraus und erwartet durch seinen Boston-Abschied einen sehr emotionalen Tag, den er genießen will. „Ich werde Tränen in den Augen haben!“
Der 40-jährige Abdi Abdirahman, im Vorjahr Dritter beim New York City Marathon, Luke Puskedra, Olympia-Teilnehmer Jard Ward, Shadrack Biwott und Sam Quigley komplettieren das starke US-Aufgebot beim Frühjahrsklassiker. Im Elitefeld stehen mit dem Kenianer Daniel Salel und dem Japaner Suguru Osako, der im Nike Oregeon Project trainiert, zwei Debütanten.

120 Jahre Boston Marathon

Die heurige Auflage des Boston Marathon ist nicht nur aufgrund des 50-jährigen Jubiläums des ersten Starts von Kathrine Switzer eine besonders. Vor 120 Jahren fand die erste Auflage des bis heute ältesten City-Marathons statt. Bis heute fiel keine einzige ins Wasser. Apropos: Die Wetterbedingungen sind viel versprechend, daher werden am Patriot’s Day, ein Feiertag, der an erste Schlachten zur Erlangung der US-amerikanischen Unabhängigkeit erinnert, zig-tausende Zuschauer entlang der Strecke von Hopkington nach Boston erwartet. Den Läuferinnen und Läufern, die etwas länger unterwegs sind, drohen hohe Temperaturen.
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