Ex-Weltrekordhalter Wilson Kipsang startet beim Tokio Marathon

Wilson Kipsang (l.) gemeinsam mit Kenenisa Bekele nach der spannenden Weltrekordjagd in Berlin 2016. © SIP / René van Zee

Als einziger Läufer der absoluten Weltklasse hat Wilson Kipsang bis dato nicht offiziell bekannt gegeben, welchen Marathon er in der Frühjahrssaison 2017 läuft. Nun ist das Rätsel gelöst. Der kenianische Ex-Weltrekordhalter, der zuletzt im Zweikampf mit Kenenisa Bekele in Berlin eine persönliche Bestleistung von 2:03:13 Stunden gelaufen ist, ist der Star des diesjährigen Tokio Marathon. Und die sportliche Perspektive beim Vorzeige-Laufsportevent im laufsportverrrückten Japan ist durchaus interessant. Der Tokio Marathon ist am 26. Februar der erste zur World Marathon Majors zählende Event des Jahres – und damit der terminlich am weitesten vom WM-Marathon in London entfernte. Der Tokio Marathon ist die vorletzte Station der in Boston endenden World Marathon Major Jahreswertung 2016/17. Und der Marathon in der japanischen Hauptstadt hat eine Streckenänderung erfahren, die schnellere Zeiten zulassen soll. Der Streckenrekord der Veranstaltung, die erst 2007 zum ersten Mal als Massenevent ausgetragen wurde, liegt bei 2:05:42 Stunden (gehalten von Dickson Chumba) und ist damit der langsamste Streckenrekord bei den World Marathon Majors. Dieser kleine Makel soll in diesem Jahr mit Wilson Kipsang an der Spitze des Elitefeldes beseitigt werden.
 

Wilson Kipsang (l.) gemeinsam mit Kenenisa Bekele nach der spannenden Weltrekordjagd in Berlin 2016. © SIP / René van Zee
Wilson Kipsang (l.) gemeinsam mit Kenenisa Bekele nach der spannenden Weltrekordjagd in Berlin 2016. © SIP / René van Zee
Erfahrenes Feld

Anderswo stürmen emporkommende Youngsters die Hitlisten der Marathon-Schlagzeilen. Der Tokio Marathon geht einen anderen Weg. Das internationale Elitefeld der Herren ist geprägt von Erfahrung. Die größten Konkurrenten des 34-Jährigen werden Streckenrekordhalter Dickson Chumba und der Äthiopier Tsegaye Kebede sein. Beide sind 30 Jahre alt, bei beiden gilt: Die besten Ergebnisse haben sie bereits vor Jahren eingefahren. Kebede verteidigt auf der neuen Strecke des Tokio Marathon übrigens auch die schnellste Marathonzeit, die jemals auf japanischem Boden gelaufen wurde. In einer Zeit von 2:05:18 Stunden gewann er 2009 den Fukuoka Marathon.
Zwei weitere Läufer im Feld können eine Bestleistung von unter 2:05 Stunden aufweisen. Tadese Tola, WM-Bronzemedaillengewinner von Moskau 2013 und nicht zu verwechseln mit Dubai-Triumphator Tamirat Tola, und Bernard Koech sind diese Zeiten allerdings auf der pfeilschnellen Strecke des Dubai Marathon gelaufen. Das Feld wird komplettiert vom Evans Chebet, der beim Berlin Marathon bereits auf dem Podest stand und an einer Serie mit fünf Podestplätzen in Serie arbeitet, dem letztjährigen Rotterdam-Sieger Marius Kipserem, dem zweifachen Amsterdam-Sieger Bernard Kipyego, in Tokio im vergangenen Jahr Zweiter, und dem mehrfachen Shanghai-Sieger Stephen Mokoka aus Südafrika. Nicht dabei ist dieses Mal der Olympiasieger von 2012, Stephen Kiprotich, der in den vergangenen Jahren regelmäßig in Tokio gelaufen ist, aber nie gewinnen konnte, und Titelverteidiger Feyisa Lilesa.
Die japanische Phalanx wird angeführt von Masato Imai, 2015 Siebter in Tokio, Hiroaki Sano, Koji Gokaya und Takuya Fukatsu. Sie alle haben Bestleistungen unter 2:10 Stunden und kämpfen um die begehrten Plätze im japanischen WM-Team für London.

Kabuu führt Feld der Damen an

Mit nur 1,55 Meter Körperlänge und 42 Kilogramm Körpergewicht hat es Lucy Kabuu generell nicht leicht, sich in den Vordergrund zu drängen. Genau das möchte sie allerdings mit sportlicher Leistung beim Tokio Marathon 2017 schaffen. Denn die 32-Jährige führt die Zeitenliste an, was allerdings nicht automatisch bedeutet, dass sie die Favoritin ist. Die Leistungen in letzter Zeit waren nämlich unkonstant. Ihrer persönliche Bestleistung von 2:19:34 Stunden (Dubai Marathon 2012) kam sie nur einmal nahe, vor zwei Jahren erneut in Dubai, als sie in einer Zeit von 2:20:21 Stunden Rang drei belegte. 2016 tauchte sie kaum auf der internationalen Bühne auf.

Äthiopische Konkurrenz

Die namhaftesten Gegnerinnen Kabuus kommen aus Äthiopien: Die junge Amane Beriso feierte im vergangenen Jahr ein beeindruckendes Marathon-Debüt in Dubai (2:20:48 Stunden), Amane Gobena musste sich im vergangenen Jahr in Tokio in persönlicher Bestleistung von 2:21:51 Stunden einzig Siegerin Helah Kiprop geschlagen geben, und die erst 23-jährige Birhane Dibaba weiß, wie es sich anführt, in Tokio vom obersten Treppchen zu lächeln – sie gewann 2015 und ist bereits zum vierten Mal dabei. Das Feld wird ergänzt durch die US-Amerikanerin Sarah Hall, die erstmals unter 2:30 Stunden laufen möchte, und Debütantin Betsy Saina aus Kenia, die mit einer starken Halbmarathon-Bestleistung von 1:07:22 Stunden im Gepäck anreist und daher zum Favoritenkreis zählen wird.
Die japanischen Damen laufen in Tokio kein Qualifikationsrennen, weswegen auch international bekannte Namen fehlen. Die erwartet stärkste Japanerin im Feld ist Kaori Yoshida.
Tokio Marathon