Farah wehrt sich vehement gegen neue-alte Doping-Anschuldigungen

Doping-Anschuldigungen sind bei nicht eindeutiger Beweislage desöfteren eine Never-Ending-Story. Und in einer solchen befindet sich auch Mo Farah, der sich erneut Anschuldigungen gegen seinen vertrauten Coach Alberto Salazar zur Wehr setzen muss. Und an der Vehemenz des öffentlichen Konters ist abzulesen, dass dem im Nike Oregon Project trainierenden Briten die Geduld langsam ausgeht. „Ich bin sehr verärgert, dass einige Medien entgegen der Faktenlage nicht aufhören, mich mit Missbrauch von verbotenen Substanzen zu assoziieren“, vermerkte er in einem Statement auf seiner Facebook-Seite.
 

Mo Farah ist vierfacher Olympiasieger, hier bei seinem Triumph in Rio 2016 über 10.000m. © Getty Images
Mo Farah ist vierfacher Olympiasieger, hier bei seinem Triumph in Rio 2016 über 10.000m. © Getty Images
Titelseite der Sunday Times

Auslöser der Verärgerung Farahs war die Titelseiten der britischen Zeitung „The Sunday Times“ am gestrigen Sonntag, wo das Medium die alte Geschichte aus dem Jahr 2015 wieder aufgriff. Damals gab es aus Großbritannien massive Anschuldigungen, dass Alberto Salazar mit dem Gebrauch von chemischen L-Carnitin in seiner Trainingsgruppe die Grenze des Erlaubten übertreten hätte. L-Carnitin ist zwar keine kategorisch verbotene Substanz, ist aber ab einer bestimmten Menge nicht mehr erlaubt. Eine TV-Dokumentation stellte belastende Indizien in den Raum, die anschließenden Ermittlungen der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) haben bis heute kein offizielles Ergebnis. Salazar, der sich monatelang zurückgezogen hatte, und seine Athleten hatten schwierige Wochen überstanden. Nun will die Sunday Times mit dem neuen Bericht, weitere Fragen in den Raum stellen – so die Konklusion.

Hackerangriff der Fancy Bears

Die Sunday Times beruft sich in ihrem neuesten Berichterstattung auf die russische Hackergruppe Fancy Bears, die ihr einige Informationen zugspielt hätten. Darin heißt es, dass es „beinahe sicher“ ist, dass Salazar die Anti-Doping-Regeln gebrochen hat. Die USADA hat mittlerweile die Ausführungen der Sunday Times bestätigt, dass ein halbfertiger USADA-Bericht von Fancy Bears im März 2016 gehackt worden sei. Die USADA hat ihren Ermittlungsbericht über die Anschuldigungen gegen Salazar nie veröffentlicht und keine Sanktionen ausgesprochen, was auf keine spektakulären Ermittlungsergebnisse hindeutet.

„Höchstgradig unfair!“

„Ich verstehe die Motivation der Sunday Times nicht. Aber ich verstehe, dass eine Geschichte interessanter ist, wenn mein Name verwendet wird. Das ist allerdings höchstgradig unfair! Wie ich schon hunderte Male gesagt habe, ich gebe alles für einen sauberen Sport und ich vertraue den Anti-Doping-Agenturen, dass sie Sportler, die sich nicht an die Regeln halten sanktionieren. Medien brauchen hier nicht zu richten. Ich habe jedenfalls niemals die Regeln missachtet.“ Der Zorn Farahs ist unter einem Gesichtspunkt insbesondere zu verstehen. Bereits 2015, als gegen Salazar ermittelt wurde, gab es im Gegensatz zu einigen anderen Athleten wie zum Beispiel Galen Rupp keine Gerüchte geschweige denn Verbindung zu Mo Farah, der aber auch bereits damals immer wieder in die Diskussion hineingezogen wurde.
Salazar reagierte in einer Reaktion gelassener: „Die Sunday Times hat einfach alte Beschuldigungen wieder aufgenommen. Wir haben damals klar und verständlich eine Gegendarstellung gemacht. Das Oregon Project wird Doping nie tolerieren und hält sich an die Regeln der WADA und der IAAF.“