Türkische Läuferinnen bekommen Olympia-Medaillen aberkannt

Ein Foto, das keine Gültigkeit besitzt. Die des Dopings überführten Türkinnen Gamze Bulut (l.) und Asli Cakir Alptekin feiern ihre Medaillen, die sie nun zurückgeben müssen.
Ein Foto, das keine Gültigkeit besitzt. Die des Dopings überführten Türkinnen Gamze Bulut (l.) und Asli Cakir Alptekin feiern ihre Medaillen, die sie nun zurückgeben müssen.
Die nachträgliche Sezier-Prozess des 1.500m-Finals im Rahmen der Olympischen Spiele 2012 ist um ein Kapitel reicher. Was die Spatzen schon länger von den Dächern pfiffen, ist nun offiziell. Die Türkin Gamze Bulut ist aufgrund von Unregelmäßigkeiten in ihrem biologischen Pass, die als Doping-Beweis gewertet werden, nun ihre Olympia-Medaille genauso wie ihre Medaille von den Europameisterschaften 2012 los.

Langwierige Geschichte

Die Geschichte der türkischen Läuferinnen Asli Cakir Alptekin und Gamze Bulut ist eine der kuriosesten und wohl auffälligsten in der Geschichte des Doping-Missbrauchs im Laufsport. Die beiden tauchten 2012 aus dem Nichts in der Weltklasse auf und gewannen Ende Juni in Helsinki EM-Gold und EM-Silber. Mit dem exakt selben Zieleinlauf ging wenige Wochen später das Olympische Finale über 1.500m in London zu Ende. Der Dopingverdacht gegen den türkischen Verband und seine Athleten wurde dank einer Reihe von überführten Leichtathleten in den vergangenen Jahren konkreter. Dann flog Alptekin aufgrund von Unregelmäßigkeiten auf, ihre Ergebnisse wurden gelöscht. Sprich, Gamze Bulut „verlor“ zwei Silbermedaillen und rückte zur Europameisterin und Olympiasiegerin auf. Offiziell hat sie die Goldmedaillen aufgrund der laufenden Ermittlungen gegen ihre Person nie bekommen. Nun wurden ihr beide Resultate gestrichen, korrekterweise muss sie nun ihre Silbermedaillen abgeben.

Das Chaos rund um das 1.500m-Resultat von London

Bereits im letzten Jahr hat die türkische Zeitung „Zaman“ nach Informationen der Web-Plattform insidethegames.biz berichtet, dass die heute 24-Jährige des Dopings überführt worden sei. Das 1.500m-Finale von London gilt als das „dopingverseuchteste“ Rennen in der Geschichte der Leichtathletik. Gamze Bulut ist nach der vermeintlichen Olympiasiegerin Asli Cakir Alptekin, der Weißrussin Natalija Kareeva und Ekatarina Kostezkaja aus Russland bereits die vierte Athletin, die im Nachhinein wegen Dopings disqualifiziert wurde. Demnach wird wohl Maryam Yusuf Jamal mit gut vier Jahren Verspätung zur Olympiasiegerin aufrücken, die Silbermedaille wird an Tatyana Tomashova weitergereicht, die Bronzemedaille erbt Abeba Aregawi, die damals noch für Äthiopien startete. Allerdings waren beide schon einmal wegen Dopings gesperrt: die Russin im vergangenen Jahrzehnt, die nun für Schweden startende Äthiopierin im letzten Jahr. Die neue Besetzung des EM-Podests bei den Europameisterschaften in Helsinki lautet : Die Spanierin Nuria Fernandez vor Djana Sujew aus Deutschland und Tereza Capkova aus der Tschechischen Republik. Fernandez war ursprünglich als Fünfte ins Ziel gekommen!

Auch Abeylegesse verliert Silbermedaille

Mit Elvan Abeylegesse, einer in Äthiopien geborenen Türkin, verliert eine weitere türkische Läuferin zwei Silbermedaillen, ebenfalls aufgrund von Unregelmäßigkeiten in ihrem biologischen Pass. Abeylegesse wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt aufgrund einer positiven Dopingprobe, die bei Nachtests der Proben von den Weltmeisterschaften 2007 in Osaka entdeckt wurde, für zwei Jahre gesperrt. Damals verlor sie ihre Medaillen, die sie bei diesen Titelkämpfen gewonnen hatte. Nun wurde konkretisiert, dass alle Ergebnisse Abeylegesses im Zeitraum zwischen 25. Juli 2007 und 25. Juli 2009 gelöscht werden. Darunter fallen auch zwei Silbermedaillen bei den Olympischen Spielen von Peking über 5.000m und 10.000m.

Neue Medaillengewinnerinnen

Über 10.000m wird wohl die US-Amerikanerin Shalane Flanagan auf den zweiten Platz hinter Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba aufrücken. Das würde bedeuten, dass die Kenianerin Linet Masai, ein Jahr später Weltmeisterin Berlin, eine Olympische Bronzemedaille bekommt. Über die halbe Distanz würde Meseret Defar von Platz drei auf Platz zwei aufrücken und die Kenianerin Sylvia Kibet ihre Bronzemedaille übernehmen. Bei der WM 2007 sind die US-Amerikanerin Kara Goucher und die Britin Jo Pavey im 10.000m-Lauf aufgerückt und profitierten von der Disqualifikation der Türkin, die noch bis 28. September 2017 gesperrt ist. „Das ist eine gute Nachricht, aber eine bitter-süße“, sagt Pavey im Interview mit der BBC, „Anstatt mich über meine erste internationale Medaille zu freuen, lag ich auf der Bahn und war total frustriert. Ich kann mich gut an das Rennen erinnern, ich war in Top-Form und habe wirklich alles aus meinem Körper herausgeholt – bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.“